Einer macht Mut: Viktor Staudt über Suizid und Depression

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Viktor Staudt bei der Lesung.

„Ich bin auch nervös“, erzählt der sympathische Niederländer Viktor Staudt im Interview mit ALSFELD AKTUELL vor der Lesung seines Buchs „Die Geschichte meines Selbstmords“.

Eingeladen zu der Lesung hatte der Hospizverein Alsfeld um den ersten Vorsitzenden Klaus Schache. Die Aufregung ist Staudt deutlich anzumerken: „Es wird nicht einfacher, meine Geschichte zu erzählen. Es ist immer wieder sehr anstrengend“, erklärt er lächelnd. Er sitzt im Rollstuhl. Beide Beine hat er oberhalb der Knie verloren, als er sich vor einen Intercity fallen ließ. Lose fällt die lange Hose auf den Boden, bis er die Hosenbeine unter seinem Sitz zusammenwickelt.

Warum tut er sich das an, immer wieder über die schlimmste Zeit seines Lebens zu berichten, über seine Depressionen, Panikattacken und dem Kampf zurück ins Leben? „Fremde Menschen schreiben mir, die selbst Depressionen haben und dankbar sind, dass ich darüber gesprochen habe. Und Angehörige, die jemanden verloren haben und verstehen möchten, warum das passiert ist.“

Gespannt lauschen die Besucher der Lebensgeschichte von Staudt, viele sind ergriffen, als er von dem Moment erzählt, als er versucht, sich das Leben zu nehmen und dem Aufwachen im Krankenhaus. „Ich hatte nach dem Selbstmordversuch nicht mehr nur ein Problem, die Depression, sondern durch die Behinderung gleich zwei Probleme“, beschreibt Staudt. Er erzählt von seiner Kindheit, von den Depressionen und Panikattacken und wie er es geschafft hat, heute seine Depressionen in den Griff bekommen zu haben. Mit feinem Humor schafft es Staudt immer wieder, die bedrückenden Schilderungen erträglich zu machen, im richtigen Moment mit seiner Lebensfreude anzustecken.

Befreit lachen die Zuhörer auf und können etwas entspannen. Nach der Lesung suchen Betroffene und Angehörige das persönliche Gespräch mit ihm. Dieser versucht zu erklären, was eine Depression auslöst, wie man helfen kann, spendet Trost und lässt dankbare Menschen zurück, die einen tiefen Einblick in sein Leben nehmen durften.

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