Das war 2019 im Vogelsberg los

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Aufregend war dieses Jahr im Vogelsberg: Berichtet wurde zum Beispiel über einen Homberger Hacker, der die Ohmstadt deutschlandweit bekannt machte, über gleich drei Kommunalwahlen am Super-Wahlsonntag im Mai und über die Verabschiedung des dienstältesten Bürgermeisters Deutschlands. Ein Rückblick:

Januar

Plötzlich war Homberg/Ohm deutschlandweit bekannt. Reporter aus dem ganzen Land strömten in die Kleinstadt, nachdem ein dort wohnhafter 20-jähriger Schüler Hunderte Politiker und Personen des Öffentlichen Lebens im Internet bloßgestellt haben soll. Am 4. Januar nahm eine Sonderkommission des Bundeskriminalamtes (BKA) die Ermittlungen in dem Fall auf – bereits drei Tage später wurde ein 20-jähriger Schüler aus Homberg/Ohm vorläufig festgenommen und verhört. Er hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe umfassend eingeräumt und über eigene Straftaten hinaus Aufklärungshilfe geleistet, teilte das BKA daraufhin mit.

Februar

Seit einem Jahr wird die hessische Polizei von einem Skandal um rechte Umtriebe erschüttert. Nach einem mit „NSU 2.0“ unterzeichneten Drohschreiben gegen eine Frankfurter Anwältin, das aus einer Polizeidienststelle verschickt worden sein soll, wurden in der Folge immer mehr Verdachtsfälle rechtsextremer Umtriebe innerhalb der hessischen Polizei bekannt, die von mutmaßlichen rassistischen Äußerungen durch Polizisten auf einem Volksfest über das Sammeln von Neonazi-Devotionalien bis zu weiteren rechtsextremen Chatgruppen reichten. Zwischenzeitlich liefen Ermittlungs- oder Disziplinarverfahren gegen 38 hessische Beamte ¬– auch gegen Polizisten aus dem Vogelsberg – etwa aus Alsfeld und Kirtorf. Das stellte sich im Februar dieses Jahres heraus.

März

Gebührend feierten an die 500 Gäste den scheidenden Bürgermeister Ulrich Künz, der sich im März dieses Jahres nach 42 Jahren in den verdienten Ruhestand verabschiedete. Er war damit Deutschlands dienstältester Bürgermeister. Fast fünf Stunden lang wurde in der Kirtorfer Gleentalhalle gefeiert, gesungen, gelacht. Auf die Einladung von Künz waren nicht nur viele seiner politischen Weggefährten gekommen, sondern auch Vereine, Freunde und seine Familie.

April

Es wurde bis zum Schluss gehofft und um die Arbeitsplätze gebangt. Doch alle Verhandlungen sind gescheitert. Am letzten Märztag bekamen die 54 verbliebenen Mitarbeiter der Wellemöbel in Alsfeld – die meisten von ihnen waren über 30 Jahr lang in der Firma tätig – mitgeteilt, dass ab April die Arbeiten in der Möbelfabrik einzustellen seien.

Mai

Bürgermeisterwahlen in Alsfeld, Grebenau und Antrifttal am 26. Mai: Während Stephan Paule in Alsfeld und Lars Wicke in Grebenau ohne Gegenkandidat in ihrem Amt für weitere sechs Jahre bestätigt wurden, musste sich in Antrifttal der amtierende Bürgermeister Dietmar Krist gegen zwei weitere Kandidaten behaupten. Das tat er und wurde mit 60 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Juni

Am Samstag, 29. Juni, startete in Alsfeld um 11 Uhr die Marktplatzsanierung mit einem Bürgerbaubeginn. „Wir möchten nicht, dass es Bagger sind, die den ersten Schritt zur Sanierung unseres Platzes im Herzen der Stadt tun, sondern gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt selbst Hand anlegen“, sagte der Bürgermeister in der öffentlichen Einladung. „Wir möchten vielmehr ein Zeichen setzen: unser Marktplatz, unser Platz im Herzen, unsere Baustelle“, so der Bürgermeister weiter. Frei nach der augenzwinkernden These, drei Dinge brauche der geschichtsbewusste Mensch: ein Stück Berliner Mauer, ein Stück Weltmeisterrasen 1974 und ein Original Alsfelder Pflasterstein, konnte der selbstgezogene Pflasterstein mit einer Erinnerungsplakette versehen für einen Obolus von einem Euro erworben werden. Die Bagger kamen später natürlich trotzdem. Und die Fortschritte seitdem sind zu sehen.

Juli

Walter Märkel, der Storchenexperte in Alsfeld, beobachtete in der letzten Juli-Woche die ersten Flugversuche der drei Alsfelder Jungtiere. „Seit letzter Woche locken unsere Altstörche von nahe gelegenen Dächern und versuchen, den Nachwuchs auf dem Leonhardsturm zum entscheidenden Schritt ins wahre Storchenleben – sprich die Eroberung des Luftraums – zu animieren“, schrieb Märkel damals an unsere Zeitung. „Schon länger war die innere Unruhe bei den Jungstörchen zu spüren. Bis gut drei Meter schraubten sie sich über dem Nest schon in die Höhe und demonstrierten eindrucksvoll ihre Flugfähigkeit. Ohne Vorankündigung aber stürzte sich nun der mutigste Jungstorch in die Tiefe, absolvierte einen gekonnten Jungfernflug und landete wieder unversehrt in seiner Kinderstube, begleitet vom Klappern eines der Geschwister.“ Wir sind gespannt, ob wir die Störche auch im neuen Jahr wieder in Alsfeld begrüßen dürfen.

August

Die Polizei in Alsfeld und die Staatsanwaltschaft Gießen durchsuchten fünf Häuser im Raum Alsfeld, darunter ein Hotel und eine Gaststätte, sowie ein Gebäude in Reiskirchen. Gesucht wurden Betäubungsmittel und Produktplagiate. Ein 38-Jähriger als mutmaßlicher Haupttäter und weitere vier Mitbeschuldigte im Alter zwischen 29 und 42 Jahren seien in den Fokus der Ermittlungen gerückt. Eine Durchsuchung wegen des Verdachtes des illegalen Rauschgifthandels bei dem 38-Jährigen hatte zum zufälligen Auffinden der mutmaßlichen Produktfälschungen geführt. Er und seine mutmaßlichen Komplizen stehen im Verdacht, mit Produktplagiaten und Betäubungsmitteln Handel betrieben zu haben. Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten über 200 Paar Schuhe und über 100 Bekleidungsstücke sowie verschiedene Betäubungsmittel sicher.

September

Weltweit gingen am 20. September Millionen von Menschen auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Etwa 350 davon erhoben in Alsfeld ihre Stimme. Es war die erste Demo dieser Art in Alsfeld. Am Schwälmer Brunnen standen sie für eine Verkehrswende, strengere Klimaschutzziele und ein höheres Umweltbewusstsein bei jedem einzelnen ein.

Oktober

Im Oktober konnte der noch junge Verein „Alsfeld erfüllt Herzenswünsche e.V.“ nach nur acht Monaten Spendensammeln in einem kleinen festlichen Rahmen im „Bäderpark Hotel - Sieben Welten“ in Künzell das Spezialfahrzeug an Shanaia und ihre Familie übergeben. Shanaia leidet an bis zu 100 epileptischen Anfällen am Tag und liegt seit knapp vier Jahren im Wachkoma. Die Familie benötigte das Spezialfahrzeug dringend. Dieser Herzenswunsch konnte erfüllt werden.

November

In Antrifttal ist am 7. November deutschlandweit die Weihnachtsbaumsaison eröffnet worden – zum ersten Mal fand diese Veranstaltung in Hessen statt. Die hessische und deutsche Weihnachtsbaumköniginnen gaben sich beim traditionellen Weihnachtsbaumeinschlag keine Blöße: Gut zwei Minuten benötigten die deutsche und die hessische Weihnachtsbaumköniginnen – dann lag die Tanne. Ohne Rücksicht auf die schicken Gewänder sägten die Hoheiten los und gaben sich keine Blöße: Mit dem symbolischen Weihnachtsbaumeinschlag in der Kultur der „Vogelbergtanne“ von Dirk Hill im Antrifttaler Ortsteil Ohmes läuteten Laura Stegemann und Marina Weinreich offiziell die Weihnachtsbaumsaison in Deutschland ein.

Dezember

In ungewohnter aber nicht weniger historischen und gemütlichen Umgebung ging der Weihnachtsmarkt in Alsfeld am 15. Dezember zu Ende. „Leider“, dachten sich viele Alsfelder. Denn der Markt entlang der Volkmarstraße und im Bürger- sowie Klostergarten war trotz des zum Teil stürmischen und regnerischen Wetters und des neuen Standortes ein voller Erfolg. Nicht wenige wünschen sich den Weihnachtsmarkt auch in Zukunft an diesem Standort. Die Stadt Alsfeld um Uwe Eifert und Lara Mettbach von der Wirtschaftsförderung hat sich einiges einfallen lassen, um den gesperrten Marktplatz adäquat zu ersetzen. Mindestens das ist gelungen.

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