Aus für Heilkräuter?

Von Ralf FeldmannWaldeck-Frankenberg. Heilpflanzen unterstützen die natürlichen Abwehrkräfte und enthalten Wirkstoffe zur Linderung von Krankheiten

Von Ralf FeldmannWaldeck-Frankenberg. Heilpflanzen unterstützen die natürlichen Abwehrkräfte und enthalten Wirkstoffe zur Linderung von Krankheiten. Sie finden Verwendung in Fertigarzneimittel, Tees, Badezusätzen und Kosmetika und sind meist frei von schädlichen Nebenwirkungen, vorausgesetzt sie werden sachgemäß angewendet. Die Tradition der Heilpflanzen ist fast so alt wie die Menschheitsgeschichte. Schon Eismann Ötzi hatte einen Vorrat an Heilpflanzen dabei. Auch heute schwören hierzulande viele auf die Anwendung von Naturprodukten. Nur, wer darf diese herstellen und vertreiben?"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" heißt im Klartext: nur, wer eine medizinische Ausbildung hat, darf eine Heilaussage machen. Kräuterpädagogen, Naturkundler und freie "Therapeuten" dürfen dies nicht. Sie beschränken sich meist auf Aussagen wie: "mir hat das geholfen", vertreiben "Naturkosmetik" und "Wellnessprodukte".Thomas Fait aus Korbach ist seit Jahren in Sachen Kräutern unterwegs. Er hat eine solide Ausbildung in Heilpflanzenkunde und als Kräuterpädagoge und viel persönliche Erfahrung, kennt sich aus mit der Geschichte von Kräutern und deren Anwendung. So wird er häufig von Schulen eingeladen und gibt sein Wissen über die Verwendung von Kräutern in der Küche bei Kochkursen im Nationalpark Kellerwald weiter. Er stellt, Cremes, Brotaufstrich, Senf und Limonade her, allesamt als "Wellnessprodukte". Dass die Kräutersubstanzen "ihm persönlich auch bei diversen Beschwerden helfen", erwähnt er so nebenbei.Heilpraktiker dürfen wie Ärzte die meisten Medikamente verschreiben und arbeiten meist mit den Apotheken und naturheilkundlichen Firmen zusammen.Vor einigen Wochen ließ eine Ketten E-Mail aufschrecken, die zur Unterzeichnung einer Petition gegen die Neuordnung und europaweite Angleichung der Zulassung traditioneller und pflanzlicher medizinischer Produkte in der EU ab April 2011 zu Felde zog. In unzähligen Blogs und Internetforen kochten die Emotionen, und über 120.000 Menschen haben in kurzer Zeit die Petition an den Bundestag unterschrieben. Solch eine Bewegung der Solidarität gab es lange nicht. Es wurde heftig polemisiert, zum Protest aufgerufen und gegen die Pharmalobby gewettert, die angeblich hinter allem steckt. Wenn die Brüsseler Bürokraten etwas auf den Weg bringen, ist das für viele schon von vorneherein verdächtig. Klar ist mittlerweile, dass die entsprechenden Gesetze in Deutschland bereits seit fünf Jahren umgesetzt sind. Seit 2005 müssen gemäß deutschem Arzneimittelgesetz nämlich alle Pflanzenpräperate mit einem Wirksamkeitsnachweis als Arzneimittel zertifiziert werden, dürfen nur mit Herstellungserlaubnis als Medikamente produziert und vertrieben werden. Die Deutschen waren mal wieder besonders schnell. Viele haben es gar nicht mitbekommen.Das neue EU-Gesetz bezieht sich auch in erster Linie auf die Produktion von Fertigarzneiprodukten, die in anderen Ländern noch als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden dürfen und nicht auf Kamille und Pfefferminze in Nachbars Garten. Allerdings werden kleinere Unternehmen Probleme haben, die immensen Kosten für eine Zertifizierung zu tragen. Hiervon könnten die großen Konzerne profitieren. Traditionelle Medikamente, die mindestens 15 Jahre Anwendung hinter sich haben (z.B. TCM , Ayurveda), sind von dem Gesetz ohnehin ausgenommen.In einer Erklärung des Berufs- und Fachverbandes "Freie Heilpraktiker", wird Entwarnung gegeben. Die Petition habe ein "Angstszenario" heraufbeschworen, vieles sei "unrichtig". Offensichtlich haben viele Unterzeichner sich keine Gedanken über die Zusammenhänge gemacht.Für die von uns befragten niedergelassenen Apotheker ist das ganze ohnehin kein Problem, da bei ihnen nur zertifizierte Produkte und Zutaten Verwendung finden bzw in den Handel kommen. So unterstützen sie auch die gesetzlichen Grundlagen einer Zertifizierung von Heilkräutern.

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