In Alsfeld fühlen sich Radfahrer nicht sicher

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Unter Autos: In Alsfeld fühlen sich viele Radfahrer nicht sicher – das sagt der Fahrradklima-Test des ADFC.

Alsfeld schneidet schlecht ab beim Fahrradklima-Test 2018. Woran liegt's?

Alsfeld - Am Montag dieser Woche war Weltfahrradtag – seit 2018 ist der 3. Juni ein offizieller UN-Tag. Das Ziel dieses Tages: das Bewusstsein für die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Vorteile des Fahrradfahrens zu schärfen.

Um in den Genuss dieser Vorteile zu gelangen, müssen Länder und Kommunen jedoch Grundlagen schaffen, die das Fahrradfahren erst alltagtauglich und somit zu einer Alternative zu dem Auto werden lassen.

Der Fahrradklima-Test, der im vergangenen Jahr in 683 deutschen Städten vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) durchgeführt wurde, untersucht genau das – er gilt als Zufriedenheits-Index der Radfahrenden. Auch in Alsfeld stimmten über 100 Menschen darüber ab, wie zufrieden sie mit der Fahrrad-Infrastruktur sind – den Schwerpunkt legte der ADFC bei der Umfrage auf die Familienfreundlichkeit.

„Wir waren überrascht, dass Alsfeld im Fahrradklima-Test noch ein glattes ‘ausreichend’ erreichen konnte“, sagt Mira Aretz von „Alsfeld-Fremdenverkehr“. Mit der Schulnote 4,0 liegt Alsfeld auf Platz 137 von 186 Städten in seiner Größenordnung – besonders schlecht wurde in Alsfeld die Familienfreundlichkeit von den Teilnehmern bewertet: Jeweils über 50 Prozent der Befragten gaben die Noten 5 und 6 auf die Fragen, ob Kinder im Grundschulalter ohne schlechtes Gewissen alleine Rad fahren gelassen werden können, ob kleine Kinder sicher auf dem Gehweg fahren können und ob Radwege gut mit Kinderanhänger befahrbar sind.

Auch Bürgermeister Paule sieht viel Handlungsbedarf

„Nach unserer Einschätzung bewegt sich Alsfeld eher im Bereich mangelhaft bis ungenügend“, sagt Aretz. Der Fahrradklima-Test belegt das in wichtigen Fragen: So gibt etwa jeder dritte Befragte die Note 6 bei der Frage, ob er sich als Radfahrer in Alsfeld sicher fühle. 61 Prozent der Befragten geben die Noten 5 und 6 bei der Frage um die ausreichende Breite der vorhandenen Radwege. Gut hingegen bewerten die Alsfelder die Sicherheit vor Fahrraddiebstählen und die Beschilderung durch Wegweiser.

Bürgermeister Stephan Paule weiß: „Es bleibt viel Handlungsbedarf.“ Er kennt aber auch die Einschränkungen: „Aufgrund der innerorts verlaufenden überregionalen Verkehrsverbindungen mit mehreren Bundes- und Landesstraßen gestaltet sich gerade das Befahren der Grünberger Straße, Alicestraße sowie Schellengasse mit dem Fahrrad eher schwierig.“ Für die Verkehrssicherheit auf diesen Straßen und einmündende Seitenstraßen sei zudem Hessen Mobil als Straßenbaulastträger verantwortlich. „Im Bereich der Altstadt ist in der Fußgängerzone eine Freigabe für den Radverkehr wegen der geringen Breite auch nicht möglich.“

Mögliche Maßnahmen für ein sicheres Radfahren

Für ein sicheres Fahrradfahren in Alsfeld fordert Alsfeld-Fremdenverkehr, aber auch Vertreter der Kreisverbände von BUND und des ADFC, Radwege so oft wie möglich baulich vom Kraftverkehr zu trennen und diesen zu verlangsamen, die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer, ein schlüssiges Netz aus Fahrradwegen mit angemessenem Winter- und Reinigungsdienst sowie entsprechende Unterstellmöglichkeiten an zentralen Stellen.

Einige davon könnten mit wenig Geld umgesetzt werden – etwa die Öffnung der Einbahnstraßen für die Radfahrer. Andere, wie zum Beispiel Radwege auszubauen und sie vom Kraftverkehr zu trennen, sind kostspieliger. Nimmt die Stadt Alsfeld schlichtweg zu wenig Geld in die Hand?

„In den vergangenen sechs Jahren wurde mehr in die Fahrrad-Infrastruktur investiert, als in den zehn Jahren davor“, sagt Paule dazu. Konkret sei in seiner ersten Amtszeit der Radweg in der Ernst-Arnold-Straße verwirklicht worden, die Abstellanlage und Lademöglichkeit vor dem Bürgerbüro und am Erlenbad installiert worden, der zuvor matschige Radweg zwischen Hattendorf und Eudorf geschottert sowie Teilstrecken der Hessischen Radfernwege ausgebessert worden. Hessen Mobil sorgte zudem im vergangenen Jahr für die lang ersehnte Umsetzung der Radverbindung zwischen Romrod und Alsfeld.

Dass nicht alle Einbahnstraßen für den Radverkehr geöffnet werden könnten, liege daran, dass nicht überall die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährt werden könnte – etwa aufgrund der geringen Breite oder unübersichtlicher Ein- und Ausfahrten. Auch in Zukunft seien viele Maßnahmen zur Verbesserung geplant (siehe Info-Kasten).

Doch bei dem Ergebnis des Fahrradklima-Tests ist die Frage erlaubt, ob das ausreicht, um zukünftig als fahrradfreundlich zu gelten. Denn auch der Radverkehr wird laut Prognosen zukünftig zunehmen (müssen). In Zeiten der Verkehrsüberlastung und des Klimawandels gilt das Fahrrad als wichtiger Faktor, um diesen Problemen entgegenzuwirken.

„Und das sollte in einer so fahrradunfreundlichen Stadt wie Alsfeld den Entscheidungsträgern verdeutlichen, dass sie guten Rückenwind für die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur haben“, sagt Aretz.

Lesen Sie hier den Kommentar "Kein Land für Radfahrer".

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