Kindesentführung? Mann muss sich vor Alsfelder Amtsgericht verantworten

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War es eine Entführung oder nicht? Das wird aktuell vor dem Alsfelder Amtsgericht geklärt.

Vor dem Alsfelder Amtsgericht muss sich ein 42-jähriger Mann verantworten, der im Vogelsbergkreis gelebt hat. Hier soll er vor zwei Jahren einen 15-jährigen Nachbarsjungen seinen Eltern entzogen, ihn missbraucht und Drohungen ausgestoßen haben.

Alsfeld - Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass ein 15-jähriger Junge aus dem Vogelsbergkreis verzweifelt von seinen Eltern gesucht wurde. Erst nach fünf Wochen tauchte er wieder zu Hause auf. Sowohl regional als auch überregional veröffentlichten Medien eine Beschreibung des Vermissten. Der heute 17-Jährige erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Nachbarn. Der 42-Jährige soll, nachdem er das Vertrauen des Jungen erlangt hatte, ihn mehrmals im Auto sexuell genötigt haben. Vor zwei Jahren soll er den Jugendlichen dann fünf Wochen lang in einer Wohnung in Schmalkalden festgehalten haben. Der Angeklagte zeigte sich bereit, umfassend auszusagen. Er erklärte, Mitleid mit dem Jungen gehabt zu haben, der sowohl in der Schule als auch zu Hause Probleme gehabt haben soll. Nach und nach sei eine Freundschaft zwischen beiden entstanden. Der Junge habe des Öfteren sein Herz bei ihm ausgeschüttet. Zu sexuellen Handlungen sei es nie gekommen. Als der Nachbar dem Jugendlichen eröffnete, er würde in Kürze wegziehen, sei der Junge „zusammengebrochen, wollte von zu Hause weglaufen. Ich hatte Angst, dass er sich etwas antut“, so der Angeklagte.

Damit er nicht allein in Berlin untertauche, soll er dem Jugendlichen angeboten haben, in einer Wohnung in Schmalkalden unterzukommen. Die Planung des 42-Jährigen, den Jungen in Schmalkalden unterzubringen, schien gut durchdacht. Ein fremdes Auto wurde besorgt, um den Jungen wegzubringen. Auch ein neues Handy soll der Jugendliche bekommen haben, aus dem alten wurde der Akku entfernt, damit es nicht geortet werden könne. In Schmalkalden sei der Jugendliche mit Computerspielen und Lebensmitteln versorgt worden, soll einen Schlüssel gehabt haben und ein Handy, um sich jederzeit melden zu können. Das Opfer, das als Nebenkläger auftritt, schilderte den Fall ganz anders. Er sei mehrfach missbraucht worden, habe aus Angst um seine Familie nicht gewagt, sich zu wehren. Eine schwierige Situation für den Jugendlichen, denn „der Nachbar war der einzige, mit dem ich reden konnte“. Er sei mit dem Erwachsenen mitgegangen, weil er Angst vor ihm gehabt habe. Nach fünf Wochen in Schmalkalden habe er jedoch den Mut gefunden zu sagen, dass er wieder nach Hause wolle. Daraufhin habe ihn der Nachbar umgehend zurückgebracht.

Im Februar wird die Verhandlung fortgesetzt, weitere Zeugen werden gehört.

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