Alsfeld: Richter muss Prozess um mutmaßliche Gefangenenbefreiung unterbrechen

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Der Prozess wegen einer mutmaßlichen Gefangenenbefreiung am Alsfelder Amtsgericht musste unterbrochen werden – ohne psychologisches Gutachten geht es nicht weiter.

„Ich werde ein solches Verfahren niemals einstellen. Da verstehe ich keinen Spaß“, sagt der Vorsitzende Richter Dr. Christian Süß, als sich die Prozessbeteiligten über die weitere Gestaltung des Prozesses beraten.

Alsfeld - Die Justiz habe die Pflicht, Vollstreckungsbeamte zu schützen – so die Meinung des Richters. Doch worum geht's? Angeklagt sind am Alsfelder Amtsgericht ein 29-jähriger Alsfelder und seine ehemalige Verlobte. Die Staatsanwaltschaft legt den beiden Gefangenenbefreiung zur Last – sie sollen sich im August 2017 der Festnahme durch Polizeibeamte vehement widersetzt haben und die beiden Polizisten dabei verletzt und beleidigt haben. Vorangegangen war ein erteilter Platzverweis an den 29-Jährigen, den er nicht eingehalten haben soll.

Der Angeklagte gibt am Dienstagmorgen vor Gericht an, er habe am Tattag diverse Drogen konsumiert – darunter LSD. Seine 16 Jahre ältere Ex-Verlobte habe damals noch nichts konsumiert. Allerdings, das bringt ihr Verteidiger ein, sei bei der Angeklagten vor wenigen Wochen im Rahmen eines familienrechtlichen Verfahrens eine dauerhafte wahnhafte Störung diagnostiziert sowie ein missbräuchlicher Konsum von Haschisch und Amphetaminen festgestellt worden. Die Prozessbeteiligten kommen nach mehreren Besprechungen zu dem Schluss, die Diagnose des Gutachtens zu verlesen. Der Prozess ist somit ohne ein unabhängiges neues psychologisches Gutachten – einerseits wegen des angegebenen Drogenkonsums des Angeklagten am Tattag sowie der möglichen psychischen Erkrankung der Angeklagten – nicht mehr möglich. Der Vorsitzende Richter muss die Verhandlung unterbrechen. „Der Gutachter soll unvoreingenommen an die Sache herangehen. Daher wird er keine Kenntnis des alten Gutachtens erhalten“, sagt Süß, bevor das Gericht vertagt.

Die sieben geladenen Zeugen werden nicht gehört. Ein Fortsetzungstermin ist vorerst nicht bekannt.

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