Bürgermeister Paule ist einer Wiederwahl nicht abgeneigt

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Bürgermeister Paule an seinem Schreibtisch

"Alsfeld aktuell" sprach mit dem Verwaltungschef / Stolz auf "seine" Stadt

Alsfeld - Dass der Alsfelder Bürgermeister Stephan Paule ein „Macher“ ist, der die Erfolge seiner Amtszeit wohl zu verkaufen weiß, wird im Gespräch sehr deutlich: Der 39-Jährige ist bestens vorbereitet und diktiert seine Antworten dem Interviewer nahezu druckreif in den Block. Paule ist aber nicht nur ein Verwaltungschef par excellence, sondern auch ein Mensch, der zu begeistern versteht und seinem Besuch voll Stolz das Innenleben des historischen Rathauses zeigt. Und der sich nach knapp vier Jahren noch so wohl fühlt in seinem Amt, dass er sich in 2019 – Stand August 2017 – gerne noch einmal zur Wiederwahl stellen möchte.

Die Antwort auf die Frage, mit welchen Argumenten man einen Auswärtigen davon überzeugen könnte, nach Alsfeld zu ziehen, kommt jedenfalls sehr schnell: „Weil es sich lohnt, hier zu leben. Die Basis ist da, mit einer wunderschönen Natur und einer Infrastruktur, die kaum Wünsche offen lässt.“ Und auch bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien Anzeichen eines Aufschwungs unverkennbar, was sich unter anderem an einem Haushaltsüberschuss von 0,5 Millionen Euro im Vergleich zu einem Minus von 2,5 Millionen Euro zu Zeiten des so genannten und berühmt gewordenen „Alsfeld Urteils“ ausdrücke.

Paule leitet die Verwaltung seit Mitte September 2013, und da Alsfeld nur einen kilometermäßigen Katzensprung von Lauterbach entfernt ist, muss man einfach die Frage stellen, ob es die Alsfelder Bürger denn noch nervt, nicht Kreisstadt des Vogelsberges geworden zu sein. „Die Jüngeren interessiert das gar nicht mehr“, formuliert der 39-Jährige. Bei der älteren Generation könnte das etwas anders sein und ein Grummeln mitunter hörbar. Gemeinsam aber sei man bestrebt, die Vogelsberg-Region nach vorne zu bringen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen im Kreishaus gestalte sich sehr gut und vertrauensvoll, sowohl mit SPD-Landrat Manfred Görig als auch mit Paules CDU-Parteifreund Dr. Jens Mischak, dem Ersten Kreisbeigeordneten. Vieles könne per direktem Draht beziehungsweise auf kurzem Dienstweg gelöst werden. „Zudem kooperieren wir auf den verschiedensten Gebieten, angefangen von der Feuerwehr über die Gefahrenabwehr bis hin zur Bauaufsicht und zur Unteren Denkmalschutzbehörde“.

 Seit seinem ersten Tag als Verwaltungschef und als Hausherr des historischen Alsfelder Rathauses habe es „jede Menge Veränderungen“ gegeben. Am markantesten sicherlich jene auf wirtschaftlichem Gebiet, wozu auch die Einrichtung einer entsprechenden Stabsstelle beigetragen habe. „Dies hat zu einer ganzen Menge an Impulsen geführt“, erläutert Paule: So unterstütze man beispielsweise durch Unternehmertag und Gründernacht heimische Firmen bei Wachstum und Expansion, der Wirtschaftsstandort Alsfeld werde aktiv in Deutschland und Europa vermarktet.

Stellvertretend nennt Paule die Entwicklung im „Gewerbegebiet Dirsröder Feld“ mit AGIP-Tankstelle, KFZ-Meisterbetrieb und THW-Standort, den Verkauf und die Belebung aller Grundstücke auf dem ehemaligen BGS-Gelände, die Entwicklung des Areals „Raab’sche Villa“ durch ein heimisches Unternehmerehepaar zu einem Hotelkomplex und schließlich das Projekt „Casino Karree“, das kürzlich feierlich kürzlich worden war. Damit sei ein echter „Schandfleck“ endlich beseitig und nun wieder eine Achse von Marktplatz bis hin zur Obergasse, Alicenstraße und Mainzer Gasse geschaffen worden. Ein Start stehe schließlich auch bei der Firma „Bell Equipment“ im „Industriegebiet Oberste Elpersweide“ an, die in der letzten Augustwoche ihre Tore öffnen werde.

„Das alles ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange“, urteilt Paule und verweist darauf, dass für ansiedlungswillige Unternehmen noch mehr Fläche nötig sei. So stünden 44 Hektar an der B 62 bereit. Sein Fazit: „Wir sind auf einem guten Weg, der Wendepunkt ist erreicht“. Parallel dazu sei es wichtig, das Erscheinungsbild der historischen Altstadt und der vielen privaten Fachwerkhäuser zu pflegen.

Im Programm „Fachwerkstatt Alsfeld“ stehen jährlich 50.000 Euro von der Stadt zur Verfügung, Einzelmaßnahmen können mit maximal jeweils 30.000 Euro gefördert werden, deren Auszahlung gegebenenfalls über mehrere Haushaltsjahre gestreckt wird. Es gelte, Leerstand zu verhindern. Apropos Geld: Paule erinnert an die gute Nachricht, die die Stadt vor Kurzem erreicht hat, wonach das Land Alsfeld voraussichtlich um bis zu zehn Millionen Euro entschulden wird.

Hintergrund ist das so genannte Programm „Hessenkasse“. Dadurch werden zum Stichtag 1. Juli 2018 alle kommunalen Kassenkredite von der landeseigenen „WI-Bank“ übernommen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Kommunen keine weiteren langfristigen Schulden in Kassenkrediten aufbauen und ein Betrag von 25 Euro pro Einwohner jährlich getilgt wird. Alsfeld hatte am 31. Dezember 2016 genau zehn Millionen Euro an Kassenkrediten aufgenommen. Würde das Land diese Maximalsumme übernehmen, müsste die Stadt Alsfeld mit rund 16.000 Einwohnern jährlich 400.000 Euro für die Tilgung aufbringen. Zusammen mit den 400.000 Euro, die das Land Hessen beisteuern will, wäre der gesamte Kassenkreditbetrag zwölfeinhalb Jahre nach dem Stichtag, also am 31. Dezember 2030, endgültig getilgt.

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