Kommentar: Kein Land für Radfahrer

+

Wenn sich die Infrastruktur für Radfahrer ernsthaft bessern soll, dann müssen Lkws und Pkws Platz machen - sichere Radwege fallen schließlich nicht vom Himmel. Doch Autofahrer mag hierzulande kaum ein Politiker ausbremsen.

Bürgermeister Stephan Paule sagt: Die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer steht an höchster Stelle. Da kann ihm niemand widersprechen. So würde das Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sicher auch formulieren. Wenn die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer aber oberste Priorität haben soll, muss man diese Frage stellen: Warum wird dann für Radfahrer in Deutschland so wenig getan?

Deutschland ist ein Land der Autofahrer: Die Zulassungen steigen Jahr für Jahr. Selbst Kleinstädte wie Alsfeld leiden mittlerweile unter der Überlastung des Verkehrs. Deswegen investiert die Politik eher in den Ausbau von Autobahnen, statt in Expressrouten für Radfahrer; lieber in vierspurige Bundesstraßen, statt in Radwege. Doch ist das Fahrrad – insbesondere in Zeiten von E-Bikes – die einfachste, umweltfreundlichste und günstigste Lösung, dem Verkehrsproblem in deutschen Städten entgegenzutreten.

Der Fahrradklima-Test des ADFC, der Radfahrer nach ihrer Zufriedenheit mit der Infrastruktur in ihren Kommunen befragt, zeigt jedoch ein ernüchterndes Ergebnis für Radler:  In Hessen schnitt nur Baunatal mit einer „Zwei“ vor dem Komma ab – im Vogelsberg schnitten Alsfeld (4,0) und Lauterbach (4,1) schlecht ab. Es spricht Bände, wenn zwei Drittel der Befragten in Alsfeld angeben, dass man Kinder nur mit schlechtem Gefühl alleine Rad fahren lassen kann.

Da kann man der Stadt Alsfeld Vorwürfe machen, insbesondere aber der Verkehrsbehörde Hessen Mobil, die für überregionale Radwege, aber eben auch für Bundes- und Landesstraßen zuständig ist. Und auf diesen zeigt sich in Alsfeld, welches Verkehrsmittel für die Behörde Priorität hat. Wer lässt nicht gerne sein Kind auf der Alicestraße oder der Schellengasse neben einem 40-Tonner entlangradeln?!

Eine Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer ist eben nur dann möglich, wenn den Autos und Lkws Platz genommen wird. Mit der Strategie „Allen wohl und niemand weh“ kommt man nicht weiter – sichere Radwege fallen nicht vom Himmel. Zwar ist am Donnerstag der erste Teilabschnitt des Radschnellweges zwischen Darmstadt und Frankfurt eröffnet worden, doch ist das in Hessen und Deutschland die absolute Ausnahme.

Dass es anders geht, zeigen zum Beispiel die Großstädte Amsterdam und Kopenhagen – doch ein Umdenken ist in Deutschland nicht in Sicht. Deshalb: Liebe Radfahrer, sorgt selbst für Sicherheit und zieht lieber einen Helm an.

Lesen Sie hier den Bericht "In Alsfeld fühlen sich Radfahrer nicht sicher".

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Für Team Deutschland: Homberger Lars Seibert fährt als Vize Deutscher Meister zur WM

Bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft am 31. August wurde er Vize-Meister. Zurzeit bereitet er sich auf das Highlight der internationalen Sportholzfäller-Saison …
Für Team Deutschland: Homberger Lars Seibert fährt als Vize Deutscher Meister zur WM

Mode aus dem Vogelsberg, Musik ohne Ende und richtig gute Stimmung im Güterbahnhof

Es war wohl höchste Zeit – über 200 Gäste jedenfalls konnten es am Samstagabend kaum erwarten und standen schon lange vor dem Einlass im Alsfelder Güterbahnhof an.
Mode aus dem Vogelsberg, Musik ohne Ende und richtig gute Stimmung im Güterbahnhof

Unaufgeklärte Serie von Einbrüchen in Sportlerheime: Die Polizei bittet um Mithilfe

Seit Jahresbeginn kam es in den Landkreisen Fulda und Vogelsberg zu einer Serie von Einbrüchen in Sportlerheime. Die unbekannten Täter bevorzugen allein gelegene …
Unaufgeklärte Serie von Einbrüchen in Sportlerheime: Die Polizei bittet um Mithilfe

Aufbruch eines Geldautomaten in Nieder-Gemünden

Am Samstag, 12. Oktober, verschafften sich Unbekannte gegen 22 Uhr gewaltsam Zutritt zum Gebäude eines Kreditinstitutes in der Feldastraße in Nieder-Gemünden.
Aufbruch eines Geldautomaten in Nieder-Gemünden

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.