Kommentar: Freund und Helfer als Feindbild

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Es ist kein guter Trend: Gewalt gegen Polizisten nimmt Jahr für Jahr zu - auch in Osthessen. Der einstige Freund und Helfer, er wird immer häufiger als Feind gesehen. Woran liegt das? Ein Kommentar.

Die Polizei ist dein Freund und Helfer. So heißt es – oder hieß es. Denn immer mehr Menschen sehen in Streifenbeamten ein Feindbild, an dem sie Frust und Aggression abladen können. Dabei scheinen sie eines zu vergessen: Hinter jeder Dienstmarke, hinter jedem Schutzhelm steckt ein Mensch, der seiner Arbeit nachgeht und am Abend oder Morgen – je nach Schicht – zu seiner Familie zurückkehren möchte.

In Hessen kam es im Jahr 2018 zu 3967 registrierten Fällen von Gewalt gegen Polizeibeamte – das ist ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber des Vorjahres. Die Gewalt gegen Rettungskräfte (115 Fälle) und die Gewalt gegen Feuerwehrleute (16 Fälle) nahmen im Vergleich zum Vorjahr mehr als 100 Prozent zu. Das ist Gewalt gegen Menschen, die das Leben anderer Menschen retten wollen. Und nicht selten riskieren sie bei Einsätzen sogar ihr eigenes Leben. Man muss es klar sagen: Es ist absurd, dass manch ein Idiot auf die Idee kommt, diese Helfer anzugreifen.

Welche Erklärung gibt es für den Anstieg der Gewalt gegen Rettungskräfte und Polizei? Eine Frage, auf die auch Osthessens Polizeipräsident Günther Voß schwer eine Antwort findet. Seiner Erfahrung nach habe sich die Gesellschaft geändert: Respektlosigkeit greife immer weiter um sich, es sei eine „Ellenbogen-Gesellschaft“ geworden.

Diese Einschätzung kann man teilen. Angriffe auf Polizisten sind die Ausuferung einer immer weiter um sich greifenden Respektlosigkeit in unserer westlichen Gesellschaft. Bei Respekt geht es um die Achtung des Gegenübers und dessen Meinung und Tätigkeit – eine Tugend, die immer häufiger vermisst wird. Doch ist eine liberale Gesellschaft unbedingt auf einen respektvollen Umgang unter den Bürgern angewiesen. Der Staat kann diesen Respekt nicht erzwingen – er muss früh in Elternhäusern, Schulen und Vereinen vorgelebt werden. Aber: Der Staat muss hart durchgreifen, wenn die Respektlosigkeit in Gewalt gegen Polizeibeamte mündet. Sonst besteht die Gefahr, dass der Staat sein Gewaltmonopol verliert. Denn ein Angriff auf einen Polizisten ist zugleich auch ein Angriff gegen den Staat selbst und die Gesellschaft, die der Polizist in seiner Funktion zu schützen versucht. Es muss in Deutschland allen klar sein: Der Gedanke „Eure Regeln sind nicht meine Regeln“, hat hierzulande nichts verloren. Und damit sind Migranten genauso gemeint wie Deutsche, Links- und Rechtsradikale.

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