Kein Tier amputieren: Thomas Schröder über konventionelle Stallhaltung

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Der Präsident des Deutschen Tierschutzverbundes, Thomas Schröder, zu Besuch im Tierheim Alsfeld.

Zur konventionellen Tierhaltung stellte Alsfeld Aktuell dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, zwei Fragen.

Was sagen Sie als Verantwortlicher des Deutschen Tierschutzbundes zum Kupieren der Schwänze von wenigen Tage alten Schweinen in der konventionellen Stallhaltung, dem sogenannten Warmstall?

Thomas Schröder: Man muss wissen, dass das Kupieren von Schwänzen verboten ist. Das gilt seit mittlerweile zehn oder elf Jahren in ganz Europa. Trotzdem gibt es noch eine Ausnahmeregelung, weil die Bestände nicht so strukturiert werden können, dass die Tiere nicht vor Langeweile anfangen, sich gegenseitig zu beißen. Die Schweine haben natürlich Schmerzen beim Schwänzekupieren. Aus Tierschutzsicht ist eine Haltung in solchen Warmställen nicht rettbar.

Die Tiere bekommen nicht nur die Schwänze kupiert, sondern auch noch die Eckzähne geschliffen. Sie werden ohne Betäubung kastriert. Tiere sollen für ein solches Haltesystem nicht manipuliert werden. Die Ställe sind erlaubt, dagegen kann ich erst mal nichts machen. Wir fordern, dass solche Ställe nicht mehr gebaut werden und die bestehenden verboten werden.

Was wäre aus Sicht der Tierschützer eine Alternative zur Kastration der Ferkel?

Das ist die Jungebermast. Dort werden die Eber mit unter 100 Kilo Gewicht bereits geschlachtet. Dafür müssen allerdings die Buchten anders gestaltet werden, sodass die Tiere in einer Ecke Beschäftigung haben in einer anderen ruhen. Zurzeit leben die Schweine so, als würden Sie den ganzen Tag mit dem Kopf im Urinal liegen. Das sorgt für Kannibalismus unter den Schweinen und allem, was dazu gehört, durch die Langeweile. Deswegen sollten wir zu einem System wechseln, wo die Tiere nicht mehr amputiert werden müssen.

Eine Alternative ist jetzt die Immunokastration (Impfung gegen den Ebergeruch, Anmerkung der Redaktion). Dadurch entwickelt der Eben keinen Geruch.

Als weitere Alternative gibt es die chirurgische Kastration unter Vollnarkose und Schmerzmittelgabe. Diese Lösungen sind gut für den Übergang, aber keine Dauerlösung. Denn eigentlich muss der Grundsatz gelten: Kein Tier muss amputiert werden, um es halten zu können.

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