Falsche Testergebnisse: Kassenärztliche Vereinigung weist Kritik von sich

Nachdem sich im Vogelsbergkreis 14 zunächst positive Corona-Testergebnisse im Nachhinein als falsch herausstellten, kommen die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) und der Kreis auf keinen grünen Zweig. Die KVH wirft dem Kreis unter anderen Fahrlässigkeit und Verantwortungslosigkeit vor.

Vogelsbergkreis - Anfang dieser Woche forderten Landrat Manfred Görig und Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) auf, das Untersuchungslabor zu wechseln. Der Grund waren 14 zuvor positive Testergebnisse, die sich im Nachhinein als falsch herausstellten.

Ein landesweit einheitliches Vorgehen bei der Testung auf das neuartige Corona-Virus SARS-CoV-2 hatten Landrat Manfred Görig und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak bereits in der vergangenen Woche gefordert, denn bis dahin waren zehn solcher unvollständigen Ergebnisse, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen hatten, beim Vogelsberger Gesundheitsamt eingegangen.

Mittlerweile sind es 14. Die Betroffenen hatten im Testcenter der Kassenärztlichen Vereinigung in Alsfeld einen Abstrich nehmen lassen, das von der KV beauftragte Labor meldete jeweils ein positives Ergebnis. Der vom Vogelsberger Gesundheitsamt angeordnete zweite Test über das Eichhof-Krankenhaus Lauterbach wies hingegen negative Ergebnisse auf. „Das Problem liegt nach wie vor in dem analytischen Vorgehen eines Mainzer Labors, welches nicht spezifisch auf mindestens zwei Covid-19-Gene zu analysieren scheint“, erklärt Gesundheitsdezernent Dr. Mischak am Dienstag in einem Schreiben an die Kassenärztliche Vereinigung. Anders seien die in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang und in mehreren Fällen aufgetretenen Widersprüche nicht zu erklären. „Positive Test-Ergebnisse ziehen ganz erhebliche Konsequenzen in beruflicher, betreuungs-technischer und nicht zuletzt auch finanzieller Hinsicht für die Betroffenen nach sich“, gibt Mischak zu bedenken. „Wir haben uns daher dazu entschlossen, positive Test-Ergebnisse, die über das Labor in Mainz unser Gesundheitsamt erreichen, nicht mehr als ausreichend zu akzeptieren. Es kann schließlich kein Dauerzustand sein, dass sich Betroffene doppelt testen lassen müssen.“

"Ein erschreckendes Maß an Fahrlässigkeit"

Die Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, wiesen die Kritik des Landrates am Mittwoch dieser Woche entschieden zurück. Für die geäußerten Vorwürfe an einem von der KVH eingesetzten Labor zur Auswertung von Coronatests bestehe kein Anlass. „Im Gegenteil: Die öffentliche Kritik offenbart ein erschreckendes Maß an Fahrlässigkeit an der Kreisspitze“, so die Vorstandsvorsitzenden weiter. „Kritisch sehen wir die Äußerungen der Kreisspitze aber auch vor allem deshalb, weil sie ein hohes Maß an medizinischer Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit offenbaren. Denn dass ein Test auf das Coronavirus einige Tage später anders ausfällt, ist keineswegs ungewöhnlich. Schließlich handelt es sich bei einer Virusinfektion um einen biologischen Prozess, der sich stetig verändert. Auch fallen nicht alle Tests zu 100 Prozent positiv oder negativ aus, sondern beispielsweise nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent“, lässt die KVH verlautbaren.

"Uns geht es nicht darum, Krawall zu machen"

Landrat Manfred Görig und Gesundheitsdezernent des Vogelsbergkreises Jens Mischak möchten diese Aussagen so nicht stehen lassen. „Die Kassenärztliche Vereinigung weiß seit Wochen, dass es bei Corona-Testungen in einigen Laboren – unter anderem in der Einrichtung in Mainz – zu nicht nachvollziehbaren Testergebnissen gekommen ist. Auf unsere Hinweise aber hat sie bislang nicht reagiert“, erklärt Görig. In einem dem Vogelsbergkreis vorliegenden Schriftverkehr vom 20. Mai zwischen einem Fachreferenten und dem stellvertretenden Vorsitzenden der KV, Dr. Eckhard Stracke, erkläre der Referent zudem, dass es Hinweise gebe, dass das Mainzer Labor „je nach Verfügbarkeit nur das E-Gen nachweist, was tatsächlich nicht ausreichend wäre“. „Vor diesem Hintergrund ist die schroffe, barsche und heftige Reaktion der KV auf ein von uns angesprochenes sachliches Problem überhaupt nicht nachvollziehbar“, betont Mischak. „Dort scheinen die Nerven blank zu liegen.“ Landrat Görig vermisst erneut eine schlüssige Erklärung, warum Abstriche weiterhin in Laboren untersucht werden, die nicht nachvollziehbare, verifizierbare Untersuchungsergebnisse liefern. „Wir können daher das KV-Testcenter in Alsfeld nicht mehr empfehlen, denn wir brauchen eindeutige Testergebnisse.“ „Der Vogelsbergkreis hat sehr verantwortlich gehandelt“, so Görig. „Wir haben die Patienten mit nicht nachvollziehbaren positiven Ergebnissen zur zweiten Testung geschickt – und zwar in einem Großteil der Fälle innerhalb von 24 Stunden, Ausnahmen gab es lediglich an den Wochenenden. Bei den Folgen unvollständiger Tests für die Betroffenen und die nachfolgenden Auswirkungen auf die ganze Region durch einen möglichen Lockdown haben wir erwartet, dass sich die KV des Problems annimmt und nicht versucht, uns in Misskredit zu bringen“, sagt der Landrat. Er kündigt an: „Wir halten an unserer Forderung fest und entscheiden uns nach der Pressemitteilung der KV für einen anderen Weg der Testung unserer Bevölkerung.“ „Uns geht es nicht darum, Krawall zu machen, wir brauchen saubere Ergebnisse, deshalb haben wir die Problematik öffentlich gemacht“, sagt Gesundheitsdezernent Dr. Mischak.

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