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Mitten in der Omikron-Welle: Kindertheater-Festival startet in Nürnberg - mit Gästen aus ganz Europa

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Mutig, vielleicht naiv, auf jeden Fall verrückt: Das Theater Mummpitz, hier Sabine Zieser und Özgür Kantar im Bild, startet sein internationales Kindertheater-Festival in Nürnberg - mitten in der Pandemie.
Mutig, vielleicht naiv, auf jeden Fall verrückt: Das Theater Mummpitz, hier Sabine Zieser und Özgür Kantar im Bild, startet sein internationales Kindertheater-Festival in Nürnberg - mitten in der Pandemie. © Thomas Riese/Festival Panoptikum

Mitten in der Omikron-Welle und nie dagewesenen Corona-Inzidenzen in Bayern - vor allem bei Kindern und Jugendlichen - startet in Nürnberg eines der vier großen Kindertheater-Festivals Deutschlands mit Gästen aus ganz Europa. Kann das gutgehen? Es muss.

Nürnberg - Telefonat mit der Festival-Organisatorin am Montagmorgen. Ein Tag vor Eröffnung eines der vier großen Kindertheater-Festivals Deutschlands, 10 Stücke aus Bayern, 11 Ensembles aus dem europäischen Ausland und einem Kartenkontingent von 3800 Tickets: Das ist das 12. Festival Panoptikum, organisiert vom Theater Mummpitz - mitten in der Omikron-Welle. 

Ein Kindertheater-Festival mitten in der Omikron-Welle - mutig oder total verrückt?

Bei den aktuellen Corona*-Infektionszahlen, vor allem bei Kindern, ein internationales Festival für Kinder zu starten - das ist entweder sehr mutig, ein wenig naiv, oder aber komplett verrückt.  Wer die Mummpitz-Familie von innen kennt, weiß: Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Und das macht einen großen Teil des Charmes aus. Vom kleinen, freien Kindertheater Mummpitz mit seiner über 40-jährigen Geschichte und vom großen Festival Panoptikum, das Mummpitz seit 2002 in Nürnberg ausrichtet* und damit alle zwei Jahre die besten freien Kindertheater-Macher nach Franken holt, die Europa zu bieten hat. Warum also jetzt aufhören - nur wegen eines bisschen Corona?

Trotz Corona: Festival Panoptikum 2022 in Nürnberg - „Da müssen wir jetzt durch“

„Da müssen wir jetzt durch“, sagt auch Cathrin Blöss am Telefon an diesem Montagmorgen. „Für Absagen ist es jetzt zu spät.“ Natürlich habe man sich noch vor Weihnachten zusammengesetzt und die Frage gestellt. Aber wie groß wäre der Frust gewesen, hätte man voreilig abgesagt und die pandemische Lage hätte sich entspannt? Ein Frust, der sowieso tief sitzt bei allen Theatermachern, die seit zwei Jahren immer die letzten sind, die aufsperren dürfen und die ersten, die man schließt. „Nach Weihnachten kam der Punkt, an dem wir nicht mehr absagen konnten.“

Großes Festival in Bayern während Corona: Planung? Kaum möglich

Normalerweise würde man jetzt über Stücke reden. Stattdessen reden wir über Zuschauerzahlen. 25 Prozent der Zuschauer durften die Theater bis Mitte Januar in ihre Häuser lassen. Für Kindertheater ist das der Super-GAU. Damit Theater für Kinder funktioniert, müssen die Räume klein sein, die Zuschauerzahlen sowieso begrenzt. 100 ist da bei Kindern so eine magische Grenze. Wenn dann genauso viel Zuschauer wie Darsteller im Raum sind, wird es ein bisschen absurd.

NIE, eine internationale Gruppe aus Norwegen, Tschechien und Großbritannien mit „The Girl with the Ugly Face“.
Mitten in der Omikron-Welle erwartet Nürnberg rund 200 Theatermacherinnen und -macher. Unter anderen NIE, eine internationale Gruppe aus Norwegen, Tschechien und Großbritannien mit der Deutschlandpremiere von „The Girl with the Ugly Face“. © Premsyl Bukowski/Festival Panoptikum

Dann die Wende Mitte Januar. Markus Söder verkündet die Verdoppelung. 50 Prozent der Zuschauerkapazität darf besetzt werden. Freilich super für das Festival Panoptikum, ein Gewaltakt für die Festival-Macher, die keine vier Wochen vor Eröffnung plötzlich das Doppelte an Karten zu verkaufen haben.

„Aber die Nachfrage ist da“, sagt Blöss. „Und nicht nur Schulen buchen. Das sind Väter, Mütter mit ihren Kindern, Familien, die endlich wieder rauswollen.“ Die positive Resonanz gebe Kraft. 

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Internationales Theater-Festival in Nürnberg: Mitten ins Gespräch platzt Markus Söder

Zum Abschluss will Blöss dann doch noch was zu den internationalen Produktionen sagen, da platzt Markus Söder* in unser Gespräch. Wie unsere Redaktion parallel zu diesem Gespräch erfährt, dürfen die Theater jetzt 75 Prozent ihrer Kapazität besetzen. Nebenbei fällt die Sperrstunde, für die Organisation eines Festivals auch keine so unwichtige Nachricht. „Würden das die Leute überhaupt wollen?“, überlegt Blöss laut. „Volle Säle kennt man ja gar nicht mehr.“ Und kriegt das ihr Team überhaupt noch organisatorisch gebacken, plötzlich ein Drittel mehr Karten pro Show zu verkaufen?

So ein Theaterfestival mit sieben Spielorten in ganz Nürnberg* verteilt, 200 Gästen aus 21 Produktionen und tausenden Zuschauern, die auf eine Festival-Crew von 25 Helfern trifft, das ist schon unter normalen Umständen immer eine riesige Herausforderung. Nun fügen Sie gedanklich den Faktor Omikron ein. Was, wenn ein Schauspieler Corona bekommt? Was, wenn jemand aus dem Festival-Team das Virus einschleppt? 

Cathrin Blöss, 62, kann man getrost als Festival-Veteranin bezeichnen. Dieses Panoptikum wird das 40. Festival und letzte sein, das Blöss in ihrer Karriere organisiert. Und egal, wie es ausgeht, es wird ihr wohl ewig in Erinnerung bleiben, aber auch tausenden jungen Festival-Besuchern, die nach zwei Jahren Hausarrest endlich wieder das beste Kindertheater sehen, das Europa zu bieten hat.

Mutig, ein bisschen naiv und total verrückt - so könnte das Familienmotto der Mummpitze lauten. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Festival-Panoptikum 2022 - Karten

Eigentlich ist fast alles ausverkauft. Auch die 75 Prozent, die eventuell irgendwann die Woche erlaubt sind, werden beim Panoptikum nicht umgesetzt werden. Allerdings gibt es immer wieder Stornierungen wegen - Achtung - Corona. Eine Echtzeit-Ampel zeigt auf dem Spielplan an, wo noch Restkarten verfügbar sind. Für Interessierte und Kurzentschlossene lohnt also der Blick auf festival-panoptikum.de.

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