Albert-Schweitzer-Schüler während Referendum in Barcelona

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Ein Höhepunkt war auch im wörtlichen Sinne der Besuch des Montserrats.

Erstmals führte im Oktober 2017 die Austauschfahrt der spanischsprechenden Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule nach Igualada in Katalonien – direkt hinein in die Aufregung um die Unabhängigkeitsbestrebungen dieser Region.

Doch abgesehen von kleinen Änderungen im Terminplan merkte die kleine Reisegruppe rund um die Lehrerinnen Judith Maaser und Susanne Homola davon nichts. Im Gegenteil: „Wir haben eine tolle Zeit gehabt, haben viel erlebt und wurden wahnsinnig freundlich aufgenommen“, fasst Maaser zusammen. Homola ergänzt: „Wir waren alle sehr beeindruckt von der Herzlichkeit, die uns entgegengebracht wurde. Wir kannten uns ja zuvor alle nicht, und es war wirklich spannend.“

Die Reise kurz vor den Herbstferien führte die 13 Schüler und ihre Lehrerinnen nach Igualada, etwa 60 Kilometer von Barcelona entfernt, die dortige Partnerschule heißt Escola Pia. „Igualada ist ein wenig größer als Alsfeld, hat einen Autobahnanschluss und liegt nahe an einer Großstadt – von der Infrastruktur her sind wir uns also sehr ähnlich, auch wenn die Schulen durchaus verschieden sind.“ Am Sonntagabend kamen sie bei ihren Gastfamilien an – alle waren ganz schön neugierig aufeinander und froh, sich nun endlich live zu sehen! „Über die sozialen Medien hatten sich aber im Vorhinein schon schöne Kontakte ergeben, sodass die Schüler sich nicht mehr ganz so fremd waren“, berichtet Maaser. Am nächsten Tag wurden die deutschen Gäste zunächst im Rathaus begrüßt und lernten auch die Universität der Stadt und selbstverständlich ihre Partnerschule kennen. Der Dienstag war eigentlich als Barcelona-Tag geplant gewesen, doch dann kam der Generalstreik, der dem Referendum vom Sonntag, dem Ankunftstag, folgte. Kurzfristig wurde umgeplant, und es ging auf den Berg Montserrat. Dort gab es nicht nur die fantastische Aussicht auf das Hinterland zu bewundern, sondern auch einen Blick auf eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Spaniens. Im Kloster Montserrat befindet sich die Statue der Schutzpatronin Kataloniens. Die Schwarze Madonna aus dem 12. Jahrhundert thront über dem Hochaltar in der Basilika des Klosters.

Der Mittwoch stand schließlich doch im Zeichen der Hauptstadt der Provinz: Barcelona. „Ich denke, unsere spanischen Lehrerkolleginnen hatten das gut vorbereitet, sodass wir einen ganz normalen Tag in Barcelona verbringen konnten – ganz ohne von den politischen Ereignissen betroffen zu sein“, lobt Homola das Vorgehen der Spanier. Die Sagrada Família, die Einkaufsmeile La Rambla, die Boquaría – das komplette Programm für Touristen stand an diesem Tag auf dem Plan der 15- bis 17-Jährigen. Den Donnerstag verbrachte die Gruppe verdientermaßen und bei schönstem Sommerwetter am Strand von Sitges – mit einem Mittagessen unter sommerlich blauem Himmel im Übrigen. Mit Sitges erlebten die Schülerinnen und Schüler einen sehr malerischen Ort, der alle Kriege überdauert hat. „Als wir da waren, fand gerade das „Sitges Festival Internacional de Cinema Fantàstic de Catalunya” statt, das „Internationale Festival Kataloniens des fantastischen Films“, berichtet Homola, die dort sogar die berühmte Schauspielerin Susan Sarandon gesehen hat.

Am Freitag schließlich ging es im Unterricht an der Escola Pia noch einmal richtig zur Sache: Dort lernten die Gäste verschiedene sehr interessante Projekte zum Thema Migration kennen, darunter ein Computer-Spiel und ein Theater. Der Samstag war bereits der letzte Tag – und den verbrachten die gastgebenden Familien und die Gäste alle gemeinsam in einem Kletterpark und später bei einem gemeinsamen Essen. Noch eine Abschiedsfeier am Sonntagmorgen, und es ging zurück in den kalten deutschen Oktober und direkt in die Herbstferien. Rein zufällig hatten die deutschen Gäste nicht nur Katalonien und die zweitgrößte Stadt Spaniens kennengelernt, sondern waren auch in politisch sehr bewegten Zeiten vor Ort, deren Auswirkungen auch heute noch durchaus offen sind. „Es war wirklich eine tolle Woche, in der wir Kultur, Spaß, Geschichte, Spanisch und Politik hatten – das volle Programm also“, freuen sich die beiden Lehrkräfte, und auch die Schülerinnen und Schüler wurden nicht müde, die Fahrt, die Spanier und die Gastfreundschaft ihrer Familien zu loben. „Zum Abschied sind schon ein paar Tränen geflossen – so sehr haben unsere Jugendlichen ihren Aufenthalt genossen und so gut haben sich die jungen Leute verstanden. Es sind richtige Freundschaften entstanden“, berichteten die Lehrkräfte rückblickend, die sich nun gemeinsam mit ihren Spanischkursen auf das Frühjahr 2018 freuen. Denn dann kommen die neuen spanischen Freunde aus Igualada nach Alsfeld.

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