Rentner und Steuerrecht – Abgabe einer Steuererklärung kann notwendig werden

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Waldeck-Frankenberg. Die mit dem Alterseinkünftegesetz 2005 realisierten Änderungen in der Besteuerung von Ruheständlern sorgen Jahr für Jahr für

Waldeck-Frankenberg. Die mit dem Alterseinkünftegesetz 2005 realisierten Änderungen in der Besteuerung von Ruheständlern sorgen Jahr für Jahr für Unsicherheit. "Muss ich eine Steuererklärung abgeben oder nicht und folgt daraus automatisch eine Zahlungspflicht?", so fragen sich immer wieder und immer mehr Betroffene. Ausschlaggebend sind im Wesentlichen drei Aspekte: Erstens ist die Trans-parenz der Einkommen gestiegen, seit mit Einführung der Steuer-Identifika-tionsnummer, kurz Steuer-ID genannt, und dem inzwischen technisch mög-lichen Datenabgleich die Finanzbehörden in der Lage sind, alle Rentnerein-kommen zu überprüfen. Und dies kann rückwirkend ab 2005 geschehen. Zweitens ist es generell so, dass seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes der zu versteuernde Rentenanteil jedes Jahr größer wird, also jeder neue Rentnerjahrgang mit anderen Voraussetzungen konfrontiert ist, und drittens können auch eventuelle Rentenerhöhungen in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Doch die Abgabepflicht allein führt nicht automatisch zur Steuerzahlung. Ob und wie viel zu deklarieren ist, hängt letztlich von der Gesamthöhe der Einkünfte und vom Jahr des Renteneintritts ab.

Geringe Einkünfte ersparen die SteuererklärungGrundsätzlich ist jede Person mit Wohnsitz in Deutschland und steuerpflichti-gen Einkünften - dazu gehören auch Renten - zur Abgabe einer Steuerer-klärung verpflichtet. Sind die Einkünfte allerdings so niedrig, dass sie unter dem vom Gesetzgeber festgelegten steuerlichen Freibetrag liegen, wird vom Finanzamt keine Steuer erhoben und es ist in aller Regel auch keine Ein-kommensteuererklärung abzugeben. Für das Jahr 2010 ist das der Fall, wenn die zu versteuernden Einkünfte eines Alleinstehenden nicht mehr als 8.004 Euro und eines Ehepaares nicht mehr als 16.008 Euro betragen. Wer z.B. 2005 in Rente gegangen ist, muss bei Überschreiten des Freibetrages 50 Prozent des Rentenbetrags versteuern. Seitdem steigt für jeden neuen Rentnerjahr-gang der Besteuerungsanteil um zwei Prozent und zwar bis zum Jahr 2020, danach jeweils jährlich um ein Prozent, so dass für Rentner, die ab 2040 in Ruhestand gehen, eine Besteuerung von 100 Prozent erreicht wird. Für das Jahr 2010 beträgt der Besteuerungsanteil der Rente demnach schon60 Prozent.

BerechnungsbeispielFolgendes Beispiel zeigt - stark vereinfacht -, dass eine Überschreitung des Grundfreibetrages nicht automatisch zu einer Steuerpflicht führt: Eine 65-jährige alleinstehende Frau ging Anfang des Jahres 2010 in Rente. Bei einer angenommenen jährlichen Rente von 13.500 Euro waren 60 Prozent, das sind 8.100 Euro, steuerpflichtig. Nach Abzug der Werbungskostenpauschale von 102 Euro verbleibt ein zu versteuerndes Einkommen von 7.998 Euro, das unterhalb des steuerfreien Existenzminimums für Alleinstehende von 8.004 Euro liegt. In vergleichbaren Fällen kann beim Finanzamt eine Nichtveran-lagungsbescheinigung beantragt und es muss keine Steuererklärung abgege-ben werden. Der einmal ermittelte steuerfreie Euro-Betrag bleibt konstant. Rentenerhöhungen werden hingegen immer in voller Höhe dem steuer-pflichtigen Anteil der Rente zugerechnet.

Gesetzliche Rente und ZusatzeinkommenAuch Nebeneinkünfte müssen nicht zwangsläufig zu einer Steuerzahlung führen: Herr X, Rentner seit 2008, unverheiratet, hat eine monatliche Rente von 1.200 Euro und Zinsen aus Sparverträgen von 600 Euro im Jahr. Die Zinsen bleiben steuerfrei, weil sie unter dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro liegen. Von der Jahresrente in Höhe von 14.400 Euro sind 56 Prozent steuerpflichtig, das sind 8.064 Euro. Abzüglich der Werbungskostenpauschale von 102 Euro bleiben 7.962. Euro übrig. Somit ist auch hier der steuerfreie Grundbetrag nicht überschritten.

Kommen zur Rente aber erhebliche Einkünfte hinzu, etwa Arbeitslohn, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und aus selbstständiger Arbeit, kann sich die Lage ändern. Denn diese Einnahmen schlagen nicht wie die Rente mit einem reduzierten, sondern mit dem vollen Betrag steuerlich zu Buche. Ausgenommen sind hier die Minijobs. Bis zu 400 Euro dürfen Rentner dazuverdienen, ohne Abgaben zu zahlen. Ist der Zuverdienst höher oder wird mit Steuerkarte gearbeitet, dann werden Renten und andere Einkünfte zu-sammen erfasst und die zutreffende Einkommensteuer ermittelt. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: "Altersentlastungsbetrag" heißt das Zauberwort. Er gilt zwar nicht für Renten und Pensionen, wohl aber für alle sonstigen Einkünfte wie Mieten, Zinsen, Arbeitslohn oder Gewinne. Er berechnet sich als ein bis zum Jahr 2040 auf Null jährlich sinkender Anteil dieser Einkünfte. Für 2010 sind das immerhin 32 Prozent, maximal 1.520 Euro, die steuermindernd in Ansatz gebracht werden. Darüber hinaus können Ruheständler unter Um-ständen auch weitere steuermindernde Kosten geltend machen, wie beispiels-weise Sonderausgaben im Versicherungsbereich, Werbungskosten bei Ver-mietung und Verpachtung und Krankheitskosten.  www.stbk-hessen.de

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