Kommentar: Die Baustelle rüttelt wach

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Was wurden nicht für Diskussionen geführt: über Barrierefreiheit, Parkplätze, Pflastersteine, die Erreichbarkeit von Geschäften, Wasserspiele, Fahrradabstellanlagen und und und. Jetzt ist es soweit: Die Sanierung des Marktplatzes geht am nächsten Wochenende los – gut so.

„Vorfreude ist die schönste Freude“, so sagt es der Volksmund – eine Redensart, die das Warten auf ein freudiges Ereignis angenehmer gestalten soll, tatsächlich aber aussagt: Das eigentliche Ereignis wird die Vorstellung davon nicht überbieten können. Was ernüchternd klingt, kann im Umkehrschluss etwas sehr Erfreuliches bedeuten: Denn wie es sich mit der Vorfreude verhält, so verhält es sich auch mit der Sorge.

Rückblickend scheinen Sorgen und Zweifel häufig unberechtigt. Im Alltag gibt es viele Beispiele dafür: „Der Zahnarzttermin war nicht so schlimm wie befürchtet.“ „Das Referat war halb so wild.“ „Ich hätte mich vor dem Mitarbeitergespräch gar nicht so verrückt machen müssen.“

Das heißt jedoch nicht, dass die Sorgen nicht realen Ursprungs sind. Beim Thema "Marktplatzsanierung" verhält es sich genauso: Mit Recht machen sich Alsfelder Sorgen um ihren historischen Marktplatz. Mit Recht sorgen sich Geschäftsinhaber um ihre Einnahmen. Schlimm wäre, wäre es anders. Also nehmen sie sich der Sache an.

Das zeigt: Eine rein negative Konnotation würde der Sorge nicht gerecht werden. Sie hilft dabei, sich auf ein unausweichliches Ereignis vorzubereiten, das Beste daraus zu ziehen. Um im Nachhinein sagen zu können: "Es war nicht so schlimm wie befürchtet."

Das darf den Alsfeldern Mut für die anstehende Sanierung des Marktplatzes geben. Die Geschäftsinhaber haben sich nicht dem Schicksal ergeben und gehen stattdessen mit kreativen Aktionen in die Offensive, die Stadt plant Baustellen-Partys, Kinderbaustellen und vieles mehr. Bald werden die Alsfelder auf ihrem Marktplatz historische Pflastersteine ziehen und sie sich daheim in eine Vitrine stellen. Es ist ein Gefühl: Die Rüttelplatten sind schon da, bevor der erste Spatenstich ausgeführt wurde.

Die Baustelle hat noch nicht begonnen, da hat sie bereits eines erreicht: Sie zeigt auf, dass Alsfeld lebt. Dass sich die Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt identifizieren, sich für sie interessieren, sich um sie sorgen und sich für sie einsetzen. Daran wird erst recht die Baustelle nichts ändern.

Also: Auf geht’s, pack mas. Am Ende wird es halb so wild.

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