Für den Erhalt der Artenvielfalt: Initiative "Bienenfreundliches Hessen" setzt sich gegen Insektensterben ein

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Imker Wolfgang Hartmann, Katja und Peter Habermehl vom Blumenhaus Schermer sowie Thomas Södler vom Gartenbauverband (von links) möchten gemeinsam auf die Initiative „Bienenfreundliches Hessen” aufmerksam machen.

„Gegen das Insektensterben kann jeder etwas unternehmen”, findet Thomas Södler vom Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen.

Im Rahmen eines Pressegesprächs besuchte der Projektleiter der 2017 ins Leben gerufenen Initiative „Bienenfreundliches Hessen” vergangene Woche das Blumenhaus Schermer in Groß-Felda. „Nicht nur die Anzahl der Bienen, sondern die gesamte Insektenvielfalt ist stark rückläufig. Mit der landesweiten Initiative zu bienenfreundlichen Hausgärten und Pflanzen wollen wir auf diese Entwicklung aufmerksam machen. Weiter: Es muss gehandelt werden”, erklärt Södler. Die Ursachen für das Insektensterben seien divers – man könne weder der Landwirtschaft noch der Industrie noch den Kommunen die alleinige Schuld geben. „Wir setzen an der Basis an, jeder kann etwas gegen das Insektensterben tun – beispielsweise beim Einkauf auf bienenfreundliche Pflanzen achten”, so Södler. Daher sei es wichtig, dass Betriebe wie das Blumenhaus Schermer ihre Kunden informieren, entsprechende Pflanzen kennzeichnen und bienenfreundliche Samenmischungen anbieten, mit denen jeder etwas Gutes für die Bienen unternehmen kann – „für ganz kleines Geld”, so Södler. Ein Dorn im Auge sei ihm der Trend, Vorgärten zu schottern oder zu pflastern, statt sie mit Pflanzen zu schmücken. Die Neubaugebiete kämen oftmals Betonwüsten gleich, in denen Insekten keinerlei Nahrung finden könnten.

Imker Wolfgang Hartmann gibt den Bienen „Rauchzeichen“, um ihnen zu signalisieren, dass es brennt. „Die Bienen fressen sich dann nochmal so richtig voll, weil sie denken, sie müssten ausfliegen. Dadurch sind sie träge und weniger aggressiv.”

Imker Wolfgang Hartmann vom Imkerverein Ulrichstein sieht das ähnlich: „Zwar können wir Imker unsere Bienenvölker meist durch den Sommer bringen, notfalls mit Umsiedelung. Aber Wildbienen und andere Insekten wie Nachtfalter, Hummeln und Schmetterlingsarten finden immer weniger Nahrung. Sie sterben aus”, bedauert der pensionierte Lehrer, der seit vielen Jahren Honig im Feldatal produziert.

Nicht nur, dass weniger gepflanzt werde, sondern auch, dass immer häufiger Blumen gekauft würden, die keinerlei Nutzen für die Bienen haben, sei ein Grund für das Insektensterben: „Ganz hoch im Kurs liegen derzeit Sonnenblumen ohne Pollen”, erklärt Södler. Dabei möchte er den Endverbraucher gar keine Vorwürfe machen, schließlich seien die Pflanzen für sie kaum von bienenfreundlichen Sonnenblumen zu unterscheiden. Daher sei Aufklärung und Sensibilisierung für das Thema enorm wichtig. „Bei einem Preis von 1,99 Euro für zehn Schnittblumen an der Supermarktkasse sollten zum Beispiel erste Zweifel aufkommen”, so Södler.

Katja Habermehl vom Blumenhaus Schermer zieht in ihren eigenen Gewächshäusern Verbenen, Geranien, Petunien und weitere Blumen.

Der Vorteil solch gezüchteter Pflanzen entsteht nicht beim Verbraucher, sondern bei der Logistik: Sie haben eine lange Haltbarkeit und können weite Transportwege überstehen. Der Nachteil: Sie bieten den Insekten keinerlei Nahrung und werden auf Kosten der Umwelt aus fernen Ländern importiert.

Weitere Infos gibt es unter www.bienen.hessen.de

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