Staatsdiener, Radfahrer und...

Buchtipp. Offiziell war noch nichts bekannt ber Affren und Verschleierungen im Korbacher Kreishaus, da hatte ein ehemaliger Beamter bereit

Buchtipp. Offiziell war noch nichts bekannt ber Affren und Verschleierungen im Korbacher Kreishaus, da hatte ein ehemaliger Beamter bereits seine Erinnerungen ber seine Arbeit in der Kreisverwaltung geschrieben, erschienen 2009, zehn Jahre nach Eintritt in den Ruhestand. Der Verfasser, Horst Knig, ist stolz darauf, das Klassenziel in 44 Dienstjahren erreicht zu haben, ohne Parteibuch und ohne zum Radfahrer zu werden. Er mchte dazu beitragen, die Bewertung des ffentlichen Dienstes nicht den Stammtischen zu berlassen. Stolz ist er auch noch auf vieles mehr, und der Leser fragt sich schon bald, wo wre unser Landkreis hingekommen ohne den Einsatz und die geballte Kompetenz von Horst Knig.

Wir tauchen zusammen mit ihm ein in sein Berufsleben, als er 1954 seine Lehre im Kreishaus beginnt, im heutigen Polizeigebude in der Hagenstrae. Wir begegnen fnf Landrten, erfahren, wen er respektierte und wen nicht und warum. Wir erleben mit, wie Horst Knig zunchst mhsam, dann stetig die Karriereleiter emporsteigt. Er berichtet offen ber persnliche Konflikte und manch kuriose Entscheidung, wobei Gleiche nicht immer gleich behandelt werden. Auf eine gute Zeit unter Dr. Reccius folgt eine weniger gute unter Dr. Weltecke, die dann spektakulr und medienwirksam mit seinem Rcktritt vom Amt des Geschftsfhrers der Touristikzentrale Waldeck endet. Die Ausfhrungen sind gespickt mit reichlich persnlichen Animositten. Mit Dr. Bkemeier kommt frischer Wind und mit Eichenlaub eine Atmosphre der Angst.

Sehr ausfhrlich widmet sich Knig dem Thema Natur- und Landschaftsschutz. Die Unvertrglichkeit von Naturschutz und Tourismus, wie auf dem Ettelsberg, sind ihm ein Gruel. Wir erfahren viel ber den Naturpark Diemelsee, den Unsinn von Wirtschaftsfrderung, die Errichtung der Mlldeponie, die Entwicklung des Tourismus und des Nationalparks. Allgegenwrtig ist Kumpanei und Postenschieberei in der Behrde und die Unfhigkeit und Ignoranz von Politikern. Hier nhern sich Knigs Ausfhrungen schon bedenklich den Stammtischen.

Viele, die in den vergangenen 50 Jahren die Kreispolitik mit verfolgt haben, erfahren interessante Hintergrnde und Zusammenhnge, sicher auch viel Persnliches und Subjektives ber Vorgesetzte und Mitarbeiter, natrlich durch die immer wertende Brille Horst Knigs. Andeutungen und Seitenhiebe erfolgen meist ohne Namensnennung. Insider wissen allerdings schnell, wer gemeint ist. Viele sind bereits im Ruhestand, andere mischen heute noch politisch mit. Schlielich ist der Liebhaber von Mercedes-Dienstwagen und Perserteppichen in Amtszimmern heute in hherer Position in unserer Region, und der Elektromeister und heimliche Landrat hat (bisher) viele politisch berlebt.

Das Buch lsst sich flssig lesen. Das Format erscheint wie ein kleiner Bildband, zum Lesen etwas unhandlich. Das mag auch an den vielen Listen und der Menge sehr ausfhrlicher Kopien von Zeitungstexten liegen. Die Leser erfahren Spannendes und Amsantes, erleben persnlichen Kleinkrieg und ein gehriges Ma an Selbstdarstellung. Wir lernen im Verfasser einen Beamten kennen, der seine Ziele konsequent verfolgte und manches bewegt hat. Liebenswerte Zeitgenossen sind im Buch allerdings selten, viele Freunde scheint Horst Knig in der Kreisverwaltung nicht gehabt zu haben. Leser aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg im Alter von dreiig plus scheinen die Zielgruppe zu sein, andere knnen wahrscheinlich nicht viel damit anfangen.

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