14.000 Leben vor Ertrinken gerettet: Einsatz auf Rettungsschiff Iuventa

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Rettung von Menschenleben auf hoher See: Darum handelte der Film, den Seenotretter Christof Brüning auf Einladung der Flüchtlingsinitiative um Christian Hendrichs (Evangelisches Dekanat) Rainer Lindner und Peter Gabriel kommentierte (von links).

„Es ist ein lohnender Einsatz“ sagt der 42-jährige Christof Brüning aus Hamburg, als er auf Einladung der Flüchtlingsinitiative Gemünden von seinen Missionen auf dem Rettungsschiff Iuventa erzählt.

Und das meint er ganz persönlich und auch im Hinblick auf die etwa 14.000 Menschen, die die Crew bei 16 Missionen auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken rettete. Bei fünf dieser 14-tägigen Reisen war der gelernte Schiffsingenieur dabei. Sein Einsatzgebiet ist der Maschinenraum. Er persönlich braucht den Abstand zu den Geretteten, um das Gesehene besser verkraften zu können. Ein Team um die 15 Personen – darunter Seeleute, medizinisches Personal, Übersetzer für Arabisch und Französisch, aber auch Filmemacher und Fotografen – kümmert sich um die Flüchtenden, die versuchen, über das Mittelmeer vor ihrem Elend zu fliehen.

Zwei schnelle Schlauchboote sind ebenfalls im Einsatz. „Wie viele Menschen wir retten, ist sehr wetterabhängig. Manchmal ist das Wetter so schlecht, dass die Leute von den Stränden nicht losfahren. Dann wieder kommen acht Boote am Tag“, so Brüning. In jedem dieser Gummiboote seien 120 bis 160 Menschen. Auf die Iuventa passten maximal 450 Personen. „Wenn es zu viele sind, müssen wir die Menschen in den Booten belassen und nur mit Rettungswesten ausstatten.“ Zwar hätten manche sogar Westen an, diese seien aber eher nutzlos. Kinder, vor allem Säuglinge, seien in der Regel völlig ohne Schutz. Der dringendste Wunsch nach der Rettung sei die Stillung des Dursts. Viele litten obendrein an heftiger Seekrankheit, einige seien verletzt. Durch die Bewegungslosigkeit auf den kleinen Booten seien manche kaum in der Lage aufzustehen und sehr entkräftet.

Mit dem Schiff Iuventa hat die Crew rund 14.000 Menschen aus dem Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet.

Durch auslaufendes Benzin in Verbindung mit dem Seewasser hätten manche schlimme Verätzungen. „Eines meiner schlimmsten Erlebnisse war eine Rettung bei Nacht. Als eine junge Frau von einem halb untergegangenen Boot gerettet werden sollte, rutschte ihr der Säugling aus dem Arm. In der Dunkelheit haben wir ihn nie wieder gefunden“, berichtet Brüning. Auch wäre es gar nicht so selten, dass Frauen noch am Strand ihre Kinder gebären, die sie dann nicht mit dabei hätten. Einmal sei eine Frau, noch keine 20 Jahre alt, an Bord der Iuventa gebracht worden, die vollkommen panisch zusammenkrampfte, sobald sich ihr jemand näherte. „Wir haben nicht herausgefunden, was ihr fehlte“, so Brüning. „Mein Privileg ist die Arbeit im Maschinenraum. So bekomme ich die schlimmsten Dinge nicht mit.“

Seit August 2017 wird der umgebaute Fischkutter Iuventa von den italienischen Behörden zusammen mit weiteren Schiffen festgesetzt. Eine Anklage ist bis heute nicht erfolgt.

In der Mediathek

Der Dokumentarfilm „Iuventa“ ist kostenlos bis einschließlich Samstag, 13. Oktober, in der Mediathek des ZDF unter www.zdf.de/kultur/filme-dokus-kabarett/iuventa-104.html zu sehen. Ein italienscher Filmemacher begleitete die NGO „Jugend Rettet“, die mit der Iuventa im Mittelmeer unterwegs war, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten – bis das Schiff 2017 festgesetzt wurde. Der Film dauert 87 Minuten.

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