Die Lollsrede 2012 von Bürgermeister Fehling

Werter Herr Feuermeister,sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,liebe Bürgerinnen und Bürger,liebe Kinder, verehrte Gäste aus nah und fern!Un

Werter Herr Feuermeister,sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,liebe Bürgerinnen und Bürger,liebe Kinder, verehrte Gäste aus nah und fern!

Unter den Gästen aus fern begrüße ich ganz besonders unsere Freunde aus den Partnerstädten Šumperk, L`Hay-les-Roses und Bad Salzungen sowie von unserem Patenboot Zobel.

A dedicated and very warm welcome to Mr. Sanderson, the mayor of Malmesbury, Great Britain. Malmesbury is the city were Lullus, the holy founder of Bad Hersfeld we honor with this great folk festival, grew up.

Letztes Jahr feierten wir das 1275-jährige Bestehen unserer geliebten Heimatstadt Bad Hersfeld. Dieses Jahr steht erneut ein bedeutsames Jubiläum an: 1160 Jahre Lullusfest.

Unser Lullusfest ist das älteste Volksfest Deutschlands und zugleich eines der bedeutendsten. Es zieht jedes Jahr 450.000 Besucher an.

Gemäß der Tradition will ich das vergangene Hersfeld-Jahr entspre­chend der Hersfelder Zeitrechnung – von Lolls zu Lolls – reflektieren.Gleich nach Lolls kam der Weihnachtsmarkt mit anschließendem Win­termarkt. Der Markt muss insbesondere den Gästen gefallen – nicht nur dem Ausrichter.

Nach konstruktiver Kritik meinerseits, die einen Sturm auslöste, arbeiten wir jetzt gemeinsam an Verbesserungen. Ich werde auch weiterhin kein Blatt vor den Mund nehmen und Ver­besserungen vorschlagen, die notwendig und auch machbar sind. Das halte ich für meine Aufgabe. Dafür wurde ich von Ihnen gewählt.

Letzten Herbst kam ganz plötzlich ein weiteres großes Thema in die Stadt. Ein Windpark auf dem Wehneberg soll ganz schnell her. Von zwei Hersfelder Bürgern, die das große Geld witterten, wurden die Gemüter der Stadt aufgescheucht und es entstand eine lebhafte Diskussion – nicht ob Windpark grundsätzlich ja oder nein, sondern über den expo­nierten Standort am Wehneberg. Für alle gut sichtbar mitten in einem Naherholungsgebiet. Interessanterweise zogen sich die Reihen der po­litischen Befürworter und Gegner quer durch alle Fraktionen.

Inzwischen haben die Verwaltung und Gremien eine Menge Arbeitszeit in das Projekt gesteckt. Und dabei ist noch völlig offen, ob vom Regie­rungspräsident  auf dem Wehneberg  ein Windpark überhaupt ge­nehmigt werden kann. Man hätte diese Grundsatzentscheidung erst einmal abwarten sollen, bevor man sich blindlings ins Abenteuer stürzt.

Ein besonders schöner Moment für unsere Stadt war der Preis des Bun­desumweltministers Dr. Röttgen für unser Programm "Bad Hersfeld saniert sich". All die vielen Mitmacher bei dem herausragenden Pro­gramm werden sicherlich bestätigen, dass unser Klimaschutzbeauf­tragter eine hervorragende Arbeit leistet und die Stadt Bad Hersfeld mit dem Programm wichtige Weichen für die Zukunft unserer Stadt als Wohn- und Wirtschaftstandort stellt. Der Minister ist nicht mehr da, aber unser Programm und der Preis. Offenbar ist unser Programm nachhaltiger als der Minister.

In der Konsequenz dieser außergewöhnlichen Leistungen haben wir seit Mai dieses Jahres den E.Punkt im Stadthaus. Dieses Zentrum für Energie und Klimaschutz ist einzigartig in Deutschland, denn es ba­siert auf einer Kooperation der Stadtwerke, der Stadt Bad Hersfeld, der neu gegründeten Bürger-Energie-Genossenschaft und der Verbraucherzentrale. Es erfreut sich bereits wenige Wochen nach der Eröffnung unglaublicher Inanspruchnahme. Bürger und Unternehmer aus der ganzen Region nutzen die Angebote. Zahlreiche Koopera­tionspartner stehen bereit für neue Projekte im Bereich Energie und Klimaschutz. Neben der Aufklärungsarbeit ist der E.Punkt inzwischen auch ein Motor in der örtlichen Wirtschaftsförderung. So sieht für mich erfolgreiches Mitmachen in Bad Hersfeld aus.

Was war das für ein Schreck im Frühjahr – als der Kämmerer mitteilte, dass uns ca. sieben Millionen Euro Gewerbesteuer völlig unerwartet wegbrachen. So etwas gab es noch nicht in Bad Hersfeld. Wir muss­ten innerhalb sehr kurzer Zeit einen Nachtragshaushalt mit drasti­schen Kürzungen erstellen. Für mich war es beeindruckend, wie doch der Großteil der Stadtgesellschaft Verständnis aufbrachte und mithalf, diese Herausforderung gemeinsam zu stemmen. Viele gute Anregun­gen kamen aus allen Bereichen und brachten manches Umdenken in Fahrt. Herzlichen Dank an alle Mitmacher!

Wenn innerhalb von wenigen Wochen alle Ein-Euro-Jobber vom Landkreis abgezogen, die Mittel für die Saisonarbeiter fehlen und dazu noch zwei wichtige Fahrzeuge altersschwach zusammenbrechen, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass es an allen Ecken und En­den dieser Stadt teilweise aussah wie in einem Dschungelcamp. In­zwischen habe ich die Mittel für fünf Saisonkräfte bereitgestellt und die Ortsbeiräte haben ihre 400-Euro-Kräfte installiert.

Auch die ins Leben gerufene Initiative "Bad Hersfeld blüht auf" trägt erste Früchte, indem zahlreiche Einzelpersonen und mehrere Stadtteile unter Leitung der jeweiligen Ortsbeiräte sowie ein Unternehmen (das Autohaus Limberger) und sogar zwei Parteien (die FDP mit ihrer Pa­tenschaft für den Robert-Heil-Turm und die SPD mit der Patenschaft für den Kinderspielplatz Johannesberg) aktiv mithelfen, die Stadt schön zu halten. Und so ganz nebenbei wird damit das Gemein­schaftsgefühl gestärkt und die freiwilligen Teilnehmer können von Profis lernen.

So bekommen wir gemeinsam die Lage wieder in den Griff – allerdings nicht mehr mit den Standards wie früher. Aber das war ohnehin allen klar, dass es so nicht ewig weitergehen konnte, da mehrere pflegein­tensive Parkanlagen hinzugekommen sind, aber kein zusätzliches Personal dafür vorgesehen war.

Eine gute Portion Stolz dürfen wir über die Festspiele 2012 aufbringen. Eine Saison mit herausragenden Stücken; hochkarätig besetzt und in der Ruine beeindruckend inszeniert. Lob und gute Kritiken in den Medien landauf landab; sogar aus Worms vom Intendanten Dr. Dieter Wedel, welcher einen großen Gefallen an Anatevka in unserer Stifts­ruine fand. Vielleicht spielt ja der nächste Schattenmann oder der große Bellheim in Bad Hersfeld.

Neben den Kulissen durften wir alle eine tolle Atmosphäre wie in frühe­ren Jahrzehnten genießen. Nicht zu vergessen die mitreißende Eröff­nungsrede des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Herrn Martin Schulz. Das war ein großartiger Auftakt. Wir sind auf dem rich­tigen Weg, wenngleich wir uns nicht ausruhen wollen, sondern den Anspruch der permanenten Verbesserung verfolgen.

Der Feuermeister übte in seiner letztjährigen Rede beim Feuerlöschen eine gehörige Portion Selbstkritik. Dafür sei ihm Lob und Anerken­nung gezollt. Er wunderte sich auch darüber, dass die Mehrheitsfrak­tion einen Neubürger aus Leipzig als sachkundigen Einwohner in un­sere Lullusfestkommission berief. Ich schließe mich seiner Verwunde­rung voll und ganz an, denn eben jener Neubürger nahm im letzten Jahr weder an dem gemeinsamen Lollsrundgang 2011 noch an den Sitzungen der Kommission im Dezember und August teil.Teilnahmequote sage und schreibe NULL Prozent.

Stichwort "unfinanzierbar"! Damit sind wir mitten drin bei den aktuellen Themen und Diskussionen. So nach und nach wird offenbar, auf wel­chen butterweichen Säulen das gesamte Schilde-Park-Finanzkonzept basiert. Ein Wirtschaftsobjekt nach dem anderen (Schilde-Parkhaus, Schilde-Halle, wortreich) kann die viel zu optimistischen Prognosen meines Vorgängers nicht erfüllen und die Stadt muss massiv Geld nachschießen. Nach dem Schilde-Parkhaus, was die angesetzten Einnahmen nicht mal annähernd erreicht, mussten wir nun auch beim wortreich die Notbremse ziehen.

Was ich bei der Bestandsaufnahme im August in der Betriebsführung des wortreichs feststellen musste, hatte ich selbst in meinen schlimmsten Alpträumen nicht für möglich gehalten. Wir werden diese Fehler der Vergangenheit nun Schritt für Schritt bereinigen. Aber dazu wird viel Geld, Arbeitszeit und Energie notwendig sein, was uns für andere Aufgaben fehlt. Die Politik ist nun gefordert sicherzustellen, dass die geerbten Projekte Vitalisklinik, wortreich, Kurpark-Therme und einige andere nicht zu Fässern ohne Boden werden, sondern zü­gig dahin gebracht werden, dass sie nicht dauerhaft den Haushalt überstrapazieren.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es darf nicht sein, dass wir eine Stadt ohne Diskriminierung sein wol­len, aber kaum ein städtisches Verwaltungsgebäude für Behinderte bzw. mobilitätseingeschränkte Personen ordentlich erreichbar ist. Deshalb werde ich das Jahr 2013 für die Stadtverwaltung unter den Titel "Bad Hersfeld wird barrierefrei" stellen. Ein Projekt dazu wird die Einrichtung eines barrierefreien Bürgerbüros am Markt sein. Mir ist klar, das wird eine enorme Kraftanstrengung werden und unsere Ver­waltungsstrukturen in einigen Teilen grundlegend durcheinander wir­beln. Aber die Stadt Bad Hersfeld, in der seit sechs Jahren sehr erfolgreich der Deutsche Behindertentag seinen Sitz hat, kann sich diese Schwä­che nicht dauerhaft leisten.

Im letzten Jahr beobachtete ein aufmerksamer Journalist, wie ich nach dem Anzünden des "Fierche" meine Kastanie ins Feuer warf. Hier sehen Sie meine Kastanie für dieses Jahr. Mit dieser Kastanie ver­binde ich den Wunsch nach Gesundheit und Wohlergehen für uns alle sowie nach einem feurigen aber friedlichen und unfallfreien Lullusfest. Lassen Sie uns gemeinsam feiern ohne Krawall und Schäden für andere.

Bevor wir nun gleich zum großen Anzünden kommen, möchte ich den vielen Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr, des DRK, des THW, der Johanniter und der Polizei danken. Sie sorgen für unsere Sicherheit. Dank auch an alle anderen, die zum guten Gelingen des Lullusfestes 2012 beitragen.

Und nun, Herr Feuermeister, hören Sie:

Bürgermeister:Wir zünden an uralten Brand,Was soll er künden dem deutschen Land?

Feuermeister:Am guten Alten woll’n fest wir halten!

Bürgermeister:Und warum hüten in treuer HutWir Tag und Nacht des Feuers Glut?

Feuermeister:Wie die Väter in EhrenWoll’n wir uns bewähren!

Bürgermeister:Das Feuer brennt mit hellem ScheinWas soll der Bürger Lösung sein?

Feuermeister:Hersfeld, die Stadt, sie trägt im Schild,Ein Kreuz und einen Löwen wild.Im Kreuz und Leid hab’ LöwenmutUnd trau auf Gott, es wird wohl gut.

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