Gießener Hilfsorganisation bittet um Hilfe für Flüchtlinge auf Lesbos – Sammelstelle auch in Altenburg

+
Ulrike und Wilfried Clemens aus Altenburg engagieren sich seit zwei Jahren für die Gießener Hilfsorganisation GAiN. Hilfsgüter können bei den beiden in Altenburg abgegeben werden.

Die in Gießen ansässige Hilfsorganisation „Global Aid Network gGmbH“ (GAIN) bittet um Spenden zur humanitären Unterstützung von Flüchtlingen im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

Alsfeld/Gießen. Dabei wird sie unter anderem von der Stadt Gießen und dem evangelischen Stadtkirchen-Pfarrer Klaus Weißgerber unterstützt. Auch das Dekanat Vogelsberg befürwortet die Hilfsaktion, in Alsfeld-Altenburg gibt es zudem eine Sammelstelle für die Organisation GAiN.

Das Flüchtlingscamp Moria, das ursprünglich als Kurzzeitunterkunft für 3.000 Personen geplant war, ist überfüllt. Aktuell leben dort mehr als 20.000 Menschen. Es mangelt an Schlafplätzen, Decken, Kleidung und sanitären Anlagen. „Menschen schlafen in hauchdünnen Zelten, es ist kalt, nass und es herrscht pure Verzweiflung“, berichten Mitarbeitende und Unterstützer der Hilfsorganisation aus dem Lager. Große Angst herrsche vor dem Ausbruch von Corona, das, so die Furcht, zum Tod von vielen gesundheitlich angegriffenen Flüchtlingen führen könnte.

Gießens Pfarrer Klaus Weißgerber bittet in einem Youtube-Video um Spenden, „um das Schlimmste, einen Ausbruch von Corona, zu verhindern“. GAIN finanziert die Einrichtung von Quarantäneplätzen und einer Isolierstation in dem Lager, in dem Menschen auf engstem Raum existieren müssen. Weißgerber ist froh, dass „mit GAIN ein Hilfswerk vor Ort tätig ist, das in Gießen beheimatet ist.“ Das werde Menschen in der Region vielleicht schneller überzeugen, zu spenden. „Natürlich ist eine politische Lösung auf europäischer Ebene wünschenswert. Doch solange die Lage ist, wie sie ist, hilft eine Spende Schlimmes zu verhindern“, unterstreicht Weißgerber.

Auch Dekanin Dr. Dorette Seibert vom Evangelischen Dekanat Vogelsberg, unterstützt diese Initiative: „In diesen Zeiten, wo viele von uns damit beschäftigt sind, ihren eigenen Alltag unter den Bedingungen von Corona zu organisieren, verlieren wir schnell aus dem Blick, wie sehr andere Menschen auf unsere Unterstützung und Zuwendung angewiesen sind“, sagt die Dekanin.

GAiN bittet um Geldspenden, um Quarantäneplätze im Flüchtlingslager zu ermöglichen, aber auch um Sachspenden wie neuwertige Kleidung und Windeln. In einem abgeschlossenen Teil richten die Mitarbeiter eine Isolier- und eine Krankenstation ein. Jede Person, die dort aufgenommen wird, braucht ein Campingbett, Bettdecke und zweifache Bettwäsche, Unterwäsche und ein Hygienepaket, bestehend aus Seife, Shampoo oder Deo. Für 50 Euro kann eine Person einen Quarantäne-Platz erhalten.

Im Dekanat Vogelsberg befindet sich auch eine Sammelstelle für Sachspenden: Wilfried und Ulrike Clemens aus Altenburg sind seit knapp zwei Jahren für GAiN tätig. Den Bezug zu der Hilfsorganisation „haben wir über meine Schwiegermutter bekommen, die in zehn Jahren über 800 Schulranzen für sie gesammelt und gefüllt hat“, erzählt Wilfried Clemens. Durch die geografische Nähe biete es sich zudem einfach an, die Sachspenden nach Gießen zu bringen. „Ein guter Bekannter nimmt ungefähr alle zwei Wochen ein Auto voll Hilfsgüter mit, wenn er nach Gießen fährt“, sagt der Altenburger.

Ein weiterer Grund für ihn und seine Frau, die Hilfsorganisation zu unterstützen: „Unser ältester Sohn arbeitet zusammen mit seiner Freundin aktuell auf Lesbos in einem kleineren Camp, Pikpa, für Flüchtlinge. Daher haben wir einen zweifachen Bezug zu der Situation auf der Insel.“ Bisher seien zwar noch wenige Flüchtlinge mit dem Virus infiziert, „wenn sich das aber ändert, wird eine chaotische Situation in den Lagern entstehen.“

Das kleine Krankenhaus in der Hauptstadt Mytilini wäre schon überfordert, wenn viele Bewohner der Insel betroffen wären, sagt Wilfried Clemens. So gebe es nur die NGO´-s wie Ärzte ohne Grenzen, GAiN und einige andere, die sich dieser Situation annehmen. „Auf der einen Seite ist es uns wichtig, dass die Flüchtlinge von den Inseln evakuiert werden. Auf der anderen muss so schnell wie möglich vor Ort geholfen werden, um eine bevorstehende Katastrophe abzumildern.“

Die Güter, die bei Familie Clemens gesammelt werden, sind hauptsächlich für Armenien, Lettland, Ukraine und Irak bestimmt – sowie aktuell besonders für Lesbos. Die Unterstützung für Lesbos bezieht sich auf neue Unterwäsche, Windeln und Spenden für Quarantäneplätze.

 Die Hilfsgüter können abgegeben werden bei Ulrike und Wilfried Clemens, Lauterbacher Str. 32 in Alsfeld-Altenburg. Nachdem die Kleidung sortiert wurde, werden die Hilfsgüter in das Logistikzentrum von GAiN nach Gießen gebracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Verhungert, vertrocknet, verbrannt: Der Landwirtschaft droht ein drittes Dürrejahr

Unmittelbar betroffen von den schlechten weil sehr trockenen Witterungsbedingungen sind Landwirte. Es fallen Ernten aus, die Aussaat wird durch trockene Böden erschwert, …
Verhungert, vertrocknet, verbrannt: Der Landwirtschaft droht ein drittes Dürrejahr

Doppelt so viele Anträge: Blick hinter die Kulissen des Kommunalen Jobcenters

Die Coronakrise trifft viele vor allem finanziell. Das bekommt auch die Servicestelle der KVA Vogelsbergkreis - Kommunales Jobcenter am Standort in Lauterbach zu spüren. …
Doppelt so viele Anträge: Blick hinter die Kulissen des Kommunalen Jobcenters

Anklage gegen Homberger Hacker erhoben 

Plötzlich war Homberg/Ohm deutschlandweit bekannt. Reporter aus dem ganzen Land strömten im Januar 2019 in die Kleinstadt, nachdem ein dort wohnhafter 20-jähriger …
Anklage gegen Homberger Hacker erhoben 

Für ein wenig Pfingstmarkt-Gefühl: Online-Fassbieranstrich mit Live-Musik

Der Alsfelder Pfingstmarkt als das Volksfest der Region wurde zwar aufgrund der Corona Situation abgesagt, aber die Alsfelder, Alsfeld-Besucher und Pfingstmarktfreunde …
Für ein wenig Pfingstmarkt-Gefühl: Online-Fassbieranstrich mit Live-Musik

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.