Und halbjährlich grüßt das Murmeltier - das Ende der Zeitumstellung bleibt in Ferne

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Die Zeitumstellung ist längst zu einem Politikum geworden: Nachdem sich die große Mehrheit der EU-Bürger für ihre Abschaffung aussprach, nahm sich die EU-Kommission der Sache an. Doch die Zeit verrinnt – wann ist ein Ende in Sicht?

An diesem Sonntag, 27. Oktober, endet um 3 Uhr morgens die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Zu diesem Zeitpunkt wird die Uhr um eine Stunde auf Winterzeit, das heißt auf Mitteleuropäische Zeit (MEZ), zurückgestellt. Vielen EU-Bürgern geht das im wahrsten Sinne auf den Zeiger.

In einer Umfrage sprachen sich 84 Prozent der Teilnehmer für ein Ende des ewigen Hin und Her von Sommer- und Winterzeit aus. Ein Ende schien in Sicht. Doch noch ist nichts geschehen. Weshalb? Wir drehen die Uhr zurück.

31. August 2018

Die Kommission stellt erste Ergebnisse der EU-weiten Umfrage zur Zeitumstellung vor, an der 4,6 Millionen Menschen – und somit deutlich mehr als an jeder EU-Umfrage zuvor – teilgenommen haben. 84 Prozent der Teilnehmer stimmten für ein Ende des ewigen Hin und Her von Sommer- und Winterzeit. Die Beteiligung an der Umfrage war in Deutschland anteilig am höchsten: 3,79 Prozent der deutschen Bevölkerung haben online abgestimmt – also rund drei Millionen Menschen. Wie im EU-weiten Durchschnitt stimmten 84 Prozent der Deutschen für die Abschaffung. In Hessen zeichnete sich nach einer Umfrage der Krankenkasse „DAK“ ein ähnliches Bild. Zudem sprachen sich die meisten Abstimmungsteilnehmer dafür aus, künftig die derzeitige Sommerzeit zu behalten.

12. September 2018

EU-Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker reagiert in seiner Rede zur Lage der Union auf die klaren Ergebnisse der Umfrage: „Die Zeitumstellung gehört abgeschafft. Die Mitgliedstaaten sollen selbst entscheiden, ob ihre Bürger in Sommer- oder Winterzeit leben sollen. Ich erwarte, dass Parlament und Rat dies eben so sehen und binnenmarktkonforme Lösungen finden. Die Zeit drängt.“

14. September 2018

Die Europäische Kommission schlägt vor, im Jahr 2019 die Zeitumstellungen in Europa zu beenden und es den Mitgliedstaaten zu überlassen, ein für alle Mal zu entscheiden, ob sie dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit anwenden wollen. Die Kommission legt dem Parlament und dem Europäischen Rat den entsprechenden Gesetzesvorschlag vor. Demnach sollten in 2019 die Staaten, die sich an der Sommerzeit orientieren, am 27. März das letzte Mal die Uhren vorstellen. Die Länder, die sich an der Winterzeit orientieren, sollten Ende Oktober 2019 das letzte Mal an der Uhr drehen. Doch daraus wurde nichts.

10. Oktober 2018

Die Bundesregierung teilt mit, in der Debatte um das Ende der Zeitumstellung keinen Alleingang zu starten. Es sei wichtig, sich mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten auszutauschen.

24. Oktober 2018

Das schnelle Aus der Zeitumstellung steht auf der Kippe. Vielen EU-Mitgliedsstaaten scheint das Wagnis, die Zeitumstellung so kurzfristig abzuschaffen, ein zu großes zu sein. Auch die Abgeordneten im EU-Parlament äußern sich zögerlich – die Chance für die EU, sich als schnelle Problemlöserin zu präsentieren, scheint vertagt. Denn für eine Gesetzesänderung bedarf es der mehrheitlichen Zustimmung im EU-Parlament.

26. März 2019

Die Abgeordneten des EU-Parlaments unterstützten den Vorschlag der Kommission, die Zeitumstellungen zu beenden, jedoch mit Verschiebung des Datums von 2019 auf 2021. Demnach sollen EU-Länder, die beschließen, ihre Sommerzeit dauerhaft beizubehalten, die Uhren am letzten Sonntag im März 2021 zum letzten Mal umstellen. Länder, die es vorziehen, die Normalzeit (Winterzeit) beizubehalten, können die Uhren am letzten Oktobertag 2021 letztmalig umstellen, heißt es im verabschiedeten Entwurf des Parlamentes. Zudem fordert das Parlament die EU-Staaten und die Kommission auf, Entscheidungen untereinander abzustimmen, um sicherzustellen, dass die Anwendung der Sommerzeit in einigen Ländern und der Winterzeit in anderen keine Störungen des Binnenmarktes hervorruft.

Heute

In der Frage, welches Land welche Zeit beibehalten möchte, liegt wohl der Knackpunkt. Nachdem sich die EU der Sache angenommen hat, schiebt sie sie wieder an die einzelnen Länder zurück – mit der Forderung, es so untereinander zu regeln, dass der Binnenmarkt nicht gestört wird. Sollte die Kommission feststellen, dass dies nicht geschieht, so kann sie das Ende der Zeitumstellung um ein weiteres Jahr verschieben. Die Frage nach der Zeitumstellung – es ist weiterhin eine Frage der Zeit.

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