Anklage gegen Homberger Hacker erhoben 

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Über Nacht wurde die beschauliche Ohmstadt deutschlandweit bekannt. Nachdem ein dort wohnhafter Schüler über Jahre hinweg Daten von Hunderten Politikern und Personen des Öffentlichen Lebens ausgespäht und im Netz verbreitet haben soll, wurde nun Anklage gegen den 22-Jährigen erhoben. Im Januar vergangenen Jahres kam das Bundeskriminalamt dem Homberger auf die Schliche.

Plötzlich war Homberg/Ohm deutschlandweit bekannt. Reporter aus dem ganzen Land strömten im Januar 2019 in die Kleinstadt, nachdem ein dort wohnhafter 20-jähriger Schüler Hunderte Politiker und Personen des Öffentlichen Lebens im Internet bloßgestellt haben soll. Jetzt wurde Anklage erhoben.

Frankfurt/Homberg/Ohm - Er soll unter anderem Daten der Kanzlerin veröffentlicht und versucht haben, sechs Bundestagsabgeordnete zu erpressen. Jetzt hat die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main Anklage erhoben. Der nun 22-jährige Homberger wird sich für eine lange Liste an Vergehen vor Gericht verantworten müssen.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt hat die Anklageschrift beim zuständigen Amtsgericht in Alsfeld eingereicht. Dem Angeklagten wird unter anderem das Ausspähen von Daten, Datenhehlerei, Datenfälschung sowie versuchte Erpressung und Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz vorgeworfen. Demnach soll der 22-Jährige die dafür nötigen Passwörter teilweise auf einer illegalen und von US-amerikanischen Behörden im Januar 2020 abgeschalteten Hacker-Webseite gekauft haben. In anderen Fällen täuschte der Beschuldigte laut Anklageschrift die Anbieter von E-Maildiensten über seine Identität und erhielt so per Passwortrücksetzungsoption Zugriff auf die Konten der Geschädigten. Insgesamt wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, von August 2015 bis Januar 2019 in 73 Fällen persönliche Daten wie etwa Telefonnummern, Kreditkartendaten, Anschriften, Fotos oder Chats erlangt zu haben.

Darüber hinaus versuchte er demnach, sechs Bundestagsabgeordnete zu erpressen. Er drohte mit der Veröffentlichung von Informationen und verlangte je einen Betrag von rund 900 Euro in der Kryptowährung Bitcoin.

Neben den Vorwürfen rund um den Datendiebstahl werden dem jungen Mann weitere Vergehen zur Last gelegt. So soll er von 2016 bis 2018 dreimal falsche Anschlags- und Amokankündigungen verfasst und zudem zwei andere Menschen zu Unrecht einer Straftat bezichtigt haben.

Hintergrund

Im Dezember 2018 wurden auf dem von ihm benutzten Twitter-Account „@_0rbit“ personenbezogene Daten von insgesamt 993 Politikern, Journalisten und Prominenten veröffentlicht. Jeden Tag wurden in einer Art Adventskalender insbesondere Telefonnummern, Anschriften, Kreditkartendaten, Chats und Bilder unter dem Nutzer-Namen „G0D“ bekannt gegeben. Besonders betroffen war Grünen-Parteichef Robert Habeck. Aber auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war ein Datensatz, unter anderem mit Faxnummer und einer E-Mail-Adresse, aufgetaucht.
Teilweise wurde auch der gekaperte Twitter-Account des YouTubers „Unge“ zur Veröf- fentlichung missbraucht, der mit zwei Millionen Abonnenten eine große Reichweite auf Twitter erzielt.

Auf den Twitter-Accounts waren Verlinkungen zu anderen Plattformen enthalten, auf denen die ausgespähten persönlichen Daten abgelegt waren. Zudem soll der Täter Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen gesammelt und publik gemacht haben – Doxing wird das dann genannt.

Am 4. Januar 2019 nahm eine Sonderkommission des Bundeskriminalamtes (BKA) die Ermittlungen in dem Fall auf – bereits drei Tage später wurde ein 20-jähriger Schüler aus Homberg/Ohm vorläufig festgenommen und verhört. Er hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zunächst umfassend eingeräumt und über eigene Straftaten hinaus Aufklärungshilfe geleistet, teilte das BKA damals mit.

Der junge Verdächtige, der damals noch bei seinen Eltern wohnte, gab in Vernehmungen an, die Daten aus Ärger über Politiker und Prominente veröffentlicht zu haben. Mangels Haftgründen wurde der Beschuldigte am 7. Januar auf freien Fuß gesetzt und die vorläufige Festnahme aufgehoben.

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