Hasen, Eier und Osterbrunen - die Bräuche zum größten Fest des Christentums

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Ägidius Kluth ist Pastoralreferent des Dekanats Alsfeld und spricht mit unserer Zeitung über die Bräuche zu Ostern.

Ostern ist das höchste Fest der Christen. Viele Bräuche sind damit verbunden. Pastoralreferent des Dekanats Alsfeld, Ägidius Kluth, im Gespräch mit Alsfeld Aktuell über Riten zur Osterzeit.

Alsfeld Aktuell: Was ist die Kernbotschaft des Osterfests? 

Ägidius Kluth: Jesus hat die Botschaft von einem erfüllten Leben verkündet, das Gott allen Menschen schenken will. Diese Botschaft hat in seinem Sterben und Auferstehen seine Bestätigung erhalten: Er ist nicht im Tod geblieben. Die Liebe Gottes ist stärker als Gewalt, Leid und Tod.

Ostern ist das höchste Fest der Christen, wird aber heute gar nicht mehr so empfunden.

Die Feier des Lebens Jesu wird so nicht mehr nachempfunden. An Palmsonntag wird Jesu hochgelobt als Befreier, am Freitag ist der Tiefpunkt mit seinem Sterben. Aber das Kreuz ist eben nicht das Ende, sondern das Zeichen für das Leben. Jesu ist auf einem Esel reitend in Jerusalem angekommen, mit Hosiannarufen wurde ihm mit Palmzweigen zugewunken. Hier werden Zweige aus Buchsbaum gebunden.

Heute gibt es verschiedene Symbole, zum Beispiel das Lamm. 

Das ist ein alttestamentliches Symbol für jemanden, der sich opfert. Das Lamm ist eine Opfergabe im Judentum gewesen. Es wurde zum Pessachfest geschlachtet – in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Das Lamm wird mit einer Fahne ausgestattet als Siegeszeichen als Überwindung dieses Todes.

Heute verbindet man Ostern gerne mit Eiern und Hasen. 

Da gibt es ganz unterschiedliche Traditionen. Was den Hasen angeht, kenne ich eine Tradition aus der Byzantinischen Kirche wo der Hase das Symbol für Christus war. Weil der Hase anscheinend nicht schläft. Er kann nicht entschlafen also sterben. Seine Augenlider sind immer offen, hat man früher gedacht. Die Figur eines Hasen wurde auf Osterbrot geprägt. Im Brot wurde ein Ei eingebacken. Daraus könnte der eierlegende Hase entstanden sein.

Sind Hasen und Eier nicht einfach Fruchtbarkeitssymbole, die gut in die Frühlingszeit passen?

Das stimmt ja auch. Alle Religionen haben sich immer auch der Sprache und der Mythen bedient, die schon da waren. Und zu dieser Zeit ist eben auch das Frühlingsfest. Zu der Jahreszeit passt auch die grüne Soße am Gründonnerstag. Die Priester haben früher an Gründonnerstag grüne Messgewänder getragen. Auf der anderen Seite gibt es die Tradition, dass Grün von Greinen kommt, der altdeutsche Begriff für Weinen. Weinen ist das Zeichen für Büßer gewesen, die an Gründonnerstag aus dem Bußstand entlassen worden sind. An Ostern also. Die Büßer wurden als die Weinenden dargestellt und sind an diesem Tag von den Sünden befreit worden. An Ostern feiern wir somit, dass wir von allen Sünden reingewaschen sind. Hase und Eier sind Zeichen von Fruchtbarkeit. Aus Eiern entsteht neues Leben. Auf der anderen Seite waren Eier im Mittelalter der Zins des kleinen Mannes. Damit hat der Pächter seine Pacht bezahlt. Zinstag war der Gründonnerstag. Auf der andern Seite hat man die Fastenzeit gehabt. Man durfte kein Fleisch und keine Eier essen. Also kochte man Eier, um sie haltbar zu machen. So kam es zu den Ostereiern, mit denen man die Leute beschenkt hat.

In letzter Zeit werden Osterbrunnen immer beliebter. Wie kommt das?

Die Leute scheinen eine Sehnsucht danach zu haben, an alte Traditionen anzubinden. Man erinnert sich dabei an seine eigene Geschichten und Geschichten, die man von früher her kennt und die möchte man bewahren. Das ist regional wichtig, finde ich.

Warum gerade Brunnen? 

Das kommt wohl aus dem Frankenland. Aus Brunnen kommt Wasser. Das ist ein typisch österliches Zeichen. Licht und Wasser sind die Kennzeichen für das Osterfest. Jesus ist das Wasser des Lebens und auf der anderen Seite werden wir als Christen ja getauft. Wasser ist das Zeichen unseres Standes als Menschen Kinder Gottes zu sein. Dieses Osterwasser spielt in der katholischen Liturgie in der Osternacht eine große Rolle. Die Osterkerze wird dreimal in das Taufwasser eingesenkt und dieses damit geweiht. Am Ostermontag wird das Taufwasser über die Gläubigen gespritzt als Zeichen für unser Christsein. Wasser ist Leben. Und das kam früher aus den Brunnen. Jesus schöpfte aus ihnen Wasser und verwies damit auf Gott. Wir in Alsfeld haben mit dem Grabbrunnen auch einen schönen Brunnen. Und jetzt sitzen hier sogar wieder Störche, die früher symbolisch das Leben aus diesen Brunnen herausgeholt haben. Nicht nur das Wasser, sondern wir selber, das Leben, ist aus diesen Brunnen heraus entstanden. Das ist zwar auch nur eine schöne Geschichte, aber der Kern dahinter ist ja: Wir sind aus dem Wasser des Lebens entstanden. Denn auch wir bestehen zum großen Teil aus Wasser. Deshalb ist es eine schöne Tradition, die Brunnen zu Ostern zu schmücken.

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