Kleine Gemeinde Lautertal mit großem Bürgerengagement

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Dieter Schäfer ist seit über zwei Monaten Bürgermeister in der Gemeinde Lautertal.

34 Jahre war Dieter Schäfer in den Rathäusern unterwegs. Jetzt ist er Bürgermeister der Gemeinde Lautertal – im Februar gewählt mit 54,3 Prozent der Stimmen.

Seit dem 1. Juli sitzt Schäfer im Bürgermeisterbüro der rund 2500 Einwohner zählenden Gemeinde, die sich aus den sieben Ortsteilen Hörgenau, Eichenrod, Eichelhain, Dirlammen, Engelrod, Hopfmannsfeld und Meiches zusammensetzt.

Die Idee, sich zur Bürgermeisterwahl in Lautertal zu stellen, kam von Schäfers Fußballkameraden. „Wir brauchen einen neuen Bürgermeister. Du bist unser Mann“, sagten die Mannschaftskollegen der Spielvereinigung Maar, Heblos und Lautertal zu Schäfer. Er stellte sich der Aufgabe. Unterstützt wurde er im Wahlkampf von der SPD. Heißt konkret: „Sie haben Wahlplakate aufgehängt und die Locations reserviert für meine Vorstellungsveranstaltungen“, sagt Schäfer. In der Politik sei er nicht beraten worden. Das habe er auch nicht gewollt. Deswegen amtiert er nun als parteiloser Bürgermeister. Er möchte sich nur dem Wohl der Bürger verpflichten. Er sagt: „In einer kleinen Gemeinde möchte ich Ansprechpartner für alle und somit auch jede Fraktion sein. Da stört das Parteidenken nur.“

Neustrukturierung in der Verwaltung

Klar, in zwei Monaten Amtszeit lassen sich noch keine Berge versetzen. Aber: Untätig war Schäfer bei weitem nicht. „An erster Stelle stand für mich, die Effizienz und das Arbeitsklima in der Verwaltung zu verbessern. Dafür habe ich viel Zeit investiert, mit jedem ein langes Einzelgespräch geführt“, sagt Schäfer.

Außerdem habe er strukturelle Änderungen vorgenommen: Die Gemeinde hat jetzt mit Marcus Kapfinger einen neuen Bauamtsleiter – ein Fachmann. Und das sei wichtig, wie Schäfer sagt: „Es stehen viele Bauprojekte, von Straßen bis hin zu Dorfgemeinschaftshäusern, an. Da benötigen wir einen Profi.“ Vor Schäfers Amtszeit leitete der Hauptamtsleiter der Gemeinde auch das Bauamt in Personalunion – Schäfer trennte diese Positionen.

Straßenbau und Dorfgemeinschaftshäuser

Tatsächlich, in Lautertal stehen einige Baumaßnahmen an – insbesondere der Straßenbau wird den Haushalt belasten. Anfang September ist die Ortsdurchfahrt im Ortsteil Hörgenau nach zweimonatiger Bauphase freigegeben worden. Noch umfangreicher jedoch ist die nächste Straßenbaumaßnahme: der Ausbau der Ortsdurchfahrt in Dirlammen, womit jetzt begonnen wurde. In drei Jahren und in drei Bauabschnitten wird die Straße samt Gehwegen grundhaft saniert. Die Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Hopfmannsfeld ist für das Jahr 2021 vorgesehen.

Zudem werden aktuell die Dächer der Dorfgemeinschaftshäuser in Eichenrod und Eichelhain energetisch saniert. Dazu stehen der Gemeinde Bundesmittel aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) zur Verfügung. Das Dorfgemeinschaftshaus in Hörgenau soll etwas aufwendiger saniert werden: Ende dieses Jahres wird mit den Arbeiten begonnen, der Küchentrakt vergrößert, der Sanitärbereich neu gestaltet. Dafür stehen Mittel aus dem Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzeptes (IKEK) zur Verfügung. Nichts Konkretes beim Breitbandausbau

Ein leidiges Thema ist in Lautertal der Breitbandausbau. „Leider kann ich dazu nichts Konkretes sagen. Mir fehlt ein Bauzeitplan“, sagt Schäfer. Landrat Manfred Görig habe zwar zugesagt, bis Ende 2019 alle Gemeinden im Kreis mit schnellem Internet versorgt zu haben. Doch bisher hat sich in Lautertal nichts getan. Bürgermeister Schäfer liegt das Thema jedoch am Herzen, möchte diesbezüglich in Zukunft mit dem Landrat in engem Kontakt bleiben. „Ohne schnelles Internet ist eine Gemeinde nicht mehr überlebensfähig und schon gar nicht attraktiv für Unternehmen“, sagt der Rathauschef. Und von mittelständischen Unternehmen gibt es in Lautertal einige. Arbeitsplätze habe man genug, so Schäfer, und sei daher als Wohnort für Familien interessant. In diesem Zusammenhang freue sich Schäfer, mit der Kita „Regenbogenland“ sowie der Grundschule in Engelrod für die jungen Kinder sorgen zu können. Breitbandausbau, Arbeitsplätze, Bildungseinrichtungen, Attraktivität für Familien – das alles hängt zusammen. Das hat Schäfer längst erkannt und will deswegen beim Thema „schnelles Internet“ nicht locker lassen.

Ein Arzt oder sogar ein Ärztehaus soll her

Ein großes Ziel ist für Schäfer die Gewährleistung der ärztlichen Versorgung in seiner Gemeinde – besser gesagt: eine ärztliche Versorgung überhaupt ins Leben zu rufen. Denn aktuell müssen die Lautertaler nach Lauterbach fahren, wenn sie medizinische Hilfe benötigen. Schäfer möchte einen Hausarzt nach Lautertal holen – im Idealfall ein Ärztehaus einrichten. „Durch meine langjährige Tätigkeit in verschiedenen Verwaltungen habe ich viele Kontakte knüpfen können. Das kann in dem Fall ein Vorteil sein“, sagt Schäfer. Doch er sagt auch: „Ohne Investor wird nichts laufen.“

Im Oktober dieses Jahres eröffnet bereits eine homöopathische Praxis in Hörgenau – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus. In Hinblick auf die Demografie in Lautertal – viele ältere Menschen wohnen in der Gemeinde – würde der Bürgermeister in seiner Amtszeit gerne eine Seniorenresidenz in die Wege leiten.

Imponiert vom Bürgerengagement

Zwar gibt es noch keine Seniorenresidenz. Dennoch sieht Schäfer die Seniorenbetreuung in seiner Gemeinde vorbildlich – und das liege zum großen Teil an den Senioren selbst. In den meisten Ortsteilen gibt es Seniorenbeiräte, die mehrmals im Jahr Begegnungsnachmittage, Tages- und Mehrtagesausflüge sowie Weihnachtsfeiern initiieren. Finanziert werde das meiste von den Senioren selbst.

Nicht nur die Senioren, auch die Jugend engagiere sich überdurchschnittlich für ihre Gemeinde. „In allen sieben Ortsteilen gibt es mittlerweile qualitativ hochwertige Jugendräume“, sagt Schäfer, der im Wahlkampf jeden davon besuchte. Vom Zustand der Jugendräume sei er sehr beeindruckt gewesen. Dabei unterhalten und pflegen die Jugendlichen die Jugendräume in Eigenregie. Vom Engagement seiner Mitbürger ist Schäfer sehr angetan. Das betreffe auch das intakte Vereinsleben in Lautertal, sagt er.

Wenn er mal nicht an seinem Schreibtisch im Rathaus sitzt, hält sich Schäfer am allerliebsten in der Natur aus. Das Wandern gehört zu seinen großen Hobbys. „Dafür finde ich hier, im Hohen Vogelsberg, die besten Voraussetzungen“, so Schäfer.

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