Amerikanerinnen enthüllen Gedenktafel zu Ehren ihrer Alsfelder Vorfahren

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Freuen sich über die Enthüllung der Gedenktafel ihrer Familie Steinberger: Rebekka und Deborah Fink mit Bürgermeister Stephan Paule und Hausbesitzer Christa Kreuder-Schütz und Norbert Schütz.

Irma Levi lebte in Alsfeld, bis die Familie 1938 in die USA emigrieren musste. Nun sind die Enkelinnen zurückgekehrt, um ihrer Familie zu gedenken.

Alsfeld - Aus Berkeley, Kalifornien kamen die Schwestern Rebekka und Deborah Fink, um zu erleben, wo ihre Vorfahren in Alsfeld einmal gelebt haben und dabei eine Erinnerungstafel an ihre jüdische Familie zu enthüllen. Viele Gäste waren dabei und erlebten den sehr emotionalen Moment, als die Amerikanerinnen die elegante Tafel am Wohnhaus in der Hersfelder Straße enthüllten.

Dort lebte ihre Großmutter Irma Levi, geborene Steinberger, dort lebte ihre Mutter Doris Levi nach ihrer Geburt in 1938, von dort aus musste die Familie nur ein Jahr später wegen Verfolgung nach Amerika flüchten. Tränen flossen bei dem ersten Besuch der beiden Schwestern, fühlten sie sich doch willkommen und Zuhause in Alsfeld. Sie hatten Fotos mitgebracht, die ihre Familie vor dem Haus stehend zeigen und vom Schiff, dass die Familie nach Amerika brachte. Von der kleinen Doris Levi auf dem Arm der Mutter, die vielleicht die Pogromnacht nicht überlebt hätte, hätte deren Mutter sie nicht kurz zuvor aus dem Babybett genommen, als ein Stein in eben dieses Babybett flog und dabei den Säugling hätte erschlagen können, wie die Schwestern berichten.

Der Kontakt kam vor zwei Jahren über Ami Inbal zustande, der ebenfalls zur Familie Steinberger gehört und Informationen dazu suchte und Bürgermeister Stephan Paule kontaktierte. Dieser wandte sich an Joachim Legatis vom Förderverein Jüdische Geschichte Vogelsberg und Haus Speier. Dieser freute sich über das Interesse der Familie und erzählte den heutigen Besitzern des Hauses, Christa Kreuder-Schütz und Norbert Schütz, von der Gedenktafel. Schütz: Wir fanden das eine wundervolle Idee und wichtig, dass an Alsfelder Juden erinnert wird“, so Schütz. Die eine oder andere Träne rollte bei so viel freundlicher Aufnahme, die Schwestern lagen sich in den Armen und planen, bald wiederzukommen. „Wir bekommen nun immer mehr Kontakt zu unserer weit verstreuten Familie. Es ist so bewegend, dass sie noch leben“, so Deborah Fink.

Stadtarchivar Norbert Hansen schenkte den Amerikanerinnen seine Recherche-Ergebnisse zur Familie, die bis auf den 1796 geborenen Herz Steinberger zurückgeht. „Um etwas aus der Geschichte zu lernen, muss es sichtbar sein“, ergänzte Bürgermeister Paule zur Enthüllung der Gedenktafel und zeigten den Frauen zum Abschluss das Alsfelder Rathaus.

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