Kindlicher Trotz und Tobsuchtsanfälle – Eltern sollten gelassen bleiben

Waldeck-Frankenberg. Ein Tobsuchtsanfall eines Kindes bei den Süßigkeiten an der Supermarktkasse, sich auf den Boden werfen oder mit den Füßen sta

Waldeck-Frankenberg. Ein Tobsuchtsanfall eines Kindes bei den Süßigkeiten an der Supermarktkasse, sich auf den Boden werfen oder mit den Füßen stampfen in der Spielwarenabteilung – solche Situationen kennen viele Eltern, die einen Wunsch ihres Kindes nicht erfüllen. Wie sollen Eltern reagieren?

"Wichtig ist, dass Eltern gelassen reagieren, sich von der oft peinlichen Situation und Kopf schüttelnden Zuschauern nicht unter Druck setzen lassen. Denn geben die Eltern nach, lernt das Kind, Trotz als erfolgreiche Strategie in anderen Situationen einzusetzen", erklärt Jutta Henning, Leiterin der Baby- und Kleinkindambulanz der Vitos Klinik Bad Wilhelmshöhe für Kinder- und Jugendpsychiatrie Kassel.

Gelegentlicher Trotz, der sich äußert in Schreien, Toben, Aufstampfen, Umsichschlagen, Beißen oder Spucken, ist ein unkontrollierter Erregungszustand, der vermehrt bei kleinen, meist zwei-jährigen Kindern auftritt. Auf Frustration (keine Gummibärchen heute) mit Trotz zu reagieren gehört zum normalen Verhalten, ist eine Form der Selbstbehauptung und keine bewusste Attacke gegen die Eltern.

Jutta Henning: "Es ist auch nicht – wie viele Eltern glauben – ein Ausdruck von Ungehorsam. Denn Kinder möchten gehorchen, weil sie die Liebe und Zuwendung der Eltern wollen. Aber sie möchten auch eigene Gedanken haben und sich durchsetzen. Und auch dazu brauchen sie ihre Eltern. Wenn also eine Mutter beispielsweise ihr Kind in das Einkaufen mit einbezieht, ihm erzählt, was es Leckeres zu Mittag gibt, kann sie ihm vielleicht die begehrte Süßigkeit an der Kasse ausreden, indem sie ihm Alternativen anbietet. Kommt es dennoch zur Trotzreaktion, hilft nur Gelassenheit und Konsequenz. Damit hilft sie auch ihrem Kind, ohne Gesichtsverlust aus dieser Situation heraus zu kommen."

Zum Problem wird kindliches Trotzverhalten, wenn es sich nicht auf einzelne Situationen beschränkt, sondern zum Dauerzustand wird. Dann liegt eine Ernst zu nehmende Beziehungsstörung vor, weil das Kind seine Ablehnung gegenüber Einschränkungen oder auch Überforderung auf die Eltern generell überträgt. Es kann ein Teufelskreis entstehen aus steigender Autorität genervter Eltern und permanentem Widerstand des Kindes. "In unsere Baby- und Kleinkindambulanz kommen viele ratlose Eltern, die deshalb an ihrer Erziehungskompetenz zweifeln. Eine solche Beziehungsstörung ist aber kein Grund zur Verzweiflung, denn es gibt entsprechende Beratung und Hilfe, damit die Eltern-Kind-Beziehung wieder so wird wie sie sein soll – eine glückliche Zeit", so die Kinderärztin.

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