Suchtpotenzial Internet

Waldeck-Frankenberg. Ich wohne zwar bei meinen Eltern, aber eigentlich lebe ich im Internetforum Das Internet, speziell soziale Ne

Waldeck-Frankenberg. Ich wohne zwar bei meinen Eltern, aber eigentlich lebe ich im Internetforum Das Internet, speziell soziale Netzwerke besitzen fr Jugendliche heute eine hohe emotionale Bindungskraft und dienen zur Beziehungspflege auerhalb der Familie. Viele Jugendliche verbringen zwar mehrere Stunden tglich vor dem PC, beschrnken sich in ihrer Freizeitgestaltung aber nicht nur auf virtuelle Kontakte, sondern verbringen viel Zeit mit Gleichaltrigen, ganz persnlich face to face.

Handywelten95 Prozent aller Jugendlichen besitzen ein Handy. Die Gerte sind mittlerweile nicht nur Telefon, sondern auch Radio, MP 3 Player, Kamera, Spielkonsole und Computer mit Internetzugang. Die monatlichen Kosten betragen bei den 12 bis 19-Jhrigen im Durchschnitt 18,44 Euro pro Person. Das mobile Telefon wird meistens zum SMS Versand und Empfang genutzt. Die vielseitigen anderen Funktionen verfhren aber hufig zu missbruchlicher Nutzung: gewaltttige oder pornografische Inhalte und die Verletzung des Rechts am eigenen Bild durch Aufnahmen anderer ohne deren Einverstndnis sind keine Seltenheit.

CybermobbingDie Anonymitt im Internet macht es mglich, die Hemmschwelle scheint gering, und so knnen Tter ihre Opfer blostellen, belstigen oder falsche Behauptungen ins Netz stellen. Langeweile, Imponiergehabe, Machtdemonstration oder die Suche nach Anerkennung, auch Enttuschung ber zerbrochene Beziehungen lsen bei manchen heftige Hassgefhle aus. Zunchst waren meist Lehrer die Hauptzielgruppe, mittlerweile aber auch Mitschler, die durch Fotos und Videos gezielt blogestellt oder lcherlich gemacht werden. Video-Handys mit immer perfekterer Technik, berall und jederzeit verfgbar, machen es mglich. Mangelnde Sensibilisierung der Gesellschaft wird von Experten als ein zunehmendes Problem unserer Zeit angemahnt, eine Anfrage an Eltern und Erzieher, frhzeitig den respektvollen Umgang mit den Neuen Medien zu diskutieren und einzuben. Freie Meinungsuerung ist ein Grundrecht, aber gezielte herabsetzende Schmhkritik und Verunglimpfung verletzen die Persnlichkeitsrechte und werden mit empfindlichen Strafen geahndet. Verbote von Handys in Schulen werden diskutiert und wurden in einigen Lndern bereits umgesetzt.

RollenspieleIn den letzten Jahren wurden Computerspiele oft gleichgesetzt mit Ballerei, Mord und Totschlag. Sicherlich spielen viele Jugendliche Gewaltspiele, und besonders Jungen nehmen es mit den Altersbegrenzungen nicht so genau. Fachleute haben allerdings keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Gewaltbereitschaft von Jungen und der Nutzung von Computerspielen festgestellt. Medien knnen Vorbild fr Gewalt sein, aber sind keineswegs allein verursachend. Ziel huslicher und schulischer Erziehung muss es sein, das eigenstndige Wahlverhalten von Kindern zu frdern, indem man mit ihnen ins Gesprch ber ihr Spielverhalten kommt. Bei Rollenspielen knnen je nach Genre mehrere Tausend Spieler weltweit eine virtuelle Welt bevlkern und gestalten. Die Teilnehmer bernehmen Rollen von Personen mit differenzierten Charaktereigenschaften und technischen Fertigkeiten. Sie haben Aufgaben zu lsen oder Kmpfe zu bestreiten. Spieler identifizieren sich mit der virtuellen Welt und kommen vom PC nicht mehr weg, wenn sie darin vertieft sind. Hier wird besonders hufig das Rollenspiel World of Warcraft (WOW) genannt. Da die Kids bei diesem Spiel unter einem Gruppenzwang stehen, werden sie innerhalb einer so genannten Gilde zur Anwesenheit massiv unter Druck gesetzt. So berichten viele Jugendliche und auch ltere, wie sie in eine zunehmende Abhngigkeit geraten.

OnlinesuchtErste Warnzeichen von Onlinesucht sind, wenn sich ein Jugendlicher immer mehr zurckzieht, keinen realen Hobbys mehr nachgeht, immer weniger Freunde auftauchen oder die Mahlzeiten nicht mehr mit der Familie, sondern vor dem PC eingenommen werden und Kinder nicht mehr mit ihren Eltern sprechen (Du verstehst mich ja eh nicht!). Bereits ein computerfreier Tag zeigt, ob sich das Kind schon zu sehr an die virtuelle Welt gewhnt hat. Damit Eltern solche Probleme auch wahrnehmen, sollten sie die Anwendung des Computers dauerhaft begleiten. Wesentlich sind klare zeitliche und inhaltliche Absprachen fr die Nutzung, deren Einhaltung auch kontrolliert werden muss. Viele schauen weg und reden sich ein, dass beim Computerverhalten ihres Sprsslings alles in Ordnung ist. Auf der anderen Seite ist ein Jugendlicher, der mal lnger am PC sitzt, noch nicht zwangslufig schtig. Eltern sollten vor allem mit jngeren Kindern absprechen, wie viel Zeit am PC verbracht werden darf. Dabei sollte jeweils nach dem Zweck der Nutzung differenziert werden. Ein PC sollte nur im Kinderzimmer stehen, wenn die Eltern sicher sein knnen, dass die Absprachen eingehalten werden und nicht etwa nachts gespielt wird.

AmokSptestens seit des Amoklaufs in Winnenden 2009 ist die ffentlichkeit sensibilisiert, dass Internetforen fr Ankndigungen von Amoklufen benutzt werden. Eine entsprechende Pressemeldung ber den Tter von Winnenden wurde aber spter dementiert. Erschreckend hoch war allerdings in der Folgezeit die Zahl der falschen Ankndigungen und der Trittbrettfahrer. Auch gibt es bei derartigen Tragdien immer wieder Leute, die, weil sie gerade vor Ort sind, entsprechende Szenen mit dem Handy festhalten und lange vor den offiziellen Medien im Internet verffentlichen, mit Namen Betroffener und Detailinformationen.

Ana- und SuizidforenMagerschtige animieren sich auf so genannten Pro Ana Seiten gegenseitig zum Hungern, geben Tipps und Tricks zum Umgang mit Therapeuten. Solche Foren sind offiziell schwer zu finden, und die Adressen werden von Interessierten unter der Hand vertraulich weiter gegeben. Vergleichbare Anleitungen zum Selbstmord vermitteln Suizidforen mit wachsendem Interessentenkreis. Fachleute haben bereits Dutzende Selbstmorde dokumentiert, die ber das Internet organisiert wurden, genaue Beschaffungstipps und Bestellformulare in Online-Apotheken inklusive.

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