Dem Tod entronnen: Alsfelder Schmidt beherbergt 5400 Streuner

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Matthias Schmidt im Gespräch mit Alsfeld Aktuell.
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Mit 33 Jahren ist Mattthias Schmidt nicht nur ein sehr junger Leiter des größten Tierheims der Welt, er ist noch dazu ein sehr erfahrener.

Das neue Zuhause für Streuner und Gerettete aus den Tötungsstationen beherbergt aktuell etwa 5400 Hunde auf 4,5 Hektar und wurde im Jahr 2000 eröffnet. Seit 17 Jahren arbeitet er für dieses Tierheim und leitet es seit knapp fünf Jahren, dessen Träger der Verein „Tierhilfe Hoffnung“ ist. Der Alsfelder setzt sich seit seinem 16. Lebensjahr für Tierschutz ein.

„Meine Nachbarin Ute Langenkamp hatte damals zwölf Hunde, die ich als kleiner Junge mit ihr zusammen ausführte. So entstand eine enge Freundschaft“, erzählt Schmidt. Als sie in einem Italienurlaub auf das Schicksal der Rennbahnhunde aufmerksam wurde, gründete sie vor Ort zwei Tierheime, um die Vierbeiner zu schützen. Der damals 16-jährige Schmidt half kräftig mit und übernahm mit 18 schon alleine die Hundetransporte, entwickelte sich schon bald als rechte Hand Langenkamps. Etwa 300 Hunde holte diese nach Deutschland. Zwei rumänische Tierpfleger kümmerten sich um die Heime. Bei der Auflösung sagten sie: „Jetzt müssen wir ins Elend zurück nach Rumänien.“ Dies blieb bei Langenkamp nicht ungehört, und so wurde das Tierheim Smeura in Pitesti/Rumänien gegründet.

Die Zustände seien dort chaotisch gewesen, so Schmidt. Vor Ort wurden riesige Massengräber ausgehoben. Halb mit Wasser gefüllt, wurden sie zum Verhängis für zahlreiche Streuner. Nach dem Abpumpen des Wassers und einer dünnen Schicht Erde wiederholte sich das Ertränken – ein grausames Spektakel. Die Anfänge in Rumänien waren steinig. Nach 27 Stunden Ausharren am Zoll war beim ersten Transport von den 800 Kilogramm Futter nur noch 300 Kilogramm übrig, denn die Zöllner bedienten sich fürstlich. Von den Medikamenten für kranke Tiere war nicht eine einzige Spritze übrig geblieben. Ein Höchstmaß an Korruption und Schikane zeiche dieses Land aus, so Schmidt.

Nach der Grenzöffnung in 2007 haben sich die Probleme bei der Ein- und Ausreise glücklicherweise erledigt. Unter unklaren Zuständen peitschte die Regierung 2013 innerhalb von 48 Stunden ein Tötungsgesetz für streunende Hunde durch – eine Möglichkeit, um Finanzgeschäfte auf Kosten der Hunde zu legalisieren. Denn mit einer Fang-, Einschläferungs- und Versorgungpauschale für 14 Tage bis zur Tötung des Hundes sind pro Tier 72 Euro zu verdienen – ein kleines Vermögen bei den geringen Verdiensten in Rumänien.

Die Tierheimmitarbeiter haben vergleichsweise ein sehr gutes Einkommen mit 375 Euro netto – angepasst dem Lohn eines Bandarbeiters aus dem nahegelegenen Dacia-Werk. Vor drei Jahren ließ der Staat eine Tötungsstation 200 Meter weit vom Tierheim errichten. Nahezu alle Tiere aus dieser Station übernimmt Schmidt und rettet sie vor dem qualvollen Tod. Üblich sei ein Erschlagen mit Stangen oder das Spritzen von Frostschutzmittel in die Vene. Die Tiere verbrennen dabei innerlich in einem mehrstündigen Todeskampf.

Um das Elend der Hunde vor Ort einzudämmen, darf jeder Dorfbewohner kostenlos sein Haustier zur Kastration vorbeibringen. Bei einer Tasse Kaffee kann er dann warten, bis sein Tier wieder aufgewacht ist. Doch ein Umdenken in der Dorfbevölkerung zu erwirken, sei sehr schwierig, so Schmidt. Die religiös-orthodoxe Grundeinstellung verbiete Empfängnisverhütung. Schulprojekte vor Ort zum Thema Tierschutz, die der Träger des Tierheims „Tierhilfe Hoffnung“ startete und finanziell unterstützt, sollen kommende Generationen zu einem Umdenken bewegen und für Tierrechte sensibilisieren.

Warum Tiere aus anderen Ländern? 

Für Schmidt ist die Antwort ganz deutlich: Tierschutz endet nicht an der Landesgrenze und deutsche Tierheime leben von der Vermittlung von Tieren. Da sitzen deutsche Abgabehunde wie der alte Dackel, dessen Herrchen gestorben ist, oder der verhaltensauffällige Rassehund, den Frauchen nicht mehr bändigen kann. Wenn nun, wie üblich, Familien in das Tierheim kommen, suchen diese gut sozialisierte Hunde, die vermittelbar sind. Durch diese Tiere werden dann die Langzeitinsassen mitfinanziert. Kann ein Tierheim keine Hunde anbieten, kommen eben auch keine Besucher.

Spenden möglich

2700 Kilogramm Futter am Tag, gut bezahlte Löhne, saubere und sichere Unterkünfte für die Tiere: All dies kostet eine Menge Geld. Allein für Futter hat der Verein „Tierhilfe Hoffnung“ tägliche Kosten von 1250 Euro täglich. Kontakt zum Verein Tierhilfe Hoffnung ist möglich unter Telefon 07157-61341 oder per E-Mail kontakt@tierhilfe-hoffnung.de in Dettenhausen. Weitere Infomationen und Spendenmöglichkeiten finden sich auf der Homepage www.tierhilfe-hoffnung.com

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