Es bleiben viele Fragezeichen

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Das beschauliche Homberg/Ohm war plötzlich deutschlandweit in den Schlagzeilen.

Plötzlich war Homberg/Ohm deutschlandweit bekannt. Reporter aus dem ganzen Land strömten in die Kleinstadt, nachdem ein dort wohnhafter 20-jähriger Schüler Hunderte Politiker und Personen des Öffentlichen Lebens im Internet bloßgestellt haben soll.

Homberg/Ohm - Seitdem wird viel berichtet über die Motivation des Täters, über seine IT-Fähigkeiten, ob er alleine handelte oder ob es Hetzer oder Ideengeber im Hintergrund gab.

Eine Übersicht, über das was wir wissen und was wir noch nicht wissen:

Was wir zu diesem Zeitpunkt wissen

Im Dezember wurden auf Twitter personenbezogene Daten von Hunderten Politikern, Journalisten und Prominenten veröffentlicht. Jeden Tag wurden in einer Art Adventskalender insbesondere Telefonnummern, Anschriften, Kreditkartendaten, Chats und Bilder unter den Nutzer-Namen „G0D“ und „0rbit“ bekannt gegeben. Teilweise wurde auch der gekaperte Twitter-Account des YouTubers „Unge“ zur Veröffentlichung missbraucht, der mit zwei Millionen Abonnenten eine große Reichweite auf Twitter erzielt.

Auf den Twitter-Accounts waren Verlinkungen zu anderen Plattformen enthalten, auf denen die ausgespähten persönlichen Daten abgelegt waren. Zudem soll der Täter Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen gesammelt und publik gemacht haben – Doxing wird das dann genannt.

Am 4. Januar nahm eine Sonderkommission des Bundeskriminalamtes (BKA) die Ermittlungen in dem Fall auf – bereits drei Tage später wurde ein 20-jähriger Schüler aus Homberg/Ohm vorläufig festgenommen und verhört. Er hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe umfassend eingeräumt und über eigene Straftaten hinaus Aufklärungshilfe geleistet, teilte das BKA daraufhin mit. Mangels Haftgründen wurde der Beschuldigte in den Abendstunden des 7. Januar auf freien Fuß gesetzt und die vorläufige Festnahme aufgehoben.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen

Im Rahmen der Vernehmung gab der Beschuldigte an, bei den Datenausspähungen und den unberechtigten Datenveröffentlichungen allein agiert zu haben. Doch ob der 20-Jährige über die nötigen Computerkenntnisse verfügte, daran haben Ermittler nach ARD-Berichten Zweifel. Der junge Mann habe bei einem Praxistest des BKA nicht nachweisen können, wie er bei seinem Datenklau vorgegangen ist. Er soll nicht über die nötigen Kenntnisse verfügt haben, um die sogenannte „Zwei-Faktor-Authentisierung“ zu entsperren. Der Täter muss diese Sicherung aber umgangen haben können, um zahlreiche Accounts zu hacken.

Zu seiner Motivation gab der Beschuldigte in der Vernehmung an, dass er aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Personen gehandelt habe. Doch die Tat könnte politischer motiviert gewesen sein, als zunächst vom BKA angenommen. Wie „Der Spiegel“ diese Woche berichtete, sprechen viele Indizien dafür, dass der Schüler in einer rechten bis rechtsextremen Subkultur im Netz unterwegs war – unter anderem auf diversen YouTube-Kanälen.

Einer davon sei „Die Vulgäre Analyse“. Die dort hochgeladenen Videos verbreiten unter anderem islamkritische bis islamfeindliche Aussagen und zeigen im Hintergrund, wie ein Koran verbrannt und darauf Schweinefleisch gegrillt oder wie auf ihn uriniert wird. Mittlerweile sind die meisten dieser Videos gelöscht oder laufen unter anderen Namen auf YouTube. „Die Vulgäre Analyse“ lieferte womöglich dem Hacker die Vorlagen, mit denen er dann selbst islamfeindliche Propaganda im Netz verbreitet hat, schreibt „Der Spiegel“. Unter dem Namen „r00taccess“, der seinem Account zugeschrieben wird, soll er etwa mitgeteilt haben: „islam ist dreck“.

Das sagt die Generalstaatsanwaltschaft

Kommentiert wird das von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt derzeit wegen laufender Ermittlungen nicht. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt der zuständige Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk, dass der Homberger weiterhin alleine beschuldigt ist. „Internetermittlungen sind generell sehr aufwendig – sämtliche Daten und Kommunikationen müssen zurückverfolgt werden“, sagt Ungefuk. Mehrere Dutzend Ermittler seien derzeit mit dieser Arbeit unter Hochdruck beschäftigt, um schnellstmöglich Klarheit in diesem Fall zu schaffen.

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