Erste Räumungen im Dannenröder Wald

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Seit Dienstag laufen die Räumungsarbeiten im Zuge des A49 Ausbaus im Dannenröder Wald . Vereinzelt kommt es zu Zwischenfällen.

Homberg/Ohm. Seit über einem Jahr harren dort Aktivisten und Demonstranten aus, um den Weiterbau der A49 und die damit verbundenen Rodungsarbeiten zu stoppen. Sie protestieren gegen den Autobahnausbau – für sie ein Sinnbild einer veralteten Verkehrspolitik – und fordern stattdessen eine radikale Verkehrswende. Etwa elf Camps, zahlreiche Barrikaden, Behausungen, Baumhäuser und Tripods sind im vergangenen Jahr im Dannenröder Wald entstanden. Am Dienstag ist der „Tag X“ gekommen. Es ist der Tag, an dem die Räumungs- und Rodungsarbeiten im „Danni“ beginnen.

Seitdem sind viele hundert Polizistinnen und Polizisten im Einsatz und haben mit den ersten Arbeiten begonnen. Die Polizei hat ein Logistikbereich auf der geplanten Autobahntrasse außerhalb des Waldes eingerichtet, um dort Baumaschinen sicher abstellen zu können, konnte mehrere Gittertransporte durchführen und bereits die Beleuchtung anbringen. Doch auch erste Räumungsarbeiten standen bereits an: „In den ersten Tagen sind wir damit beschäftigt, Barrikaden auf den Zufahrtswegen in den Wald zu räumen und Gefahrenstellen zu identifizieren. Auch werden wir die Personen, die sich in diesem Bereichen auf Bäumen, Plattformen oder Tripods befinden, herunterholen“, sagte Pressesprecher Jochen Wegmann vor Ort am Mittwochvormittag. Mit den ersten Tagen sei man aus Sicht der Polizei zufrieden. Größtenteils laufe es sehr friedlich ab.

Aber eben nicht immer. Als die Polizei am Mittwoch Vorbereitungen für die Beseitigung eines Tripods traf, näherten sich rund 20 lautstarke Aktivisten der Polizeiabsperrung. Drei von ihnen versuchten schließlich diese zu durchbrechen. Polizisten setzten ihren Schlagstock ein, um sie daran zu hindern. Die drei Personen wurden festgenommen. Bereits am Dienstag kam es am Niederkleiner Weg zum Einsatz des Schlagstocks, als acht Aktivisten versuchten, auf eine Baumaschine zu klettern. Die Personengruppe hatte nach Polizeiangaben mehrfach versucht, das Arbeitsgerät vehement zu besteigen, sodass ein Schlagstockeinsatz notwendig gewesen sei. Eine Person verletzte sich dabei nach derzeitigem Kenntnisstand am Kopf.

„Wir werden diesen Wald verteidigen, das haben wir vor über einem Jahr gesagt und getan. Der heute begonnene Angriff auf den Dannenröder Wald zeigt uns einmal mehr, dass die Politik in der Klimafrage fundamental versagt. Deshalb sehen wir uns gezwungen, auch diesen Wald mit unseren Körpern vor der unglaublichen Zerstörungswut und der veralteten A49 zu schützen“, wird Nia aus der Waldbesetzung im Blog „Waldstattasphalt“ zitiert.

Dass Aktivisten dazu bereit sind, zeigt sich im Wald. Stundenlang harren sie teilweise auf Plattformen in luftigen Höhen aus, sitzen in ihrem Schlafsack auf Isomatten auf Tripods oder seilen sich mit Hängematten von Bäumen ab. Für die Polizei, die mit einem Hubwagen jeden einzelnen von ihnen aufwendig herunterholen muss, eine zeit- und personalaufwändige Arbeit. Zumal über Nacht bereits geräumte Wege zum Teil wieder verbarrikadiert werden. Dennoch zeigt sich die Polizei vor Ort kommunikativ.
„Wie lange sitzen Sie denn schon dort oben? Geht es Ihnen gut? Haben Sie Wasser?“, fragt ein Polizist eine Aktivistin, die seit den frühen Morgenstunden auf einem Tripod sitzt. Bevor die junge Frau von einer speziellen Klettereinheit der Polizei zu Boden geholt wird, wird sie über Lautsprecher informiert: „Durch Ihr Verhalten verstoßen Sie gegen die Allgemeinverfügung des Vogelsbergkreises sowie gegen den Paragrafen 16 des hessischen Waldgesetzes.“ Und weiter: „Wir weisen Sie außerdem daraufhin, dass Sie einen Platzverweis für den gesamten Bereich des Dannenröder Forstes erhalten. Desweiteren befindet sich in Prüfung, inwieweit Sie an den Kosten für diese Maßnahme beteiligt werden und diese übernehmen müssen.“
Die Frau ließ sich in Folge widerstandlos festnehmen. Im Gegensatz zu einer anderen A49-Ausbaugegnerin, die versuchte, sich aus dem Korb eines Hubsteigers in das aufgestellte Sprungkissen zu stürzen. Auch wurden vereinzelt Steine geworfen und Pyrotechnik in Richtung der Einsatzkräfte gezündet. Dabei gab es keine Verletzten.

Bislang sind das Einzelfälle. Viele Aktivisten und Demonstranten bleiben friedlich. Die Polizei tritt kommunikativ und geduldig auf. Fakt ist aber auch: Man steht noch ganz am Anfang.

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