Diesel mag keinen Frost

Wenn aus Selbstzndern Stehenbleiber werdenVon ANDREAS BERNHARD Waldeck-Frankenberg. Buchstblich eiskalt erwischt hat es auch in dies

Wenn aus Selbstzndern Stehenbleiber werden

Von ANDREAS BERNHARD

Waldeck-Frankenberg. Buchstblich eiskalt erwischt hat es auch in diesem Winter wieder zahlreiche Diesel-Fahrer. Denn: Bei strengem Frost werden aus den Selbstzndern gerne mal Stehenbleiber. Ihr Dieselkraftstoff ist eingefroren, so lautet die bittere Diagnose von Pannendiensten oder Werksttten.

Viele Leser betroffen

Betroffen davon auch viele unserer Leser das ergab eine Umfrage unserer Zeitung. Besttigt wird dies auch durch die Erfahrungen des ADAC Hessen-Thringen: Die Probleme mit Dieselfahrzeugen steigen bei sehr niedrigen Temperaturen stark an, so dessen Pressesprecher Cornelius Blanke. Schuld ist eine besondere Eigenschaft des Diesels: Schon bei 0 Grad erreicht er den so genannten Cloudpoint (Trbungspunkt). Das heit: Paraffin, ein wachsartiger Bestandteil, wird ausgeschieden und bildet wolkenfrmige Verbindungen. Bei diesem Vorgang spricht man von "ausflocken" oder "versulzen". Die Paraffine bilden in der Folge immer grere Verbindungen, so da diese den Kraftstofffilter nicht mehr passieren knnen und im Endeffekt verstopfen.

Spezieller Winter-Diesel

Verhindern sollen dies spezieller Winter-Diesel, wie ihn die Tankstellen nach eigenen Angaben ab Mitte November anbieten. Dessen Cloudpoint liegt im Labor bei -20 Grad. Das Problem: Die Laborergebnisse lassen sich nicht uneingeschrnkt in die Praxis bertragen. So knnen Luftfeuchtigkeit und Luftdruck das ausflocken des Diesels beeinflussen. Manchmal reicht auch der Fahrtwind, so Blanke vom ADAC, um die Temperatur des Diesels um weitere fnf bis sieben Grad zu senken. Dann bleibt das Fahrzeug auf offener Strecke stehen. Kein Vergngen bei eisigen Minusgraden. Abhilfe knnte sogenannter Arktis- oder Skandinavien-Diesel schaffen, der eine noch hhere Kltestabilitt aufweist. Doch dessen Einfhrung in Deutschland lehnen die Minerallgesellschaften ab, erklrt der ADAC-Mann Blanke. Dies besttigt auf Nachfrage unserer Zeitung auch Dr. Karin Retzlaff, die Sprecherin des Deutschen Minerallwirtschaftsverbandes. Sie betont: Wir halten uns an die gltigen europischen Normen. Eine nderung wre mglich, msste aber vom Gesetzgeber angeregt werden. Allerdings mahnt Dr. Retzlaff auch: Eine hhere Kltestabilitt wrde sich in den Kosten zur Herstellung des Diesels niederschlagen und letztlich zu hheren Verbraucherpreisen an der Tankstelle fhren. Die Herstellung einiger, weniger Chargen Skandinavien-Diesel sei raffinerietechnisch nahezu unmglich.

Wettervorhersagen verfolgen und selbst vorzusorgen

Dem Diesel-Fahrer bleibt also nur die Wettervorhersagen zu verfolgen und selbst vorzusorgen. Dafr bieten Tankstellen spezielle Klteschutzmittel an. Die umschlieen die Paraffine und verhindern so die Wolkenbildung. Das Problem: Das Additiv wirkt nur, wenn der Kraftstoff noch eine Eigentemperatur von mindestens acht Grad hat und sich das Klteschutzmittel gut mit dem Diesel mischen kann, der Tank also nicht voll ist. Achtung: Ausdrcklich warnt der ADAC vor der frher blichen Zumischung von Benzin. Moderne Dieselmotoren und deren Einspritzpumpen vertragen dies nicht, so Blanke, es drohen kapitale Motorschden. Ist der Diesel also erst einmal eingefroren, bleibt nur das Warten auf hhere Temperaturen sowie eventuell der Austausch des Kraftstofffilters.

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