Ausbreitung des Coronavirus: Wie schütze ich mich - Kreis ist vorbereitet

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Das Coronavirus verbreitet sich durch eine Tröpcheninfektion. Deshalb gilt jetzt besonders eine Husten- und Nies-Etikette.

Das Robert-Koch-Institut und das Bundesgesundheitsministerium haben heute über die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland informiert. Der Vogelsbergkreis steht im engen Austausch mit den Fachbehörden. Der Tenor: Grund zur Panik bestehe nicht - zur Vorsicht aber schon.

Insgesamt sind in Deutschland 53 laborbestätigte Fälle von Covid-19 bekannt geworden (Stand: 28. Februar). Die meisten Personen sind bereits wieder gesund und aus der Klinik entlassen. Weltweit wurden 81.245 Fälle gemeldet, davon sind 2.770 Menschen verstorben.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat mit Blick auf die neue Lungenerkrankung Covid-19 von einer schweren Krankheitsform gesprochen. Auf einer Pressekonferenz in Berlin am Donnerstag sagte er, 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer – das sei viel. Nach bisherigen Zahlen stürben ein bis zwei Prozent der Infizierten. Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neuartige Coronavirus demnach tödlicher als die Grippe. Wie viel höher die Sterberate ausfalle, werde man nach dem Ende der Epidemie sehen, sagte Wieler.

Auch wenn bisher keine Fälle des neuen Coronavirus in Hessen aufgetreten sind, stehe das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises in regelmäßigem Kontakt mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration  sowie den anderen Gesundheitsämtern in Hessen. Das teilt die Kreiverwaltung in einer Pressenotiz mit. „Im Rahmen der gestrigen wöchentlichen Telefonkonferenz wurde festgestellt, dass Hessen für das COVID-19 gut aufgestellt ist“, fasst Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak das Ergebnis dieser jüngsten Besprechung zusammen. So stünden Labore in Frankfurt und Marburg bereit, die den Test auf das neue Virus zeitnah durchführen könnten. Bei einem Verdachtsfall seien Ablaufpläne definiert, die eine rasche Umsetzung von Schutzmaßnahmen ermöglichen.

„In der Kreisverwaltung selbst gibt es eine enge Abstimmung zwischen den Fachbehörden wie Gesundheitsamt, Leitstelle, dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes und der Behördenleitung“, führt Dr. Mischak aus. Die Ärzte im Kreis seien über den aktuellen Stand informiert und wüssten, welche Maßnahmen in einem möglichen Verdachtsfall anzuwenden seien. Bei Rückfragen könnten sich die Mediziner zudem an das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises wenden. Involviert seien natürlich auch die Krankenhäuser. Dort gebe es selbstverständlich Bereiche, die zur Verfügung gestellt werden könnten. Sollte ein Verdachtsfall auftreten, könne der betroffene Patient unverzüglich separiert werden.

Das Bundesgesundheitsministerium teilt mit, dass Bürgerinnen und Bürger im Verdachtsfall den Arzt anrufen und das weitere Vorgehen gemeinsam besprechen sollten. Es gelte bei Symptomen: Unbedingt zu Hause zu bleiben. „Wir empfehlen der Bevölkerung, nicht hinter jedem Husten eine Corona-Infektion zu vermuten. Dass sie aber ihren Hausarzt anrufen und die Behandlung abklären, wenn sie innerhalb von 14 Tagen nach Reisen in Gebiete, in denen Infektionen vorgekommen sind, Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln“, sagt Gesundheitsminister Spahn.

Spahn ordnete zudem an, dass Piloten auf noch mehr Flügen als bislang vor der Landung in Deutschland dem Tower über den Gesundheitszustand ihrer Passagiere zu berichten haben. Das gilt künftig auch für Flüge aus Iran, Südkorea, Japan und auch aus Italien. Bislang galt das nur für Direktflüge aus China. Außerdem hat Deutschland Kontakt zu Bus-, Bahn- und Fluggesellschaften aufgenommen, um Reisende über aktuelle Entwicklungen zu informieren und Handlungshinweise zu geben, für den Fall, dass sie Symptome bemerken.

Auf europäischer Ebene ist geplant, Schutzausrüstung für medizinisches Personal zu beschaffen. Die Gesundheitsminister Italiens, Österreichs, Kroatiens, der Schweiz, Sloweniens, Frankreichs und Deutschlands haben sich darauf geeinigt, Reisende von und nach Italien nach dem gleichen Muster über das Virus zu informieren. Außerdem wollen die Länder epidemiologische Daten sowie Informationen zum klinischen Management der Epidemie zwischen den Ländern austauschen. Generelle Grenzschließungen lehnten die Gesundheitsminister ab. Ob Großveranstaltungen abgesagt werden müssen, solle von Fall zu Fall geprüft werden.

Wie schützen?

Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegserkrankungen schützen eine gute Handhygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten halten auch vor einer Übertragung des neuen Coronavirus. Als Schutzmaßnahme empfehlen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration sowie das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises, weiterhin einfache Hygieneregeln zu beachten: In die Armbeuge husten oder niesen. Einmaltaschentücher verwenden und diese nach jedem Gebrauch entsorgen. Händeschütteln vermeiden, gründliches und regelmäßiges Händewaschen, nicht mit den Händen die Nasen-, Mund- und Augenschleimhaut berühren (zum Beispiel nach dem Festhalten an Griffen in Bussen oder Benutzen von Türgriffen, die von vielen angefasst werden), grundsätzlich eigene Gläser und Besteck benutzen und wie immer in der Erkältungszeit wenn möglich Menschenansammlungen meiden.

„Die Gefahr einer Ansteckung ist nur gegeben, wenn sich eine Bürgerin oder ein Bürger zuvor in einem Verbreitungsgebiet des Virus aufgehalten hat oder engen Kontakt mit einer nachweislich an COVID-19 erkrankten Person hatte“, erklärt Dr. Dr. Rüdiger Rau vom Vogelsberger Gesundheitsamt. Treten innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber, Husten und/oder Atemnot auf, so bestehe der Verdacht auf eine COVID-19-Infektion. In diesem Fall sollten die Betroffenen möglichst zu Hause bleiben und unnötige Kontakte vermeiden. Bevor man den Hausarzt oder eine Notaufnahme im Krankenhaus aufsuche, solle man sich telefonisch anmelden und darauf hinweisen, dass man sich in einem Verbreitungsgebiet des Virus aufgehalten habe. Auch das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises gibt telefonisch Auskünfte zu Risiken und Verhaltensregel.

Maske tragen?

In der allgemeinen Bevölkerung sind die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum persönlichen Schutz sowie zum Schutz von anderen Personen vor der Ansteckung mit Erregern eine gute Händehygiene, korrekte Hustenetikette und das Einhalten eines Mindestabstandes (etwa ein bis zwei Meter) von krankheitsverdächtigen Personen. Das teilt das Gesundheitsministerium mit. Wenn eine an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankte Person sich im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (z.B. eines chirurgischen Mundschutzes) durch diese Person sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern (Fremdschutz).

Das sieht das das RKI genauso. Durch das Tragen einer Maske könne der Erkrankte bei Niesen oder Husten das Virus nicht so weit verbreiten. Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzt (d.h. eng anliegend getragen wird), bei Durchfeuchtung gewechselt wird, und dass während des Tragens keine (auch keine unbewussten) Manipulationen daran vorgenommen werden. Hingegen gibt es keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert. Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können.

Lebensmittel meiden?

Das RKI teilt auf der Pressekonferenz mit, dass es nicht notwendig sei, auf Lebensmittel aus Italien oder Lieferungen aus China zu verzichten. Die Verbreitung durch das Virus erfolge durch eine Tröpfcheninfektion – also über die Luft – etwa durch Niesen oder Husten.

Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland müsse gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen, Infektionsketten, lokale Infektionsgeschehen und Ausbrüche in Deutschland seien möglich. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird aktuell von den Experten des RKI als gering bis mäßig eingeschätzt wird. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers wird als wahrscheinlich angesehen.

Sollte sich das Virus weiter ausbreiten und es zu einer Epidemie kommen, sollten die Bürgerinnen und Bürger ihr öffentliches Leben einschränken – zum Beispiel Großveranstaltungen meiden, bei Möglichkeit Home-Office machen, Reisen absagen, nur einmal in der Woche einkaufen. Derzeit sieht das RKI dazu noch keine Notwendigkeit. Auch Gesundheitsdezernent im Vogelsbergkreis Dr. Jens Mischak weist darauf hin, dass die Grippe viel häufiger vorkommt. Alleine in diesem Jahr wurden im Kreis schon 93 Influenza-Fälle gemeldet.

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