Schlachtbetriebe pünktlich

Europaweite Vermarktung jetzt mglich210 nordhessische Schlachtbetriebe erfllen pnktlich zum Jahreswechsel alle Anforderungen der neu

Europaweite Vermarktung jetzt mglich

210 nordhessische Schlachtbetriebe erfllen pnktlich zum Jahreswechsel alle Anforderungen der neuen EU-Hygieneverordnung. Alle Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe Nordhessens, denen das Regierungsprsidium die Zulassung nach der EU-Hygieneverordnung erteilt hat, nahmen dafr hufig erhebliche Investitionen auf sich, und haben dadurch jetzt den enormen Vorteil, ihre Produkte europaweit vermarkten zu knnen, was in Zeiten des Internet-Handelns von besonderer Bedeutung ist.Im Rahmen der Harmonisierung der Gesetze innerhalb der Europischen Union wurden die Vorschriften fr das Herstellen von Lebensmitteln tierischer Herkunft insoweit in allen Mitgliedsstaaten der EU aneinander angeglichen, dass die bisherigen speziellen deutschen Vorschriften nicht mehr gelten werden. Seit Verabschiedung und Verffentlichung der EU-Hygieneverordnungen im Jahr 2004 wurden diese als Bedrohung fr das traditionelle nordhessische Fleischerhandwerk und damit fr die berhmte Ahle Wurscht angesehen. Fr die Umsetzung der Verordnungen gab es eine bergangszeit von vier Jahren. Konkret verpflichtet das neue Recht alle Schlachtbetriebe zur Zulassung. Diese erteilt die zustndige Behrde das Veterinrdezernat des Regierungsprsidiums Kassel - jedoch nur dann, wenn die baulichen, hygienischen und organisatorischen Anforderungen, die das sogenannte EU-Hygienepaket verlangt, auch im Betrieb umgesetzt wurden.Aufgrund einiger Voraussetzungen, die die Betriebe erfllen mssen, sahen insbesondere die Betreiber von handwerklich strukturierten Metzgereien die Gefahr, dass die traditionelle Schlachtung von Schweinen und Rindern sowie die Warmverarbeitung des Fleisches zu der guten alten roten Wurst in Zukunft nicht mehr mglich wren.Dabei geht es bei den neuen Vorschriften oft um banale grundstzliche Zum Beispiel Umkleiderume fr das Personal, Warmwasser auf der Personaltoilette sowie die Mglichkeiten, sich Schrze, Stiefel und Hnde an speziell dafr vorgesehenen Einrichtungen vor dem Betreten der Produktionsrume bzw. nach der Arbeit waschen zu knnen.In den vergangenen drei Jahren wurden die betroffenen Metzgereien von Amtstierrzten und Lebensmittelkontrolleuren der Kreisveterinrmter sowie von den Tierrzten und Mitarbeitern des Veterinrdezernats des RP Kassel intensiv beraten. In vielen Vortragsveranstaltungen der Fleischerinnungen, aber auch bei Fachtagungen wurde ber das neue Hygienerecht referiert, diskutiert und um Kompromisse gerungen. Spezielle Durchfhrungsvorschriften der EU und des Bundes sollten das vorerst sehr komplizierte Regelwerk auf ein verstndliches Niveau bringen.Die Besichtigungen der Betriebe durch die tierrztlichen Sachverstndigen ergaben ein sehr unterschiedliches Bild der nordhessischen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetriebe. Bei der Erstbegehung konnte nur ein kleiner Teil der Betriebe einen hohen Standard vorweisen. Die berwiegende Zahl der handwerklichen Metzgereien musste aufgrund zahlreicher Mngel in der baulichen Ausstattung doch erhebliche Investitionen zwischen 5000.- und 50 000.- ttigen, um die Zulassungsfhigkeit des Betriebes in seiner Gesamtheit zu erreichen.Erschwerend kam hinzu, dass das EU-Recht ein vllig neues Verantwortungsprinzip verlangt. Danach sind alle Lebensmittelunternehmer verpflichtet, durch ein Eigenkontrollkonzept sicherzustellen, dass nur Produkte auf den Markt kommen, die den Verbraucher nicht gesundheitlich schdigen knnen. Dazu mssen die Fleischereien eine detaillierte Gefahrenanalyse erstellen und regelmige Untersuchungen durchfhren lassen, um frhzeitig zu erkennen, ob whrend der Produktion von Lebensmitteln etwas schief luft. Dieses neue Grundprinzip der Eigenverantwortlichkeit des Unternehmers gegenber dem Endverbraucher soll gleichzeitig den Staat in seiner berwachungsfunktion entlasten.Die staatliche Lebensmittelberwachung berprft stichprobenartig mittels der Kontrolle der Kontrolle, ob nur sichere Lebensmittel am Markt angeboten werden.Diese Kontrolle wird jedoch nicht nur auf das Endprodukt bezogen. Entsprechend der Devise vom Stall bis auf den Tisch wird die Lebensmittelherstellung schon in der Urproduktion, also beim Landwirt beginnend, ber alle Stufen der Verarbeitung bis hin zum Transport und Verkauf berwacht. Von den verschiedenen Interessensverbnden eigens geschaffene Qualittssicherungssysteme verpflichten angeschlossene Betriebe zu individuellen Untersuchungs- und Gewhrleistungsprogrammen, die allesamt zu einer wirksamen Verbesserung der Qualitt der Lebensmittel gefhrt haben.Damit leisten alle an der Lebensmittelkette Beteiligten ihren Beitrag, die Skandale, wie wir sie aus den letzten Jahren kennen, zu vermeiden.Bis zum Jahresende 2009 haben im Regierungsbezirk Kassel 210 Schlachtbetriebe ihre Zulassung nach dem neuen EU-Hygienepaket durch das Veterinrdezernat des Regierungsprsidiums erhalten.Die Anzahl der Betriebe, die in Zukunft nicht mehr selbst schlachten, sondern nur noch Fleisch weiter verarbeiten werden, lsst sich seitens des Regierungsprsidiums nicht genau beziffern, weil viele nach der Beratung durch Veterinrmter in den Landkreisen andere Optionen wahrnehmen werden. Einige kleinere Handwerksbetriebe stellten ihren Zulassungsantrag aus finanziellen, familiren oder organisatorischen Grnden erst gar nicht und werden ab 1. Januar 2010 nicht mehr selber schlachten.. Gleichwohl knnen diese Metzgereien in zugelassenen Schlachtereien frisches Fleisch zukaufen und daraus Fleischerzeugnisse herstellen.Insofern wird uns die gute ahle rote Wurscht nicht nur erhalten bleiben, sondern es besteht die Hoffnung, dass sie in ganz Europa Verbreitung finden wird. Damit sie aber nicht berall nachgemacht werden kann, wird die Herstellung eben dieser unserer regionalen Spezialitt durch europisches Recht geschtzt werden!

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