Datenklau auch am Fahrkartenautomat

Region. Eine ganz alltägliche Situation: Man geht mal eben zum Bankautomaten um sich etwas Geld für den Einkaufsbummel zu ziehen. Doch ohne es zu

Region. Eine ganz alltägliche Situation: Man geht mal eben zum Bankautomaten um sich etwas Geld für den Einkaufsbummel zu ziehen. Doch ohne es zu merken wurde man zum Opfer eines Betrugs. So erging es im vergangenen Jahr Bankkunden an über 3.000 Automaten in Deutschland. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilte, haben die Manipulationen von Geldautomaten, das sogenannte "Skimming”, im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. So hat sich die Zahl der Angriffe auf Geldautomaten um 55%, von 2.058 auf 3.183, erhöht. Dabei wurden 2010 1.765 verschiedene Geldautomaten manipuliert. Das ist eine Steigerung um 83% im Vergleich zu Vorjahr (2009: 964 Automaten).Pro Skimming-Attacke auf einen Geldautomaten sind durchschnittlich rund 60 Kunden betroffen. Demzufolge wurden im Jahr 2010 schätzungsweise 190.000 Kartenkunden Opfer von Skimming-Delikten. Nach Schätzungen lag der daraus resultierende Schaden allein bei den Debitkarten bei rund 60 Millionen Euro und damit 20 Millionen höher als im Vorjahr.

Bahnhöfe und Fußgängerzonen besonders beliebt

Die beliebtesten Ziele der Automatenbetrüger waren Geldautomaten in stark frequentierten Bereichen, wie Fußgängerzonen oder Bahnhöfen. Dabei installierten die Täter häufig Mini-Kameras direkt oberhalb der PIN-Tastatur der Geldautomaten oder sie befestigten die Kameras oder Fotohandys an oder in der Raumdecke – zum Beispiel versteckt in Rauchmelderattrappen. Alternativ setzten sie Tastaturattrappen ein, die identisch aussehen und über die Originaltastatur gelegt werden. So wird die vom Kunden eingegebene PIN gespeichert, während gleichzeitig die Originaltastatur und damit der Geldautomat störungsfrei genutzt werden.

Ende März 2011 wurden erstmals in Deutschland Fälle bekannt, bei denen an Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn Magnetstreifendaten und PIN erlangt wurden. Die Kartendaten wurden anschließend auf gefälschte Karten übertragen und an Geldautomaten in Slowenien missbräuchlich eingesetzt. Dazu  BKA-Präsident Jörg Ziercke: "Die Zahl der Datenabgriffe von den Magnetstreifen der Zahlungskarten ist 2010 erneut angestiegen. Wir müssen also unsere Anstrengungen fortsetzen, um den Tätern ihr Handwerk zu legen.”

Gefälschte Karten im Ausland eingesetzt

Wie in den Vorjahren, stammten die Tatverdächtigen auch 2010 fast ausschließlich aus Südosteuropa. Besonders stark vertreten waren dabei rumänische, gefolgt von bulgarischen Staatsangehörigen. Die Täter organisierten den gesamten Tatverlauf vom Datenabgriff bis hin zum betrügerischen Einsatz der Kartendubletten im Ausland. Sie agierten in kleinen Gruppen und hielten sich zum Abgriff der Kartendaten meist nur kurze Zeit in Deutschland auf. Die erlangten Kartendaten wurden in der Regel sehr schnell verwertet; meist liegen nur zwei bis drei Tage zwischen dem Datenabgriff und dem betrügerischen Einsatz der gefälschten Karten im Ausland.

Die Verwertung der durch Skimming erlangten Kartendaten durch die Täter erfolgt in der Regel mittels so genannter "white plastics” – das sind Kartenrohlinge mit Magnetstreifen, die von den Tätern mit den illegal erlangten Kartendaten versehen werden. Mit deutschen Debitkartendaten gefälschte Karten können allerdings auf Grund technischer Sicherheitsvorkehrungen im Inland nicht eingesetzt werden. Bei der Verwertung solcher Karten lag der Schwerpunkt im ersten Halbjahr 2010 im europäischen Ausland, insbesondere in Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Bulgarien und Russland. Im zweiten Halbjahr erfolgten die missbräuchlichen Karteneinsätze zunehmend außerhalb Europas, vornehmlich in Südafrika, Kenia, den USA, Kanada sowie der Dominikanischen Republik.

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