Erschreckend: Jeder dritte Lkw-Fahrer hat Alkohol intus

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23 der 64 kontrollierten Lkw-Fahrer waren alkoholisiert. Auch, wenn die Lkw geparkt waren, überraschte das Ergebnis die Polizei.

Das Ergebnis der Verkehrskontrolle an geparkten Lkw am vergangenen Sonntag war selbst für die Polizei erschreckend. Bei hessenweiten Kontrollen des gewerblichen Güterverkehrs stand der Alkoholkonsum der Fahrer im Fokus.

In der Region wurden fünf Kontrollstellen eingerichtet, unter anderem an der Alsfelder Pfefferhöhe, der Tank- und Rastanlage Berfa und dem Rastplatz Kirchheim.

Mehr als jeder dritte Fahrer hat getrunken

Insgesamt 64 Lkw-Fahrer kontrollierten Beamtinnen und Beamte des Polizeipräsidiums Osthessen, die durch Einsatzkräfte der Hessischen Bereitschaftspolizei unterstützt wurden, auf den Autobahnen 5 und 7, um präventive Kontrollen durchzuführen. 23 der 64 Kontrollierten, also mehr als jeder Dritte, war alkoholisiert, sodass die Weiterfahrt mittels Wegfahrsperren unterbunden werden musste. Hessenweit wiesen sieben der Lkw-Fahrer sogar bis zu 2,28 Promille auf. Diese Ergebnisse ließ selbst erfahrene Polizistinnen und Polizisten staunen. Eine Auswertung werde noch durchgeführt, um weitere Maßnahmen einzuleiten, so ein Pressesprecher der Polizei auf Anfrage von Alsfeld Aktuell. Da vermehrt gewerbliche Fahrzeuge aus osteuropäischen Ländern auf deutschen Autobahnen unterwegs seien, wären auch diese vermehrt kontrolliert worden und positiv getestet worden, so der Pressesprecher. Aber auch deutsche Fahrer hätten unter Alkoholeinfluss gestanden. Bei einer Befragung unter den Lkw-Fahrern an der Pfefferhöhe und der Raststätte Berfa erklärten diese ihre Sicht.

Wochenlang unterwegs auf wenigen Quadratmetern

Dirk Hoppe aus Wörlitz ist mit einem eigenen Lkw unterwegs. Ihm sei das Problem mit dem Alkohol bekannt, berichtet er. Manche osteuropäischen Fahrer hätten zwei leere Wodkaflaschen im Fußraum liegen.

„Die haben eine andere Mentalität. Da gehört Trinken einfach dazu“, so Hoppe. Normalerweise seien diese acht Wochen am Stück unterwegs, ohne ihre Familien zu sehen. Bis dahin lebten sie auf wenigen Quadratmetern im Lkw, das sei frustrierend. Er selbst sei am Wochenende immer zu Hause. Unter einheimischen Fahrern kennt er das Problem mit dem Trinken nicht. Der Druck in der Branche sei jedoch enorm hoch, da müsse man schon viel aushalten können, so Hoppe.

Kriminalität macht Fahrern zu schaffen

Albin Jokiel aus Hilders erzählt vom harten Geschäft als Berufskraftfahrer. Von seinem Fahrersitz aus zeigt er auf die Planen der Lkw in seinem Blickfeld. Von den sechs dort abgestellten Fahrzeugen zeigen drei Spuren von Planenschlitzern: zwei kleine kreisförmige Flicken und ein großer vertikaler an einem anderen. Durch die organisierte Kriminalität hätten sich viele seiner Kollegen mit Baseballschlägern und Stöcken bewaffnet, um sich vor den Kriminellen in der Nacht zu schützen. Das Schlafen sei durch die Gefahr gestört, da man mit einem Ohr auf die Geräusche in der Nacht hören würde. Das bestätigen auch Daniel Antrack und Karl-Heinz Stark aus Meissen. Erholung im engen Lkw zu finden, sei an sich nicht so leicht und auf großen Parkplätzen erst recht schwer zu finden. Auch sie beobachten, dass vor allem die osteuropäischen Kollegen gerne trinken: „Die benutzen ihre Flaschen dann gleich als Waffe gegen Angreifer“, erzählen sie mit einem Schmunzeln.

Verkehrsstatistik:

Nach einer Statistik des Deutschen Verkehrssicherheitsrats war Alkoholeinfluss in 2017 bei 4,4 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden eine der Unfallursachen. 56,7 Prozent der alkoholisierten Unfallbeteiligten waren Pkw-Fahrer, 2,8 Prozent fuhren einen Lkw. Ob sich tatsächlich mehr Auto- als Lkw-Fahrer mit Alkohol im Blut ans Steuer setzen, dazu gibt es keine Erhebungen.

Zwischenruf von Daniela Eichelberger: Lkw-Fahrer haben es schwer

Kontrollen auf Vogelsberger Rastplätzen haben gezeigt: Mehr als jeder dritte Lkw-Fahrer hat Alkohol intus. Bei einem Rundgang über die Rastplätze Berfa und Pfefferhöhe fällt auf, dass etwa 80 Prozent der dort abgestellten Brummis aus osteuropäischen Ländern stammt, so der kurze subjektive Eindruck. Ähnliche Zahlen konnte auch der Pressesprecher der Polizei bestätigen.

Also wurden auch gerade diese Fahrer am letzten Sonntag überprüft – eben weil sie überproportional vertreten sind. Wie die Arbeitsumstände dieser Fahrer sind, ist schon lange Zeit bekannt. Sie sind wochenlang von ihren Familien getrennt, eingezwängt auf kleiner Fläche im Lkw. Wenig Abwechslung. Wenige Kontakte. Viel Langeweile. Dazu die Gefahr durch Kriminelle, die sich in der Nacht an der Ladung zu schaffen machen könnten. Dass das frustrierend ist und dann so mancher sich mit einem Schluck aus der Flasche tröstet, ist nur verständlich.

Eine Besserung der Situation verschaffen vielleicht erst mal häufigere Kontrollen. Wichtig wäre es jedoch, die Lebensumstände dieser Fahrer zu verbessern. Ein Anfang wären sichere und zahlreiche Parkplätze, wo sich die Fahrer tatsächlich ausruhen können und wo sie ein Bett und eine Dusche finden.

Abends kann jeder beobachten, wie überfüllt die Lkw-Parkplätze sind, sodass manche Fahrer ihre Fahrzeuge in die Aus- oder Abfahrten stellen. Wie sie auf diesen gefährlichen Plätzen zur Ruhe finden können, ist rätselhaft. Vielleicht kann die Politik noch an der ein oder anderen Stellschraube drehen. Das würde die Autobahnen sicherer machen.

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