Ehrenamtlicher Einsatz für trauernde Eltern: Christina Kratz fotografiert verstorbene Babys

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Kaum ein Schmerz wiegt größer, als der nach dem Verlust des eigenen Kindes. Wenn trauernde Eltern dann nicht mal eine greifbare Erinnerung an das viel zu früh verstorbene Baby haben, wird die Last oft unerträglich und die Trauerarbeit unmöglich.

Um das zu vermeiden, gründete sich im Jahr 2013 die ehrenamtliche Initiative „Dein Sternenkind”. Sie besteht aus einfühlsamen Fotografen, die Erinnerungsbilder von den verstorbenen Babys machen und diese anschließend den Eltern schenken. Christina Kratz aus Alsfeld ist eine der Fotografen. „Ich engagiere mich gern ehrenamtlich. Außerdem fotografiere ich gern. Als ich die Initiative dann auf Facebook entdeckte, dachte ich sofort: Das wäre etwas für mich”, sagt sie im Gespräch mit ALSFELD AKTUELL.

Mit ihrer Arbeit hilft Kratz trauernden Angehörigen, ihren Verlust zu verarbeiten. Auf den ersten Blick lassen ihre Fotos nicht erkennen, dass die kleinen Herzen der abgebildeten Kinder beim Auslösen der Kamera nicht mehr schlagen. Bereits vier Familien durfte Kratz wertvolle Erinnerungen schenken. Liebevoll hat die Fotografin einen Korb für ihre Einsätze gepackt. Er enthält selbst gehäkelte Kuscheltiere wie Teddys, selbst genähte Mützchen, Jäckchen, Höschen und bestickte Umschlagtücher, die teilweise winzig klein sind.

Dank einer Alarmierungsapp erfährt Kratz via Smartphone, wo ihre Arbeit benötigt wird. Die App dient allen Fotografen, die sich der Initiative aus Amerika angeschlossen haben, als Netzwerk. Kratz und ihre Kollegen stehen in engem Kontakt, helfen sich gegenseitig und sprechen ab, wer welches Baby fotografiert. Zwischen den Ehrenamtlichen in der Region finden regelmäßige Treffen statt. Sie sollen dazu dienen, das Erlebte zu verarbeiten. „Auch wir sind von den Einsätzen meist ergriffen. Das steckt man nicht so eben weg”, gibt Kratz zu. Und dennoch: Die Fotografin macht diese Arbeit gern. „Das gibt mir das Gefühl, den Familien zu helfen.” Denn das Schicksal ereilt die betroffenen Eltern oft unerwartet.

Während der Schwangerschaft kommt es plötzlich zu Komplikationen. Nicht selten sind Schmerzen und Blutungen Indizien dafür, dass etwas nicht stimmt. Während der Untersuchung hat der Arzt dann eine schreckliche Nachricht: Das Kind ist nicht lebensfähig. Von diesem Moment an beginnt die Trauerbewältigung der Eltern. Nach der Geburt kommt Christina Kratz zum Einsatz: „Eltern erleben es oft als tröstend, wenn ihr Kind niedliche Kleidung und ein Kuscheltier bekommt. Dann mache ich die Fotos, die die Eltern gern als Erinnerung behalten.” Nicht selten werde die Alsfelderin dabei sogar als „Geschenk des Himmels” bezeichnet. Die Eltern ringen in solch einer tragischen Situation um Worte. Meist wenden sie sich Wochen oder Monate später in Briefen noch einmal an die Fotografin.

Eine Mutter schreibt beispielsweise: „Wenn wir diese Fotos als Erinnerung nicht hätten, dann würde uns noch so viel mehr fehlen, denn es ist das einzige schöne visuelle Andenken, welches wir von dem Kleinen haben.” Für ihr Engagement bekommen Kratz und ihre Kollegen kein Geld, Spenden leiten sie weiter an die Initiative „Dein Sternenkind”. Zu deren aktiven Unterstützern zählt inzwischen auch die Uniklinik in Marburg. Kratz hofft, dass auch in und um den Vogelsberg weitere Kliniken diesen ehrenamtlichen Einsatz unterstützen und Eltern die Initiative vorstellen. „Dein Sternenkind” wurde dieses Jahr mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet.

Nähere Infos finden sich auf der Homepage www.dein-sternenkind.eu.

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