Kämpft um die deutsche Timbersports-Meisterschaft: Lars Seibert aus Homberg

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Das laute Kreischen der Kettensägen und das kräftige Schlagen mit den Äxten dringt aus dem großen Übungsraum von Lars Seibert. Präzise Schnitte führt Seibert mit seinen Sägen aus. Und das in Sekunden.

Mit einem Hieb von ihm dringt das Beil tief in den Übungsbaumstamm vor ihm. Der Schadenbacher ist bei seinen letzten Vorbereitungen für den Stihl Timbersports Amarok Cup. Der startet am 20. Juli in Dinslaken. Es geht dabei um nicht Geringeres als die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft der Sportholzfäller. Seibert will nach einer guten Vorsaison endlich das Podium attackieren: „2018 bin ich schwach gestartet, habe aber dann mein Training gesteigert und schließlich gute Ergebnisse erzielt“, erinnert er an seinen vierten Platz bei der Deutschen Meisterschaft 2018.

Nachdem er damals knapp das Podium verpasst hat, soll es in dieser Saison endlich klappen – natürlich mit dem richtigen Training: „Ich habe schon im Januar meine Vorbereitung begonnen und häufiger, härter und fokussierter trainiert. In diesem Jahr muss das Treppchen also drin sein“, gibt sich der 37-Jährige kämpferisch. Verschiedene unglaublich scharfe Äxte und Sägen warten auf ihren Einsatz bei den jeweils drei Axt- und drei Sägedisziplinen. Die Spezialsäge mit 75 PS hat nur eine Lebensdauer von wenigen Minuten und ist hochgetunt wie ein Formel 1-Sportwagen. Mit über 8.000 Euro auch kein Schnäppchen.

Die Spezialsägen und -beile besorgt sich Seibert aus Neuseeland, USA oder Kanada. Die Wartezeiten seien dabei so lang, dass seine Bestellungen erst nach Monaten eintreffen würden. „So eine Axt ist schnell unbrauchbar. Die Schneide bricht schnell aus“, so der 37-Jährige. Schon seine Eltern hatten einen Forstbetrieb. In diesen stieg er 2005 ein und übernahm ihn vor sechs Jahren von seinem Bruder. Er verkauft ofenfertiges Brennholz sowie weitere Holzprodukte zum Verbrennen.

„Als ich Timbersports im Fernsehen sah, dachte ich schon, das wäre etwas für mich“, erinnert sich Seibert. Als dann 2013 eine Showvorführung beim Oldtimerfest in Dannenrod der Firma Stihl war, gab es die Möglichkeit für Zuschauer, sich an der Handzugsäge in der Disziplin „Single Buck“ zu betätigen. Seibert: „Das hat riesen Spaß gemacht. Ich dachte damals, das wäre doch was für mich. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich mit 30 Jahren nicht schon zu alt zum Anfangen sein könnte.“ Er wurde ermuntert, zum Trainingscamp nach Mellrichstadt zu kommen. Die offiziellen Trainer dort ermunterten ihn dazu, mit dem Sport zu beginnen. „Ich bin ehrgeizig. Es hat mir gefallen, sodass ich schnell vorankam“, so Seibert. Schon im folgenden Jahr ging es zu den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften ins Münchner Olympiastadion. Im Letzten und vorletzten Jahr schaffte es Seibert mit seiner Mannschaft auf den sechsten Platz der World Championship. „Es steckt viel Technik und Wissenschaft dahinter, das Holz in wenigen Sekunden zu zerhacken“, erklärt Seibert. Kraft sei nicht alles. Normalerweise trainiere er zwei bis drei Mal pro Woche, vor Wettkämpfen jedoch mehr. „Ich arbeite meist bis 18 oder 19 Uhr. Nach Feierabend bleibt dann nur noch wenig Zeit zum Trainieren. Das mache ich dann oft morgens vor der Arbeit“, so der Familienvater, „meine Familie war sofort begeistert von meinem Sport und begleitet mich gerne zu den Shows und Meisterschaften.“ Letztes Jahr ging es nach Liverpool, im Jahr davor nach Lillehammer.

Eine besondere Herausforderung bei den Meisterschaften sei das Holz selbst, berichtet Seibert. Es werde sich große Mühe gegeben, dass alle Holzblöcke für die Teilnehmer vergleichbar seien. Sie würden frisch geschlagen, in Folie verpackt und kühl gelagert, bis der Wettkampf losginge. Auch die Holzart sei entscheidend, um die empfindlichen Sägen nicht zu zerstören. Was ihn am Sport besonders fasziniert: „Es ist ein bisschen ‚back to the roots‘ und erinnert an die Waldarbeit wie früher, als die Bäume noch nicht mit der Harvester geschnitten wurde.“

Sechs Disziplinen des Timbersports

Springboard Nach dem Startschuss des Schiedsrichters schlägt der Sportler eine erste, ca. 10 cm tiefe Tasche (Pocket) in Schulterhöhe in den Stamm. In dieses steckt er die Spitze seines ersten Springboards. Der Athlet steigt auf das erste Springboard und schlägt von dort eine zweite Tasche in den Stamm. Nach der Platzierung des zweiten Springboards in ca. 2 Metern Höhe, erklimmt er dieses und kann nun beginnen, den oben befestigten Block zu durchschlagen. Pflicht ist, dass das Holz von zwei Seiten durchtrennt wird.

Stihl Stock Saw Bei dieser Disziplin arbeiten alle Teilnehmer mit der MS 661, einer handelsüblichen Motorsäge der Firma STIHL. Nach einem ersten Aufwärmen wird die Säge abgelegt und nach dem Startschuss mit schnellem Griff an den Holzblock (Durchmesser 40 cm) geführt. Von dem waagerecht befestigten Holzstamm werden mit einem Abwärts- und einem Aufwärtsschnitt zwei Cookies (Holzscheiben) abgesägt. Beide Scheiben müssen innerhalb eines markierten Bereichs von 10 cm jeweils komplett an einem Stück geschnitten werden. Sind die Cookies unvollständig oder wird die Markierungslinie überschnitten, wird der Teilnehmer disqualifiziert. Die Bestzeiten in dieser Disziplin liegen bei etwa zehn Sekunden.

Standing Block Chop Diese Disziplin simuliert das Fällen eines Baumes. Ein senkrecht verankerter Holzblock (Durchmesser 30 cm) muss so schnell wie möglich von der Seite durchschlagen werden. Die optimale Platzierung der Axt sowie ein kraftvoller Axtschwung sind entscheidend für den schnellen Erfolg in dieser Disziplin. Europäische Top-Zeiten für diese Disziplin liegen bei ca. 20 Sekunden.

Single Buck Mit einer etwa 2-Meter-Handsäge wird eine Holzscheibe von einem horizontal befestigten Block abgesägt (Durchmesser 46 cm). Bei dieser Disziplin sind der Rhythmus und die Dynamik des Sportlers entscheidend. Um die Gleitfähigkeit der Säge zu erhöhen, darf diese mit einem Ölgemisch besprüht werden. Weitergehend darf von einem Helfer ein Keil zwischen die Holzscheibe und den Holzblock getrieben werden.

Underhand Chop Simuliert wird das Zerteilen eines bereits gefällten Baumes. Auf einem horizontal verankerten Block stehend, versuchen die Athleten durch Axtschläge den im Durchmesser 32 cm dicken Stamm zu durchschlagen. Der Block muss von beiden Seiten durchschlagen werden. Ein einseitiges Zertrennen führt zu einer Disqualifikation in dieser Disziplin. Die europäischen Bestzeiten des Underhand Chops liegen bei unter 20 Sekunden.

Hot Saw Mit getunten, extrem leistungsstarken Motorsägen müssen von einem waagerecht verankerten Holzblock (Ø 46 cm) innerhalb eines Bereichs von 15 cm drei vollständige Cookies gesägt werden. Die Herausforderung liegt darin, die geballte Kraft der bis zu 80 PS starken Motorsäge zu beherrschen. Mit einer Kettengeschwindigkeit von etwa 240 km/h und einem Gewicht von rund 27 kg fordert die „heiße Säge“ dem Sportler Höchstleistungen ab. Die Sportler können entweder mit ihrer eigenen Spezialanfertigung antreten oder auf eine von STIHL gestellte Hot Saw zurückgreifen. Die Bestzeiten bei der Disziplin Hot Saw liegen bei unter sieben Sekunden.

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