Das Auge Gottes - Außergewöhnliches Epitaph kehrt zurück

Korbach. Außergewöhnlich ist, dass ein hölzernes Epitaph den 30-jährigen Krieg mit all seinen Zerstörungen übersteht. Noch außergewöhnlicher i

Korbach. Außergewöhnlich ist, dass ein hölzernes Epitaph den 30-jährigen Krieg mit all seinen Zerstörungen übersteht. Noch außergewöhnlicher ist, dass ein Epitaph 1611 für ein nur dreimonatiges Kind auf Holz gemalt wurde, obwohl die Kindersterblichkeit zu diesem Zeitpunkt relativ hoch ist. Und am außergewöhnlichsten ist, dass genau 400 Jahre nachdem das Epitaph angefertigt wurde, es wieder nach Korbach gelangt.

Petra Rhodius hatte in ihrer Kindheit immer ein unwohles Gefühl, wenn sie das Epitaph bei ihrer Großmutter im Haus im Steinrückweg sah. "Das Auge Gottes" blickt einen immer an, egal ob man links, rechts oder mittig vor dem gemalten Bildnis steht. Doch gleichzeitig war sie beeindruckt von dem Kunstwerk, das 400 Jahre unbeschadet überstand.Das Epitaph für Antonius Steinrück ist in Latein verfasst. In der Übersetzung von Dr. Jürgen Römer steht dort geschrieben:

"Der Beginn unseres Lebenslaufes ist Weinen, die Mitte Schmerz und Arbeit und der Tod das Ende. Antonius Steinrück, der Sohn des Magisters Samuel, starb und ist begraben in Ense am 24. August 1611 im Alter von 14 Wochen."

Anfertigen ließ das Epitaph Samuel Steinrück (geboren 1584), Pfarrer und Pfarrerssohn von Antonius Steinrück aus Nieder-Ense. Er heiratet 1610 Sybilla Loisilliers. Sie ist die Lieblingsmagd von Fürstin Anna zu Waldeck, die dem Pfarrer zu einer eigenen Stelle in Helmighausen verhilft. Sybilla schenkt ihrem Samuel einen Sohn, der, wie das Epitaph belegt, nur etwas mehr als drei Monate alt wird.

Weitere Forschungen von Petra Rhodius ergeben, das Sybilla alsbald auch stirbt. Samuel heiratet noch zwei weitere Male und wird Vater zweier Töchter...

Das Epitaph hängt ungefähr bis 1890 in der Kirche von Nieder-Ense. Ob es durch Gemeindebeschluss oder wegen Renovierungsarbeiten an den Nachfahren Albert Steinrück (Korbachs damaliger Bürgermeister) geht, lässt sich nur vermuten.

Das Werk bleibt seitdem im Privatbesitz und wird an einen Cousin von Petra Rhodius weitergegeben, der es mit in die Schweiz nimmt. Nach seinem Tod ist Petra Rhodius als Empfängerin bestimmt.

Bis die Formalien geklärt sind, ein solch historisch wertvolles Kunstwerk wieder nach Deutschland zu holen, bedarf es einiger Zeit. Als die Nachfahrin das Werk schließlich in Händen hält, ist es genau der 24. August 2011. Der Tag der Beerdigung des kleinen Antonius, der nur 14 Wochen alt wurde.

Das Korbacher Museum stellt die hölzerne Grabschrift im Sakralraum aus. Ein Wunsch, der Ururenkel, "da im Gegensatz zu einer Kirche die Temperatur im Museum nicht schwankt und es sicherer ist".

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