Robin Hood

Rezensiert von Andrea PecnikWer kennt sie nicht, die Legende von Robin Hood, dem Räuberhelden aus den Wäldern von Sherwood, der von den Reichen stie

Rezensiert von Andrea Pecnik

Wer kennt sie nicht, die Legende von Robin Hood, dem Räuberhelden aus den Wäldern von Sherwood, der von den Reichen stiehlt, um den Armen zu helfen. Man mag denken, dass es wohl die hundertste Version ist, die dem Publikum - diesmal von Ridley Scott - vorgestellt wird. Doch es steckt mehr dahinter... Es hat schon seinen Grund, warum der Film die Filmfestspiele in Cannes eröffnete. Es handelt sich nicht wie vielleicht erwartet, um eine schlichte erneute Nacherzählung der wohlbekannten Legende über den gesetzwidrigen Räuberhelden, der für die Gerechtigkeit kämpft. Diesmal wird die Geschichte von einer erfrischend neuen Perspektive dargestellt.

Es ist die Geschichte darüber, wie die Legende angefangen hat und noch ein bisschen früher, bevor sie angefangen hat. Die Vorgeschichte Robin Hoods wird vom historischen Hintergrund der Zeit von König Richard Löwenherz und seinem Bruder Johann begleitet. Es ist die Zeit der Kreuzzüge. Russell Crowe verkörpert Robin Longstride, der den König Richard Löwenherz auf seiner Rückkehr vom Kreuzzug begleitet. Robin wird vom König als ehrlich, tapfer und naiv bezeichnet als dieser als einziger es wagte, dem König seine ehrliche Meinung über den Kreuzzug zu gestehen. Robin scheint eine moderne kritische Sicht auf die Kreuzzüge zu verkörpern, was den Film umso interessanter macht, da er sich unter anderem mit heutigen kritisch betrachteten Apsekten der Geschichte befasst.

Zum anderen zieht sich auch das Thema der Menschenrechte jedes Bürgers wie ein Leitfaden durch den Film. Die unterdrückten Untertanen des Königs fordern ihre Rechte als gleichwertige Menschen. Niemand anderes als Robins Vater hat als Steinmetzer ebenfalls seine Stimme erhoben und sein Leben für die Forderung von Freiheit der Bürger einbüssen müssen. König Richard Löwenherz stirbt während einer der Plündereien auf seinem Rückweg in die Heimat im Kampfe. Die Emotionen des großen Verlustes bei den Mitkämpfern aber auch in England bei der Königsfamilie und den Bürgern werden überzeugend übermittelt. Der Zuschauer wird in die Zeit des mittelalterlichen England zurückversetzt und sieht ein umfassendes Bild der Lebensverhältnisse dieser Zeit. Auf der einen Seite ist das Leben in der Königsburg in London, wo Richards Bruder Johann als sein Nachfolger ein Leben distanziert von seinen Untertanen und ohne Rücksicht auf deren Schwierigkeiten und Unterdrückung führt, auf der anderen Seite sind die Unterdrückten einfachen Menschen, auf denen alles Lastet, die Auseinandersetzungen zwischen dem damaligen England und Frankreich und der finanzielle Mangel des Königshauses. Zwischen diesen beiden Welten befinden sich die Adeligen, die mit dem gemeinen Volk ebenfalls ihre Rechte fordern.

Im Film prallen noch zwei weitere Welten aufeinander, die Welt des Schlachtfeldes, der Landesangelegenheiten und die kleine idyllische Welt in Nottingham einer Stadt im Norden Englands. Robin findet seinen Weg nach Nottingham durch Zufall oder aber Schicksal. Während er mit seinen engsten Gefährten aus dem Kreuzzug alleine seinen Weg nach England sucht, trifft er in einem Wald bereits in England auf die Leichen der überfallenen Gruppe von Rittern, der ersten Heimkerhrer, die die Krone des verstorbenen Königs zur Burg nach London bringen sollten. Sie wurden von einem Verräter des englischen Hofes überfallen. Einer der Überfallenen war noch am Leben und bat Robin, sein Schwert nach Nottingham zu seinem Vater zu bringen. Auch der letzte Überlebende stirbt. Dieses Unglück nutzen Robin und seine Gefärten aber, um aus einfachen Schützen zu Rittern zu werden und bringen die Krone nach England. Zweiter Halt ist Nottingham. In Nottingham lebt Lady Marion. Cate Blanchett verkörpert die Rolle so gut, wie erwartet. Sie gibt der Rolle Kraft, Stärke, Überzeugung und Mut. Die Beziehung, die sich zwischen Robin und Marion entwickelt, steht aber nicht im Mittelpunkt des Films und das macht den Film seriöser und erhöht seine Qualität.

Ridley Scott stellt in seinem Film viele Apekte des englischen Mittelalters unter moderner kritischer Sicht dar. Die auch heute wichtigen Fragen, wie Auseinandersetzung mit der historischen Vergangenheit und Menschenrechte werden im Film angesprochen und weder nüchtern noch pathetisch sondern mit dem richtigen Maß an Emotionen bearbeitet. Der Film bietet alles: tapfere Auseinandersetzungen auf dem Schlachtfeld, das mittelalterliche Leben der Bürger unter Unterdrückung die durch Musik und Tanz bewältigt wird, das Leben der Königsfamilie, Kampf um Gerechtigkeit und Menschenrechte und vieles mehr, das die vielen verschiedenen Gesichter der Menschheit darstellt. Russell Crowe blieb auch in diesem Film seiner Schauspielqualität treu und trägt der Qualität des Films bei. Ridley Scotts Team hat sich bewährt!

 

5 Sterne

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