Immer wach aus Angst um das Kind - Hilfe kann eine Mutter-Kind-Kur bringen

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Vier Jahre permanenter Schlafmangel zeigte fatale Folgen bei Annett S. (39), die sich einfach nur müde fühlt. Immer. Überall. Aber sie kann nicht

Vier Jahre permanenter Schlafmangel zeigte fatale Folgen bei Annett S. (39), die sich einfach nur müde fühlt. Immer. Überall. Aber sie kann nicht anders, sie muss wach bleiben. Immer. Überall. Sie muss wach bleiben - wegen Elea. Elea ist ihre Tochter. Das kleine Mädchen ist krank, sehr krank. Es leidet an einem schweren Herzfehler, braucht viel Fürsorge, viel Nähe. Deshalb findet Mutter Annett nie richtigen Schlaf - und das seit vier Jahren!

Elea leidet seit ihrer Geburt am so genannten Wolff-Parkinson-White-Syndrom, eine Herzrhythmusstörung. Eine Stromleitung musste an ihr kleines Herz gelegt werden. Nur so kann das Mädchen einigermaßen normal leben. Stress oder Anstrengungen können die elektrischen Impulse ins Gegenteil umschlagen lassen. Mutter Annett lebt daher rund um die Uhr in ständiger Angst, in Alarmzustand. "Ich hätte Elea nie im Leben allein in einem Zimmer schlafen lassen", schildert Annett S. Elea schläft im Ehebett, seit sie auf der Welt ist. Elea geht nie alleine zu Bett, stets wacht die Mutter über ihren Schlaf, damit ja nichts passiert. Dass Annett S. darüber ihren eigenen Schlaf versäumte, darüber dachte sie gar nicht erst nach, das Kind war ihre einzige Sorge. Der permanente Schlafentzug wurde zum Dauerzustand.

Die Mutter ignorierte ihren Zustand bis zur Erschöpfung

Die Auswirkungen des dauernden Schlaf- und Erholungsmangels waren jedoch fatal - für Annett S. persönlich, wie auch für den Rest ihrer Familie. Annett S. hat sich voll Elea gewidmet, ihr heute 18-jähriger Sohn Kenneth blieb auf der Strecke. Annett und ihr Mann Sven (46) schliefen bald getrennt, die Beziehung wurde problematisch. Sie selber wirkte unausgeglichen, stand unter Dauerbelastung, war deshalb permanent müde und in einem schlafwandlerischen Zustand. Aber sie ignorierte ihren Zustand und die Zeichen ihrer Familie, sie war einzig fixiert auf Elea - und Elea auf sie.

Erst ihr Kinderarzt öffnete ihr die Augen. Dass sie in ihrer Angst um Elea überreagiere, dass Eleas Überbehütung ihr und ihrem Kind nicht förderlich sei. Er legte ihr eine "Mutter & Kind-Kur" ans Herz - mal weg vom Alltag, mal abschalten, mal nichts tun. Und Schlaf finden.

Annett S. hat sich für eine im Allgäu entschieden, die eine spezielle "Schlafschule" anbietet. Diese Kur berücksichtigt dabei die multifaktoriellen Bedingungen, Ursachen und Auswirkungen einer Schlafproblematik, bezogen auf den Patienten persönlich, aber auch bezogen auf sein familiäres Umfeld. Ziel ist es, dem Patienten Strategien und Bewältigungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Schlafqualität zu vermitteln, die er im Alltagsleben auch anwenden kann. Dazu gehen die Ärzte, Psychologen und Therapeuten der Klinik Maximilian mit einem besonderen ganzheitlichen Therapiekonzept auf seine Situation ein.

Mit Entspannungstechniken wieder mehr Schlaf finden

Dreieinhalb Wochen war Annett S. zusammen mit Elea zur Schwerpunktkur in Scheidegg. Eine Zeit, die sie auskosten konnte, auch mal ohne Elea. Um die Vierjährige kümmerten sich die Pädagogen der Klinik . Annett S. lernte in dieser Zeit in den Gesprächen mit den Psychologen ihre Lebenssituation zu erkennen, lernte über spezielle Entspannungstechniken wieder zu mehr Schlaf zu finden. Und sie lernte auch etwas von ihren Ängsten um ihr Kind loszulassen.

Ganz loslassen wird sie diese nie, sie ist Mutter! Aber sie geht entspannter mit ihrer Situation um und versucht, das während ihrer Kur Erlernte und ihre Erfahrungen zuhause auch umzusetzen. "Das gelingt nicht immer", sagt Annett S., "aber ich weiß mich auf einem guten Weg." Und Elea geht am Abend plötzlich ganz allein ins Bett, braucht nur noch von Mutti zur guten Nacht ganz lieb zugedeckt werden.

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