Cannabis – Wie verbreitet ist das neue Heilmittel im Vogelsberg?

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Gegen die Schmerzen raucht L. vier Portionen Cannabisblüte mit je 0,5 Gramm Substanz.

Er habe starke Schmerzen und wolle keine chemischen Substanzen nehmen, erzählt der 70-jährige Albert L. (Name von der Redaktion geändert), gelernter Krankenpfleger.

Deshalb nehme er schon seit einigen Jahren Cannabis als Therapie zur Bekämpfung der Schmerzen wegen seiner Gicht.

Eine Cannabisblüte reiche L. für mehrere Tage.

Es sei schwierig, im Alsfelder Raum einen Arzt zu finden, der ihm Cannabis als Medikament verschreibe, deshalb habe er eine weitere Suche eingestellt und beziehe sein „Medikament“ illegal. „Damit ich keinen Ärger mit der Polizei bekomme, habe ich mich vor einer Weile selber angezeigt. Die Polizisten haben mich laufen lassen“, erklärt L. Trotzdem möchte er darum kämpfen, dass Cannabiskonsum aus der Illegalität herausgeholt wird und wandte sich deshalb an ALSFELD AKTUELL, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Cannabis ist verschreibungsfähig

Seit März 2017 ist Cannabis nun verschreibungsfähig. Ärzte jeder Fachrichtung können seitdem ohne besondere Qualifikation Blüten oder Extrakte ihren Patienten verschreiben. Ausdrücklich verzichtet hat der Gesetzgeber darauf, einzelne Indikationen aufzuführen. Somit kann Cannabis verordnet werden, wenn „eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht“ – eine Ermessenssache des Arztes. Nachfragen bei den Alsfelder Krankenkassen AOK, Barmer GEK und DAK haben ergeben, dass die Nachfrage nach Cannabis vor Ort bisher nicht bekannt sei.

Noch gibt es keine Kunden in der Alsfelder Rathausapotheke, die Cannabis auf Rezept bekommen, so Elisabeth Lippert und Ulrike Otto.

Hessenweit würden bei der AOK im Monat etwa 30 bis 50 Anträge gestellt, die zu einem Drittel sofort genehmigt würden. Der unabhängige medizinische Dienst der Krankenversicherung würde bei schwerwiegenden Erkrankungen die Anträge begutachten und entscheiden, ob die Kosten für das Medikament übernommen werden. „Medizinisches Cannabis ist aus der Versorgung schwer kranker Menschen nicht mehr wegzudenken. Es ist aber kein Allheilmittel“, so Professor Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Wenig Interesse in der Apotheke verzeichnet

Einen Run auf Cannabis gibt es seit der Verschreibungsmöglichkeit in Alsfeld dennoch nicht. „Wir haben keine Kunden, die Cannabis auf Rezept bei uns beziehen“, so Apothekerin Ulrike Otto. Deshalb hätten sie diese Substanz auch weder in der angebotenen Tropfenform noch als Blüten vorrätig. Sie sieht Cannabis als therapeutisches Mittel kritisch. „Wir haben wirklich gute Schmerzmittel, bei denen es weniger zu den unerwünschten Nebenwirkungen kommt, als das bei Cannabis der Fall ist“, bekräftigt Otto.

Und diese Droge dürfe keinesfalls verharmlost werden. Auch kenne sie zwei Fälle, die nach Cannabis-Konsum unter Schizophrenie und Persönlichkeitsveränderungen leiden würden. Im Palliativbereich könne sie sich Cannabis als Medizin aber durchaus vorstellen. Dagegen hält L. Cannabis generell nicht für gefährlich: „Daran ist noch keiner gestorben“, stellt er klar. Nur Kinder sollten davon ferngehalten werden.

Der Konsum birgt viele Risiken

Aus Sicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände „sollte die Legalisierung zu Genusszwecken sorgfältig geprüft werden, da der Konsum von Cannabis mit Risiken verbunden ist.

Risiken sind unter anderem das erhöhte Unfallrisiko, eine Assoziation mit psychischen Erkrankungen, wie Angststörungen und Depression, und mögliche Entwicklung einer Sucht“.

Legalisierung?

Laut einer Forsa-Umfrage sprechen sich fast zwei Drittel der Bundesbürger (63 Prozent) gegen eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland aus. Forsa hatte zu dem Thema 1000 Menschen befragt. Mehr Akzeptanz zeigten dabei vor allem jüngere Befragte unter 30 Jahren. Hier sprachen sich nur noch 57 Prozent gegen eine Legalisierung aus.

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