Bewegung lässt Gedächtniszellen wachsen

 Hessen.  Mehr als 71.000 Menschen leiden allein in Hessen an einer Demenzerkrankung. Vielen von ihnen könnte mehr körperliche Aktivität – nebe

 

Hessen.  Mehr als 71.000 Menschen leiden allein in Hessen an einer Demenzerkrankung. Vielen von ihnen könnte mehr körperliche Aktivität – neben medikamentöser Therapie und anderen Begleittherapien – eine zusätzliche Chance bieten, den Verfall der Nervenzellen zu verzögern. Denn Sport und Bewegung bauen Nervenzellen auf, und zwar genau in der Region des Gehirns, die für Gedächtnisleistungen zuständig ist. Ganz besonders gut gelingt dies, wenn die Bewegung mit Spaß verbunden ist. Darauf weist die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen hin.

Die TK empfiehlt daher Angehörigen von demenzkranken Menschen, die betroffenen Familienmitglieder zur Aktivität zu ermuntern. Hilfreich ist aber auch, das Leben bereits in gesunden Zeiten bewegt zu gestalten. Allerdings, so zeigt eine FAZ-Studie, bewegt sich nur jeder Siebte der über 60-Jährigen regelmäßig.

Wie der Zellaufbau im Gehirn funktioniert, erklärt der Hirnforscher Professor Manfred Spitzer von der Universität Ulm: "Es ist tierexperimentell eindeutig nachgewiesen, dass durch Bewegung dafür gesorgt wird, dass Nervenzellen vermehrt nachwachsen. Dies hat positive Auswirkungen auf Merkfähigkeit und Gedächtnis. Für diesen Effekt ist es aber wichtig, dass die motorische Tätigkeit gerne und freiwillig erfolgt", sagt Spitzer. Denn die Freude bei der Aktivität garantiere auch eine entsprechende Hormonausschüttung und damit die nötigen chemischen Prozesse. Bewegung und Hormone kombiniert, ergeben dann das Zellwachstum. Von der Art und dem Stadium der Erkrankung hänge es ab, so Spitzer, wie sich die Symp-tomatik durch positive Emotionen und Bewegung bessere.

Daniela Bürger, Präventionsbeauftragte der TK, rät dazu, Demenzkranke vor allem in Bewegungsangebote als Therapie begleitende Maßnahme einzubeziehen, an denen sie freudvoll teilnehmen: "Wir wissen, dass negative Gefühle und Stress gleichzeitig wieder für den Abbau von Nervenzellen sorgen, deshalb sollte man die Bedürfnisse der Demenzkranken ernst nehmen, wenn sie beispielsweise mit Freude oder mit Ärger auf ein Bewegungsangebot reagieren", so Bürger. Außerdem trainiert die regelmäßige Bewegung die Alltagsmobilität und schützt vor Stürzen, die mit Folgeverletzungen im Alter ein zusätzliches Gesundheitsrisiko darstellten. "Vor allem auch, weil Demenzkranke besonders sturzgefährdet sind", sagt Bürger.

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