Alsfelder vor dem Gießener Landgericht

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An vier Tagen wird der Fall des Alsfelder M. im Gießener Landgericht verhandelt.

Seit vergangener Woche wird der Fall des Alsfelder M. vor dem Landgericht Gießen verhandelt. Diverse Straftaten soll M. begangen haben. Doch um eine Freiheits- oder Geldstrafe geht es gar nicht.

„Wir verhandeln die Sache im Fall M. vor dem Landgericht, weil es darum geht, ob der Angeklagte für eine unbefristete Zeit in eine psychiatrische Unterbringung kommt. Wegen der möglichen weitreichenden Konsequenzen für den Angeklagten, sitzen hier auch drei Berufsrichter, zwei Schöffen sowie ein psychiatrischer Gutachter. Mehr geht nicht”, erklärt der Vorsitzende Richter Dr. Bergmann dem Mann im Zeugenstand, der sichtlich überrascht davon ist, vor einem vollen Sitzungssaal im Landgericht Gießen seine Aussage zu machen. Es ist der zweite von vier angesetzten Verhandlungstagen im Sicherungsverfahren des Alsfelders M. Ein Sicherungsverfahren, weil M. schuldunfähig ist. Es geht nicht um eine Freiheits- oder Geldstrafe, sondern um eine mögliche Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die zentrale Frage lautet: Ist M. gefährlich?

„Mir wird bewusst, was ich alles in Alsfeld angestellt habe”

„Wie geht es Ihnen denn aktuell?”, möchte der Vorsitzende Richter am ersten Prozesstag von M. wissen. „Seitdem ich in Haina bin, bin ich wieder klar im Kopf. Mir wird bewusst, was ich alles in Alsfeld angestellt habe”, so M., der seit einem Vorfall im September in einer Klinik für forensische Psychiatrie medizinisch betreut wird.

M. sitzt auf der Anklagebank wegen diverser Vorwürfe: Bedrohung, Sachbeschädigung, Beleidigung, Körperverletzung – unter anderem. Insgesamt liegen der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft neun Fälle zugrunde, die Gegenstand der Verhandlung sind. M. soll einen Zeugen mit einem Messer bedroht haben, mit den Worten: „Hiermit steche ich dich auch noch ab.” Einen anderen soll er mit einem Aschenbecher verletzt haben. Er soll Roller, ein Wohnmobil und ein Auto beschädigt haben.

Fall Neun

Der letzte von insgesamt sieben Zeugen berichtet am zweiten Prozesstag von einem ganz anderen, einem umgänglichen, M. „Als ich neben ihm eingezogen bin, haben wir ein gutes Miteinander gehabt”, schildert der Zeuge. Fast freundschaftlich klingen seine Ausführungen: „Wir haben zusammen gekocht, ich habe für ihn auch mal etwas eingekauft oder ihn mit meinem Auto mitgenommen. Anfangs war alles gut.” Es gab nur eine Bedingung: „M. durfte keinen Alkohol trinken”, so der Zeuge. Anfang 2017 sei die Stimmung komplett gekippt. M. soll ihn massiv bedroht, sein Auto beschädigt, die Reifen zerstochen haben. Der Auslöser für die Festnahme M.s im September 2017 war aber die mutmaßliche Drohung, den dreijährigen Sohn des Zeugen „umzubringen” – vor Gericht behandelt unter Fall Neun.

Alkohol und Amphetamine bestimmen M.s Alltag

Immer wieder macht M. den Eindruck, als könne er sich nicht an alles erinnern: „Das kann ich nicht mehr genau sagen.” „Da hatte ich ein völliges Black-Out”, sind etwa die Wortlaute, die er bereits früh im Prozess äußert. Wieso es für M. schwierig sei, manche Vorfälle zu rekapitulieren, erklärt er so: „Fünf Liter Bier am Tag waren nichts”, berichtet er. Aber auch: „Ich habe in dieser Zeit jeden Tag Amphetamine gezogen.” Ecstasy und Crystal Meth spielten zwischenzeitlich ebenfalls eine Rolle.

„Ich würde nie gegen Kinder gehen”

„Das habe ich nicht gemacht. Ich weiß, wie ich die Reifen zerstochen habe. Aber ich würde nie gegen Kinder gehen”, ist sich M. am ersten Verhandlungstag noch sicher, als die Staatsanwaltschaft diesen neunten Fall verliest.

Alle neun Vorfälle ereigneten sich im Zeitraum von Februar bis September 2017 – alle fanden in Alsfeld statt. Es stehen allerdings weniger die einzelnen Straftaten, als vielmehr die Person M. im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Richter möchten von den Zeugen nicht nur Details zu den Vorfällen hören, sondern stellen auch gezielt Fragen zum Angeklagten. „Haben Sie ihn mal mit Alkohol gesehen?” „Ist er in Alsfeld bekannt?” „Kennen Sie die sogenannte Idiotenrunde, die M. mehrmals am Tag abgelaufen sein soll?” So in etwa lauten einige Fragen am zweiten Verhandlungstag.

Videomaterial widerlegt Behauptung

„Ich bringe dich und deinen Sohn um”, dröhnt es aus den Lautsprechern im Sitzungssaal. Richter, Schöffen, Gutachter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sehen sich das Video, das der Zeuge mitgebracht hat, mehrfach an. „Das sieht aber jetzt anders aus, als Sie es gestern geschildert haben”, richtet sich der Vorsitzende Richter an M.

M. schweigt dazu ...

Wie es weitergeht:

In unserer kommenden Ausgabe werden wir über den weiteren Verlauf und den Ausgang des Prozesses berichten. Bei Redaktionsschluss stand der letzte Verhandlungstag am Freitag, 2. Februar, noch aus.

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