Droht den Vereinen mit Kunstrasen eine Kostenexplosion?

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Sollte das EU-Verbot für Mikroplastik kommen, müssten für den Lindensportplatz in Alsfeld Alternativen für das Kunststoff-Granulat gefunden werden.

Ein drohendes Verbot der EU für Mikroplastik schwebt derzeit wie eine düstere Wolke über zahlreichen Fußballvereinen und Kommunen. Hintergrund: Mikroplastik beziehungsweise Kunststoffgranulat ist das Füllmaterial vieler Kunstrasenplätze.

Deren Betreiber zittern nun vor den Auswirkungen des möglichen Verbotes, denn die Sanierung eines Kunstrasen-Spielfeldes würde mit 200.000 bis 250.000 Euro zu Buche schlagen. Je nach Finanzierungsvariante dürfte dies sowohl Vereine als auch Kommunen vor große Probleme stellen. Doch nicht nur die finanziellen Auswirkungen könnten dramatisch sein, sondern insbesondere die Bereiche Jugendarbeit sowie der Spielbetrieb in den Klassen scheinen im ungünstigsten Fall gefährdet.

Zwei Kunstrasenplätze im Vogelsbergkreis

„Der Vogelsberg wäre nicht so stark von dem Urteil betroffen wie andere Kreise, da es hier nur zwei Kunstrasenplätze gibt“, sagt Werner Eifert, Erster Vorsitzender von „Sportkreis Vogelsberg e.V.“. Doch für die Betroffenen in Brauerschwend und in Alsfeld ist das wenig Trost. Carsten Weitzel, Vorsitzender des JFV Alsfeld, sagt: „Der Lindensportplatz gehört zwar dem Vogelsbergkreis als Schulträger. Allerdings sind wir Pächter – uns gehört der Kunstrasen.“ Gedanken habe man sich noch nicht gemacht, wie es weitergeht, wenn das Verbot von Mikroplastik beschlossen werden würde. Allerdings – das stehe fest – könne der Verein bei einem Verbot des Kunststoffgranulats den Umbau nicht alleine stemmen. Dann seien die Kommune und der Kreis ebenso gefragt. Das sagt auch Eifert: „Es gibt Alternativen – etwa das Kunststoffgranulat durch Sand oder Kork zu ersetzen. Allerdings ist dieses Material deutlich teurer in der Anschaffung und im Unterhalt als das Plastik. Das können die Vereine nicht selbst stemmen.“

Darum geht's: Mit Kunststoffgranulat werden die meisten Kunstrasen gefüllt. Sollte sich die EU für ein Verbot von Mikroplastik entscheiden, wäre es damit vorbei.

Dem Landratsamt ist das Problem ebenfalls bekannt und teilt auf Anfrage dazu mit: „Den Vereinen entstehende Aufwendungen wären über die Sportförderung des Kreises grundsätzlich förderfähig. Es wird im Kontakt mit dem Land Hessen und dem Landessportbund zu klären sein, inwieweit die betroffenen Vereine dabei wirkungsvoll unterstützt werden können.“ Es sei zu prüfen, ob das Granulat problemlos durch andere Materialien ersetzt werden könnte oder ob weitere Investitionen in die noch recht neuen Plätze erforderlich wären.

Das sagen die Verbände

Stefan Reuß, Präsident des Hessischen Fußballverbandes (HFV), sieht die Nachwuchsarbeit durch ein mögliches Verbot gefährdet: „Viele Vereine sind erst durch ihren Kunstrasenplatz in der Lage, der großen Anzahl an Nachwuchsmannschaften überhaupt Trainingsmöglichkeiten zu bieten.“ Ergo: ohne Trainingszeiten auch keine Nachwuchsförderung. Des Weiteren befürchtet der HFV-Präsident, dass der durch die Witterungsverhältnisse ohnehin schwierig aufrechtzuerhaltende Spielbetrieb durch ein EU-Verbot ebenfalls gefährdet ist. Insbesondere in Großstädten wie Frankfurt oder Offenbach etwa, die überwiegend auf Kunstrasenplätze mit Granulat setzen, käme ein Verbot dem Aus der Spielserien gleich, da besagte Kunstrasenplätze als Alternative zu den häufig in den Wintermonaten unbespielbaren Rasenplätzen gebaut wurden.

Genau das prangert auch Jens Prüller vom Landessportbund (LSB) an. Der Geschäftsbereichsleiter für Sportinfrastruktur sagt, dass es sich um „eine sehr schwierige und unsichere Situation handelt und wir erst dann Klarheit bekommen, wenn die Entscheidung in Brüssel gefallen ist“. Damit ist laut Prüller jedoch nicht vor September zu rechnen. Bis dahin schweben die dunklen Wolken weiterhin über den Vereinen und Kommunen – und könnten im schlimmsten Fall zu einem Gewitter mit dramatischen Konsequenzen werden. Bundesweit handelt es sich laut Jens Prüller um circa 4.000 betroffene Kunstrasenplätze. Das Kostenvolumen im Falle eines Verbotes würde über eine Milliarde Euro betragen.

Sowohl der HFV, LSB als auch der Deutsche Fußball Bund haben sich eingeschaltet und fordern eine Übergangsfrist bis mindestens 2022 sowie Alternativ-Lösungen der Industrie.

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