Unklarheiten trotz Testament

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Hartmut Mitze, Rechtsanwalt und Notar. Foto: Privat

Nicht selten kommt es vor, dass Erblasser aus ganz unterschiedlichen Gründen mehrere Testamente errichten. Entgegen einer verbreiteten Meinung ist ni

Nicht selten kommt es vor, dass Erblasser aus ganz unterschiedlichen Gründen mehrere Testamente errichten. Entgegen einer verbreiteten Meinung ist nicht immer automatisch das zuletzt errichtete Testament für die Erbfolge entscheidend. So könnte beispielsweise das jüngere Testament unwirksam sein, denn Umstände, die ein Testament ganz oder teilweise unwirksam machen können, gibt es viele. Die verbreitetsten Ursachen sind formelle Fehler oder der Wegfall der Testierfähigkeit.Die Erbfolge kann sich aber auch aus mehreren Testamenten ergeben. Soweit ein später zusätzlich errichtetes Testament den Festlegungen in einem früheren Testament nicht widerspricht, bleiben die unberührt gebliebenen Teile des älteren Testaments wirksam.Für eine ganze Reihe von Begriffen oder Bezeichnungen enthält das BGB Auslegungsregeln, die es erlauben, Ungenauigkeiten oder Unklarheiten zu heilen. So gelten im Zweifel bei der Verfügung zugunsten Verwandter für den Fall deren Vorversterbens deren Abkömmlinge als ersatzweise eingesetzt.Vorsicht sollte man auch bei der Erbeinsetzung des Ehegatten haben. Es ist zwar höflicher und eleganter, den Namen des Gatten / der Gattin mit aufzunehmen, peinlich kann das aber werden, wenn im Zeitpunkt des Erbfalls nach Scheidung und Wiederverheiratung und der Unterlassung einer Aktualisierung der überlebende Ehegatte nur das Pflichtteil verlangen kann.Eine ganz besondere Schwierigkeit ergibt sich, wenn zwar feststeht, dass ein Testament errichtet wurde, dieses aber nach dem Erbfall nicht auffindbar ist. Tatsächlich kann unter Umständen auch das "verschwundene" Testament wirksam bleiben. Allerdings, so das OLG München in einem Beschluss vom 22.04.2010 (31 Wx 011/10), sind an den Nachweis durch Zeugenaussagen strenge Anforderungen zu stellen. Das Verschwinden von Testamenten lässt sich am sichersten vermeiden bei der Wahl des notariellen Testaments und amtlicher Verwahrung beim Amtsgericht.Angesichts der Vielfältigkeit der im Erbrecht möglichen Fallkonstellationen und den häufigen Änderungen der Grundlagen durch den Gesetzgeber oder die Gerichte ist es mindestens bei komplexeren Familienverhältnissen wie Patchworkfamilie, nichteheliche Kinder oder Kindern aus verschiedenen Ehen ratsam, ein notarielles Testament zu errichten.

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