Der Baumeister

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August Orth (aus: Der Baer, Illustrierte Berliner Wochenschrift 1881/82)

Lengefeld. Kaum eine Epoche der Zeitgeschichte hat in kurzer Abfolge so viele Sakralbauten hervorgebracht wie die Zeit zwischen 1860 und 1920. Einer d

Lengefeld. Kaum eine Epoche der Zeitgeschichte hat in kurzer Abfolge so viele Sakralbauten hervorgebracht wie die Zeit zwischen 1860 und 1920. Einer der Baumeister dieser Zeit ist August Orth. Geboren 1828 in Windhausen und aufgewachsen in Lengefeld studiert er nach dem Abitur an der Alten Landesschule Bauwesen.

Entscheidend für diese Berufswahl ist sein Lehrer Ferdinand von Rheins und dessen Einsatz für den Erhalt der Korbacher Kilianskirche. Bereits während des Studiums nimmt Orth an Wettbewerben teil und gewinnt 1856 anlässlich des Schinkel-Festes den ersten Preis für den Entwurf einer Kirche am Berliner Humboldthafen. Auf Empfehlung von Christian Daniel Rauch erhält Orth eine Anstellung im Atelier des Oberhofbaurats Heinrich Strack.

Anschließend stellt er sich in den Dienst verschiedener Eisenbahngesellschaften. Seinen ersten großen Auftrag erhält Orth mit 38 Jahren: das Empfangsgebäude der "Berlin-Görlitzer Bahn" 1866. In den Folgejahren arbeitet er sich hoch zum Hausarchitekten des Unternehmers und Eisenbahnkönigs Bethel Henry Strousberg, für den er zahlreiche Aufträge ausführt.

1871 veröffentlicht Orth seine Denkschrift "Berliner Centralbahn", in der er sein Interesse für den Eisenbahnbau mit stadtplanerischen Entwürfen verbindet. Durch diese Schrift wird er zum "geistigen Vater" der Berliner Stadtbahn, auch wenn er selbst an der Ausführung nicht beteiligt ist.

Der Nachwelt bekannt ist August Orth heute vor allem durch seine historistischen Kirchenbauten. Nach seinen Entwürfen entstehen Kirchen in Ahaus, Pyrmont, Hundsfeld bei Breslau und in Neiße, vor allem aber in Berlin,(Zionskirche, Dankeskirche Weddingplatz, Friedenskirche Ruppiner Straße, Gethsemanekirche, Emmaus-Kirche und Himmelfahrtkirche). Orths letzte Kirchenbauten sind die evangelische Kirche in Bethlehem und die Kreuzeskirche in Essen. August Orth stirbt 1901 in Berlin und liegt auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof begraben.

Ausstellung und Vortrag

Das Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach lädt am 11. Oktober um 19.30 Uhr zusammen mit der Bezirksgruppe Korbach des Waldeckischen Geschichtsvereins zu einem Vortrag von  Gerhard Ballewski zum Thema "Architektur zwischen Historismus und Moderne am Beispiel des Bauschaffens von August Orth" ein.

Gerhard Ballewski ist Leiter des Kirchenbau-Dokumentationszentrums in Berlin. Anhand zahlreicher Bilder zeigt er Baustilentwicklungen aus der Schaffenszeit des Baumeisters August Orth. Die sozialen Rahmenbedingungen, städtebauliche Entwicklungen und die Baugeschichte des Sakralbaus im 19. Jahrhundert werden vorgestellt.

Die Ausstellung "August Orth (1828 - 1901) Architekt – Stadtplaner – Ehrenbürger in Korbach" ist bis zum 20. Januar 2013 jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis16.30 Uhr zu sehen.

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