"Ich trete ohne Verfallsdatum an" - Bürgermeister Stephan Paule im Gespräch

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Bürgermeister Stephan Paule möchte gerne sechs weitere Jahre als Bürgermeister in Alsfeld amtieren.

Die Sanierung des Markt- und Kirchplatzes, der Stadtbus, sicheres Radfahren, Klimaschutzmaßnahmen und eine mögliche zweite Amtszeit: Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule empfängt Alsfeld Aktuell in seinem Amtszimmer zum Gespräch.

Alsfeld Aktuell: Herr Paule, Sie haben in den fünf Jahren vieles bewirken können, insbesondere wirtschaftlich. Sie konnten drei Jahre hintereinander einen positiven Haushalt vorweisen, Alsfeld kann den hessischen Schutzschirm früher verlassen als geplant. Ein gutes Bewerbungsschreiben für höhere Aufgaben?

Stephan Paule: Das werde ich oft gefragt. Mein Bekenntnis ist ganz klar: Ich möchte für eine weitere Amtszeit hier in Alsfeld antreten und zwar ohne Verfallsdatum. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, nach nichts anderem zu suchen. Ob ich eine 42-jährige Amtszeit wie die des Kollegen Künz in Kirtorf jemals erreichen kann, weiß ich nicht. Aber ich denke, eine gewisse Kontinuität im Amt des Bürgermeisters ist wichtig. Gerade auch in Alsfeld, das schwierige Zeiten hinter sich hat.

Im November wird es bei der nächsten Mitgliederversammlung dann wohl offiziell: Sie stellen sich zur Wiederwahl im nächsten Jahr. Warum ist das Bürgermeistersein in Alsfeld für Sie ein so spannender Beruf?

Es ist in den fünf Jahren, seitdem ich im Amt bin, kein Tag wie jeder andere gewesen. Es gibt jeden Tag Herausforderungen. Ob das kleine Dinge sind wie Verschmutzungen oder Schäden an Straßen oder ob das große Themen sind wie der Neubau einer Kindertagesstätte oder einer Feuerwache. Es ist die Vielschichtigkeit, die den Beruf so interessant macht.

Was wollen Sie in einer möglichen zweiten Amtszeit in Alsfeld unbedingt erwirken?

Es ist wichtig, die angestoßenen Projekte wie zum Beispiel unsere Altstadtsanierung 2.0 fortzusetzen. Im wirtschaftlichen Bereich ist es wichtig, dass wir den Abbau unserer Verbindlichkeiten fortsetzen. Es uns jetzt gelungen, aus dem Schutzschirm zu kommen, aber das heißt nicht, dass wir finanziell blendend dastehen. Wir haben damit die Voraussetzung geschaffen, die Altlasten in Zukunft abbauen zu können. Im Bereich der Gewerbeentwicklung müssen wir neue Flächen für Ansiedlungen von Gewerbebetrieben ausweisen. Nehmen Sie nur den Neubau einer Kita. Alles Projekte, die angestoßen wurden und in den nächsten Jahren zum Abschluss kommen.

Der ADFC, BUND und VDC sammeln zurzeit Unterschriften für das „Alsfelder Radbegehren“, sie fordern mehr Sicherheit für Radfahrer. Was tut die Stadt diesbezüglich?

Zunächst einmal: Wir sind für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zuständig – nicht nur der Radfahrer. Deshalb sehe ich es kritisch, wenn der ADFC propagiert, Radfahren muss Vorrang haben. Alle Verkehrsteilnehmer haben ihre Daseinsberechtigung. Die Stadt tut viel dafür, dass das Radfahren hier sicherer wird. Es wurden Radabstellanlagen, auch für E-Bikes, zum Beispiel am Marktplatz, am Schwimmbad und beim Bürgerbüro errichtet. Die Verkehrsinfrastruktur an der Ernst-Arnold-Straße, einer wichtigen Radroute, wird künftig sicherer gestaltet. Im Ordnungsamt haben wir geprüft, welche Einbahnstraßen sicher für den Radverkehr freigegeben werden können. Man kann nämlich nicht jede Einbahnstraße für den Radverkehr öffnen, wie es der ADFC gerne sagt. Das muss abgewogen werden. Die Radfernwege werden von uns und Hessen Mobil weitestgehend geschlossen – neulich erst zwischen der Pfefferhöhe und Alsfeld. Das Radfahren in Alsfeld ist eine gute Sache, von der ich mir wünsche, dass es noch mehr Menschen tun. Wir tun das uns Mögliche, um das Radfahren zu fördern.

Ein anderes Verkehrsmittel in Alsfeld ist der Stadtbus, der jährlich mit etwa 100.000 Euro von der Stadt bezuschusst wird. Einige Bürger sagen, er fahre zu häufig. Was sagen Sie dazu?

Wir wissen, dass der Stadtbus nie wirtschaftlich sein wird. Sollte er es sein, müsste die Fahrt sechs Euro kosten, statt wie jetzt einen Euro. Daher wird er subventioniert. Gehbehinderte und ältere Menschen brauchen diese Einrichtung. Im Vergleich zu dem Vorgängermodell haben wir die Zahl der Haltestellen an die Bedürfnisse angepasst – den Marktplatz und somit die Fußgängerzone an das Netz angeschlossen. An solchen wichtigen Stellen, wie auch dem Bahnhof, fährt der Bus jede halbe Stunde, an kleineren Haltestellen nur jede Stunde. Er fährt sozusagen eine Acht. Wir sind stolz auf das Angebot, auch wenn es natürlich überall Optimierungsbedarf gibt. In Zukunft wird man sicherlich über neue Antriebsarten sprechen. Doch die sind noch nicht marktreif.

Fast zwei Millionen Euro werden in naher Zukunft in städtische Klimaschutzmaßnahmen investiert, davon rund 970.000 Euro durch die Stadt. Wieso sind diese Ausgaben notwendig?

Klimaschutz ist uns in Alsfeld ein Anliegen, aber nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus Gründen der eigenen Ressourcenschonung. Derzeit sind viele Fördermittel auf Bundesebene vorhanden, die wir nutzen, um unsere Gebäude effizienter zu machen und langfristig Energiekosten zu sparen. Der Kostenaspekt ist für mich persönlich der wichtigste Motivator.

Markt- und Kirchplatz werden in den kommenden Jahren umfangreich saniert. Wie sollen die Plätze 2022, also zum 800-jährigen Stadtjubiläum, aussehen?

Das wichtigste ist, dass die technischen Mängel, die diese beiden Plätze aufweisen, beseitigt werden. Wir wollen keine Luxussanierungen machen. Sondern wir wollen gebrochene Pflasterscheine, schlechte Wasserführungen, Unebenheiten, also alles was den Platz weniger zugänglich macht, ausbügeln. Das geht nach so vielen Jahrzehnten, in denen nichts an den Plätzen gemacht wurde, nur durch eine grundhafte Sanierung mit Legen eines neuen Pflasterbelags. Der Platz wird dann barrierefrei sein. Und auch nach den Umbauarbeiten wird der Marktplatz seinen Charakter als historischen Platz mit Kopfsteinpflaster definitiv behalten. Da muss keiner Angst haben, dass wir grüne oder blaue Kunststoffbodenbeläge auf dem Marktplatz einbauen.

Wird der Marktplatz vielleicht ganz autofrei sein?

Das wird abzuklären sein mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Fakt ist, dass wir schon jetzt einen partiell autofreien Marktplatz haben. Klar, wir haben zwei Parkreihen und auch eine Befahrung. Bei größeren Veranstaltungen ist er aber gesperrt. Wenn man einen komplett autofreien Marktplatz wollte, muss man sich im Klaren sein, dass Lieferverkehr oder Anwohner, der Rettungsdienst oder der Stadtbus dennoch Zugang zum Platz brauchen. Daher wird er nie gänzlich ohne Grundverkehr sein. Er wird nicht wie früher Hauptverkehrsader sein, aber auch nicht zu 100 Prozent autofrei. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

Die langen Bauarbeiten bereiten einigen Anliegern und Gewerbetreibenden Bauchschmerzen. Sie fürchten um Parkmöglichkeiten, Lärm oder ihre Gäste und Kunden. Was können Sie ihnen versprechen?

In der konkreten Bauausführung wird auf die Anlieger Rücksicht genommen. Die Belastungen, die zweifelsohne entstehen, werden so minimal wie möglich gehalten. Anlieger sollen so lange wie möglich Zugang zu ihren Gebäuden haben. Wenn vor einem Haus Kabel verlegt werden und somit eine Baugrube entstehen muss, kann es zu Einschränkungen kommen. Es wird immer eine Abwägung zwischen den baulichen Erfordernissen und den Bedürfnissen der Anlieger geben. Dabei setzen wir auf frühzeitige Kommunikation mit den Betroffenen.

Straßenausbaubeiträge sollen nicht erhoben werden. Eventuell aber Ausgleichsbeträge, also Sanierungsgebühren. Was bedeutet das? Wer muss in welchem Fall wie viel bezahlen?

Das wird errechnet aus den amtlich ermittelten Bodenrichtwerten. Es hängt davon ab, ob die sich durch die Sanierungsarbeiten steigern. Ist das der Fall ist mit Sanierungsbeiträgen zu rechnen. Dazu können wir jetzt aber noch nichts sagen. Deswegen machen wir aktuell eine Voruntersuchung, ob eine klassische Sanierung, eine vereinfachte Sanierung oder eine Sanierung nach der Richtlinie „Städtebauliche Entwicklung” das Richtige ist. Vielleicht kommen wir ganz um diese Diskussion herum.

Auf dem Marktplatz finden etliche Veranstaltungen statt. Wie wird das gehandhabt während der Umbaumaßnahmen?

Je nach Anlass. Der Wochenmarkt etwa kann auf dem Kirchplatz stattfinden. Für größere Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Stadtfest müssen individuell Alternativen gesucht werden, falls der Marktplatz nicht nutzbar ist. Es ist immer eine Frage der Gewichtung. Keiner muss Angst haben, dass das öffentliche Leben zum Stillstand kommt.

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