Das war 2018 im Vogelsberg los - ein Rückblick

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Ein Jahr ist wieder vorbei – es ist die Zeit, um die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Das Jahr 2018 hatte auch im Vogelsberg viel zu bieten: unter anderem einen Rekord-Sommer, zwei Bürgermeisterwahlen, bewegende Prozesse und Dreharbeiten in Alsfeld. Doch der Reihe nach.

Januar

Eine gute Idee fand im Januar seine Fortsetzung: Aus der Initiative „Alsfeld erfüllt Herzenswünsche“ sollte ein Verein entstehen, der einen Monat später realisiert wurde. Seitdem hat der Verein viele Wünsche von schwerstkranken Kindern erfüllt. „Es hat uns sehr berührt, Spenden aus ganz Deutschland und vor allem aus Alsfeld zu bekommen. Die Spendenbereitschaft war enorm“, sagten die Initiatoren Julia Schuchard und Christopher Weitzel. Seit kurzem unterhält der Verein zudem einen Second-Hand-Laden in der Alsfelder Innenstadt.

Leopold Bach (rechts) ist in Feldatal zum neuen Bürgermeister gewählt worden. Karsten Schmidt (links) hatte deutlich das Nachsehen.

Februar

Im Februar wählten die Feldataler einen neuen Bürgermeister – und das deutlich: Mit 81,7 Prozent der Stimmen ist der Kirtorfer Leopold Bach neuer Rathauschef im Feldatal geworden. Als parteiunabhängiger Kandidat setzte er sich gegen den von der SPD unterstützten Mitbewerber Karsten Schmidt deutlich durch.

Im Februar übernahm die Bäckerei-Kette Hinnerbäcker die insolvent gegangene Traditionsbäckerei Jungclas. Auch zwei Alsfelder Filialen waren davon betroffen.

März

Das kam überraschend: In Alsfeld wurden die höchsten Stickoxid-Konzentration in ganz Hessen gemessen – und zwar in der Alicestraße. Offiziell waren die Zahlen der Naturschutzverbände jedoch nicht. Seit Mai dieses Jahres gibt es amtliche Messungen des zuständigen Landesamtes. Und auch diese Zahlen sind hoch. Auf die Jahresmittelwerte darf man gespannt sein. Spätestens dann braucht es Lösungen.

Die Messwerte der Alsfelder Luft waren erschreckend.

April

Prozessauftakt im Mordfall Johanna Bohnacker vor dem Landgericht Gießen: 19 Jahre nach der Tat musste sich ein 42-jähriger Mann aus dem Wetteraukreis für die Tat verantworten. Er soll die damals achtjährige Johanna entführt, betäubt, gefesselt und getötet haben. Der Prozess zog sich bis in den November hinein. Der Angeklagte wurde zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Zudem sah das Gericht eine besondere Schwere der Schuld. Die Verteidigung hat jedoch Revision eingelegt. Damit geht der Fall an den Bundesgerichtshof.

Im April wurde bekannt, dass Alsfeld als einzige hessische Kleinstadt mit bis zu 20.000 Einwohnern an Bedeutung zulegt. Zugute komme der größten Stadt im Vogelsbergkreis vor allem der Zuzug des Hauptsitzes der Kreisvolkshochschule.

Mai

Startschuss für das Kirtorfer Vorzeigeprojekt: Im Mai haben die Arbeiten zur Neugestaltung des Stadtkerns begonnen. In der Neuen Mitte entstehen nicht nur ein Gesundheitszentrum, sondern auch Wohnungen und Gewerbeflächen. Die Kosten des Vorhabens belaufen sich auf rund 12 Millionen Euro. Mitte 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Zwischen Alsfeld und Romrod ist im Mai der Rad- und Gehweg fertiggestellt worden – zur großen Freude vieler Radfahrer, die lange auf den Lückenschluss gewartet hatten.

Juni

Auch in Alsfeld soll die Stadtmitte erneuert werden – genauer gesagt, geht es um die Sanierung des Markt- und des Kirchplatzes. Im Juni fand dazu der erste Infoabend statt. Die Verantwortlichen um Bürgermeister Stephan Paule möchten die Bürger involvieren. Doch die Beteiligung ist zu gering. Deshalb soll es eine zweite Befragung der Bürger geben.

Die Parlamente in Kirtorf und Antrifttal hatten darüber abzustimmen, ob es im Oktober einen Bürgerentscheid geben wird. Dieser solle den Einwohner beider Kommunen ermöglichen, über eine Fusion zwischen Antrifttal und Kirtorf abzustimmen. Doch so weit kam es nicht: In Antrifttal entschied man sich zu diesem Zeitpunkt gegen den Bürgerentscheid – eine große Überraschung. „Ich bin völlig enttäuscht“, sagte Kirtorfs Bürgermeister anschließend zu unserer Zeitung. Dietmar Krist, sein Kollege aus Antrifttal, stimmte gegen den Entscheid. Er habe damit die schwerste aller Entscheidungen treffen müssen, aber es sei die richtige gewesen. Wie es mit dem Thema Fusion weitergeht, das wird das neue Jahr zeigen – mit womöglich zwei neuen Bürgermeistern.

Juli

Deutschland schwitzte. Auch im Vogelsberg war es rekordverdächtig heiß. Das Fatale: der viel zu geringe Niederschlag. Auch in Frankfurt hatte es zu wenig geregnet, weswegen Umweltdezernentin Rosemarie Heilig die Frankfurter dazu aufrief, das städtische Grün selbstständig zu wässern. Dass dafür Hunderttausende Liter wertvolles Vogelsberger Trinkwasser nötig waren, schien die Frau nicht bedacht zu haben. Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg hatte ihr einen Brief geschrieben unter dem Motto: „Trinkwasserverschwendung sofort beenden“. Dem stimmten die meisten Vogelsberger zu – zumal in diesem Sommer Wasserentnahmen in Gewässern verboten werden mussten, viele Landwirte Ertragseinbußen zu verzeichnen hatten und Ulrichstein sogar Trinkwasser aus den umliegenden Gemeinden kostspielig einkaufen musste, da die eigenen Brunnen versiegt waren.

Das empörte im Sommer: Vogelsberger Trinkwasser wurde für das Frankfurter Stadtgrün verwendet.

August

Viele litten unter der lang anhaltenden Trockenheit – nicht jedoch die Borkenkäfer, die in diesem Sommer beste Voraussetzungen hatten und hohe Schäden in den Vogelsberger Wäldern anrichteten. „Sie vermehren sich derzeit explosionsartig. Wir sind nicht mehr Herr der Lage“, sagte Jürgen Rupp vom Forstamt Romrod im August. Einen natürlichen Feind hat der Borkenkäfer – den Pilz. Der braucht allerdings feuchte Bedingungen. Darauf hofft Rupp im Winter.

September

Alsfeld war Drehort für den Kinofilm „Die Wolf-Gäng“ – für drei Wochen standen aufwendige Kulissen am Weinhaus auf dem Marktplatz und an einem Wohnhaus am Rossmarkt. Auch Rick Kavanian und Axel Stein spielten in dem Film mit, der von einem Vampir handelt, der kein Blut sehen kann, von der Fee Faye mit Flugangst und dem Werwolf Wolf, der mit einer Tierhaarallergie kämpft. Einige Alsfelder Gewerbetreibende klagten allerdings über die zahlreichen Straßensperrungen, die für die Dreharbeiten in der Innenstadt notwendig waren. Der Film soll im Herbst kommenden Jahres in die deutschen Kinos kommen.

Dreharbeiten zu „Die Wolf-Gäng“ in Alsfeld.

Oktober

Hessen hat einen neuen Landtag gewählt. Der Vogelsberg wählte konservativ. Die CDU ist trotz massiver Verluste erneut stärkste Kraft geworden. Die SPD erreichte mit 19,8 Prozent einen historischen Tiefstand. Gewinner der Wahl waren die Grünen ebenfalls mit 19,8 Prozent. Doch wurde die AfD mit 16 Prozent drittstärkste Kraft – in einigen Ortsteilen wählte sie jeder Dritte. Im Rennen um einen Sitz im hessischen Landtag als Direktkandidat für den Vogelsberg, lag Michael Ruhl von der CDU am Ende mit knapp fünf Prozent vor Swen Bastian (SPD). Am Wahlabend sagt Ruhl im Landratsamt in Lauterbach: „Es ist eine gedämpfte Freude. Das Zweitstimmen-Ergebnis ist enttäuschend.“ Trotzdem feierte man im kleinen Rahmen die erfolgreiche Wahl zum Direktkandidaten.

November

Ulrichstein benötigt Trinkwasser. Das ist spätestens seit diesem trockenen Sommer als ernsthaftes Problem in Hessens höchst gelegener Gemeinde bekannt. Seitdem waren sie auf Wasserlieferungen aus den umliegenden Städten angewiesen. Das sollte kein Dauerzustand bleiben. Deshalb wird seit November am Rande der Kernstadt nach Wasser gebohrt. Zwar ist auch bei einer Tiefe von 53,5 Metern noch immer nicht genügend Wasser gefunden worden (Stand: 18. Dezember). Und dennoch konnten die kostspieligen Wasserlieferungen fürs Erste gestoppt werden. Denn durch den Niederschlag im November und Dezember führen die Schürfquellen derzeit genügend Wasser. Noch in diesem Jahr soll bei der Bohrung eine Tiefe erreicht werden, in der genügend Wasser für den Winter gefördert werden kann. Im Frühjahr werde man die Bohrung ausweiten.

Andreas Fey (links) ist zum neuen Bürgermeister in Kirtorf gewählt worden.

Dezember

Knappes Rennen in Kirtorf: Der parteiunabhängige Kandidat Andreas Fey ist im Dezember mit 53,2 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt worden. Damit setzte er sich gegen seinen Mitbewerber Karsten Jost (FWG/CDU) durch. Fey wird im Frühjahr 2019 Ulrich Künz als Rathauschef ablösen, der das Amt 42 Jahre innehatte. Er wird damit als Deutschlands dienstältester Bürgermeister sein Amt abgeben.

Lesen Sie hier den Zwischenruf zum Jahresende: Vom Kleinen ins Große

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