Gegen Doppelmoral: Ärztinnen für soziales Engagement ausgezeichnet

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Preisverleihung des „Marburger Leuchtfeuers“ an die Ärztinnen Ruby Hartbrich und Kristina Hänel mit Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

Einen Preis für soziale Bürgerrechte hat die Initiative „Marburger Leuchtfeuer“ an Frauenärztin Kristina Hänel und „Sea Watch“-Ärztin Ruby Hartbrich in Historischen Saal des Marburger Rathauses verliehen.

Hänel setzt sich für ein Recht auf Information zum Thema Abtreibung auf ihrer Homepage ein und musste deshalb mehrfach vor Gericht (Alsfeld Aktuell berichtete).

Alsfeld Aktuell: Was bedeutet die Preisverleihung für Sie? 

Kristina Hänel: Mir tut es gut, neben den großen Anfeindungen Unterstützung und auch Ehrungen bekomme für die Sache, für die ich mich einsetze. Das wichtigste an diesen Ehrungen für Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche machen, ist, dass die Gesellschaft damit den Frauen ein Stück Ehre zurückgibt, die man ihnen bei diesem Thema nimmt. Das Schlimme ist ja, dass den Frauen bei der Diskussion um Abbrüche Würde genommen wird. Und dass ihr Leben, ihre Gesundheit plötzlich keine Rolle mehr spielt. Niemals kann man eine Schwangerschaft gegen den Willen der Frau schützen.

Hatte man die Diskussion nicht in den 70er Jahren hinreichend gehabt? 

Das haben eben viele geglaubt. Aber mit den Jahren wurde es immer schwieriger. Die Informationen auf meiner Homepage zu Schwangerschaftsabbrüchen habe ich schon seit 20 Jahren stehen. Jetzt plötzlich musste ich vor Gericht und bin auch verurteilt worden. Das heißt, die gesamte gesellschaftliche Situation hat sich verändert. Und damit auch die Bedingungen für die Frauen. Die finden immer weniger Ärzte und immer weniger Kliniken und auch nicht die Information, die sie brauchen. Sie werden diffamiert, angefeindet und müssen diese schrecklichen Seiten von Abtreibungsgegnern anschauen.

Wie kam es dazu, dass Sie sich auf diese Weise für die Rechte der Frauen einsetzen? 

Ich habe mir das ja nicht ausgesucht. Ich hatte keine Chance mehr. Ich war geladen vor Gericht und dachte, das Verfahren wird eingestellt wie immer. Und wir haben nun mal diese Gesetzeslage, die nie verändert worden ist.

Was wünschen Sie sich von der Politik und der Justiz? 

Die Frauen sollten ihr Recht auf Informationen bekommen. Damit hat der Schutz des ungeborenen Lebens nicht das Geringste zu tun. Mein Weg geht weiter bis zum Bundesverfassungsgericht. Das letzte Urteil wurde nicht aufgehoben im dem Sinne, dass ich freigesprochen worden wäre (Alsfeld Aktuell berichtete), sondern der Fall wurde zurückgewiesen an das Landgericht Gießen, weil das Gericht den Text nicht vorliegen hatte. Das Landgericht wird mich verurteilen müssen und ich mache einfach nur eine weitere Schleife. Mein Ziel ist das Bundesverfassungsgericht.

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