Damals und heute - die Kirche in Heimertshausen

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Links oben: Innenaufnahme der Kirche von vor ungefähr 80 Jahren durch den Alsfelder Fotografen Hugo Grün. Es entstand kurz nach Renovierungsarbeiten, bei welchen die Holzdecke erst wieder entdeckt wurde. Sie war viele Jahrzehnte hinter Putz versteckt. Rechts unten:  Die Gedenktafeln der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg hängen nicht mehr. Stattdessen schmückt ein großes Holzkreuz den Altarraum. Die Holzdecke sowie die Apostelbilder an der rechten Empore sind gleich geblieben.

Auf Spurensuche: Vergangene Woche veröffentlichten wir ein Foto einer "unbekannten kleinen Kirche". Zahlreiche E-Mails erhielten wir daraufhin. Durch Ihre Hilfe stellte sich heraus: Sie steht in Heimertshausen. Ein Besuch vor Ort.

Die Kirche in Heimertshausen war früher eine katholische Kapelle. Nach der Reformation wurde sie vergrößert.

Wie sieht die Kirche heute aus? Das wollte ich wissen. Also: Kamera eingepackt und ab nach Heimertshausen. Am Kirchberg, dort, wo früher der Friedhof die Kirche umschloss, parke ich das Auto. Die Kirche gestaltet sich von außen schlicht, wenige Fenster durchbrechen die glatte weiße Steinfassade. „Und diese Kirche soll innen so schmuck verziert sein?“, frage ich mich. Ich bin skeptisch.

Zunächst aber stellt sich mir ein anderes Problem: Wie komme ich in die Kirche hinein? Die Kirchentür ist abgeschlossen. Auch das Smartphone kann mir nicht helfen – das Internet streikt. Zu meinem Glück streicht ein Bewohner nebenan – trotz der tropischen Hitze – seinen Gartenzaun. Ob er wisse, wer mir die Kirche aufschließen kann, frage ich ihn. Er bejaht und weist mir den Weg zum Wohnhaus von Reinhold Wald. Ich habe mich noch nicht vorgestellt, da weiß Reinhold Wald, dass ich von der Zeitung komme. Er habe fast darauf gewartet, sagt er, nachdem er das Foto letzte Woche gesehen hatte.

Musizierende Engel und das hessische Wappen

Gerne nimmt er sich die Zeit, um mir die Kirche zu zeigen. Er weiß viel zu berichten, war früher Küster und im Kirchenvorstand. Heute ist er Kollektenrechner in der Gemeinde. Im kühlen Kirchenschiff angekommen, führt mein Blick als erstes auf das imposante bunt bemalte Deckengewölbe. Zahlreiche musizierende Engel vor Wolken sind dort an den äußeren Rändern zu sehen. In der Mitte zeigt sich ein Sternenhimmel mit einer Strahlenglorie um den Gottesnamen „Jahveh“. Hinter der Orgel, leicht verdeckt, aber klar zu erkennen: das große hessische Wappen. Mir ist klar: Das ist die gleiche Decke, die auf dem Foto von Hugo Grün zu sehen ist.

Wo Hugo Grün vor 80 Jahren stand

Reinhold Wald führt mich auf die Empore, dort wo vor etwa 80 Jahren der Alsfelder Fotograf Hugo Grün das Kirchenschiff abgelichtet haben muss. Ich nehme die ungefähr gleiche Position ein und knipse selbst darauf los. Die Kanzel am linken Bildrand, die Decke, die Apostelbilder an der rechten Empore, die Orgel, die 1839 von einem Orgelbaumeister aus Romrod erbaut wurde, wie Reinhold Wald erklärt – daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Gedenktafeln der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg sind heute hingegen nicht mehr in der Kirche aufgehängt. „Die befinden sich jetzt auf dem Friedhof“, sagt Wald. An ihrer Stelle ziert heute ein großes Holzkreuz den Altarraum.

Alsfelder Künstler bemalte 1706 die Decke der Kirche

An der Decke fällt mir plötzlich ein ganz besonderer Engel auf. Er musiziert nicht, sondern hält ein Schild in den Händen: „Renoviert Andreas Stamm 1706“ ist darauf zu lesen. „Ein Alsfelder war das. Er hat die Decke 1706 bemalt“, erklärt Wald, der meinen Blick richtig deutete.

Maler der Holzdecke war der Alsfelder Andreas Stamm. Auch die Holzdecke der Kirche in Leusel verzierte er mit ähnlichen Motiven.

Es ist der gleiche Künstler, der die Holzdecke in der evangelischen Kirche in Leusel bemalt hat. Auch dort sind musizierende Engel, ein Sternenhimmel und die Strahlenglorie zu sehen.

Lange Zeit war sie unter Putz versteckt

Die bunt verzierte Holzdecke scheint jedoch nicht in allen Epochen beliebt gewesen zu sein. „Erst bei den Renovierungen im Jahr 1927 kam sie wieder zum Vorschein“, sagt Wald. Jahrzehntelang lag sie unter Putz versteckt.

Professor Walbe schrieb damals in einem Jahresbericht der Denkmalpflege: „Nach Abschlagen des Putzes ergaben sich auf der durch Leisten geteilten Holzschalung Malereien aus der Zeit um 1700.“ Und weiter: „So ist ein köstlicher Innenraum entstanden, bildreich, wie kaum ein anderer.“

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